HEALTH ECONOMY
Alpbach: „Arm und krank” © CongressCentrum Alpbach

Die Gesundheitsbranche diskutierte in Alpbach über Ungleichheit.

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Die Gesundheitsbranche diskutierte in Alpbach über Ungleichheit.

28.08.2015

Alpbach: „Arm und krank”

Gesundheitsgespräche beim Europäischen Forum Alpbach ­analysierten soziale Zusammenhänge von Krankheiten.

••• Von Ulli Moschen

ALPBACH. Menschen in Haushalten unter der Armutsgrenze weisen einen drei Mal schlechteren Gesundheitszustand auf als Personen mit hohen Einkommen, und sie sind doppelt so oft krank. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Armutskonferenz, deren Ziel es war, Lücken im österreichischen Gesundheitssystem aus Sicht der Betroffenen aufzuzeigen. Diese sehen sich zudem oft mit Stigmatisierung und mangelndem Respekt in Krankenhäusern und bei niedergelassenen Ärzten konfrontiert.

Der Zusammenhang von Armut und Krankheit stand im Mittelpunkt des Leitthemas „Ungleichheit” bei den Gesundheitsgesprächen beim diesjährigen Europäischen Forum zu Beginn dieser Woche. Auf Basis der Untersuchung schlägt Martin Schenk von der Armutskonferenz in 15 Punkten Verbesserungen vor, zu denen unter anderem Begleitdienste, der Ausbau von Therapie-, Beratungseinrichtungen und psychosozialen Notdiensten und die Wiedereinführung des Pensionsvorschusses gehören.

Hürden sind überwindbar

Michael Marmot, Direktor des Instituts für Gleichheit bei Gesundheit und zukünftiger Präsident des Welt-Ärzteverbands, verweist mit den Ergebnissen seiner Studie ebenfalls auf die Verbindung zwischen Armut und Krankheit. Laut den Daten des britischen Wissenschaftlers ist dies kein Gruppenphänomen, sondern ein Merkmal der gesamten Gesellschaft. Marmot konnte einen Unterschied in der durchschnittlichen Lebenserwartung von 20 Jahren nachweisen. Um die Situation zu ändern, sieht Marmot jedoch keine unüberwindbaren Hürden: „Wir brauchen keine Revolution. Wir wissen, was zu tun ist. Wir brauchen nur die Situation verbessern, in die Babys hineingeboren werden, in der sie als Kinder aufwachsen, später als Erwachsene arbeiten und altern.”

Einig waren sich die 400 Teilnehmer der Gesundheitsgespräche, dass die Betroffenen in die Lösungsprozesse eingebunden werden sollen und eine Vernetzung mit der Politik für die Umsetzung wesentlich ist.

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