HEALTH ECONOMY
Alzheimer wird zur Herausforderung © APA/Barbara Gindl

Rund 80% der pflegebedürftigen Menschen mit Demenz werden derzeit noch zu Hause betreut.

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Rund 80% der pflegebedürftigen Menschen mit Demenz werden derzeit noch zu Hause betreut.

25.09.2015

Alzheimer wird zur Herausforderung

Experten fordern rasche Umsetzung der Demenzstrategie und orten in Alzheimer eine gesundheitspolitische Herausforderung.

••• Von Ulli Moschen

WIEN. Weltweit leiden 46 Mio. Menschen an Alzheimer-Demenz. In Österreich leben rund 130.000 Menschen mit der Erkrankung, bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Betroffenen auf fast 400.000 verdreifachen – eine sozial- und gesundheitspolitische Herausforderung.

Karl Blecha, Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), forderte anlässlich des Welt-Alzheimertags am Wochenende eine rasche und konsequente Umsetzung einer Demenzstrategie, deren Erarbeitung Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) Anfang 2015 initiiert hatten.

Beratung ist wichtig

Darunter fallen umfassende Maßnahmen, etwa verstärkte Beratungsangebote, ein Rechtsanspruch auf eine Pflegekarenz, bundesweite einheitliche Qualitäts-Standards, Ausbau von stationären und mobilen Diensten, eine Stärkung der Prävention, frühzeitige Diagnosen, eine verstärkte Forschung und Aufwertung des Pflegeberufs.

„Die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen müssen jetzt bereitgestellt werden, damit wir in Zukunft über ausreichend qualifiziertes Pflege- und Beratungspersonal, stationäre und mobile Einrichtungen sowie Unterstützungsangebote für Erkrankte und ihre Angehörigen verfügen”, sagt Blecha.
Rund 80% der pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause – zum Teil mit Unterstützung sozialer Dienste – durch Angehörige betreut. Diese fühlen sich oft allein gelassen und mit der Pflegesituation überlastet. Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger und Monika Natlacen von der Selbsthilfeorganisation Alzheimer Austria fordern neben der besseren Vereinbarkeit von Pflege- und Berufstätigkeit vor allem den Ausbau regionaler Unterstützungsstrukturen und die Bereitstellung von Informationen zu sämtlichen Leistungen.
„Pflege und Betreuung ist eine solidarische Aufgabe, kein individuelles Risiko. Wir müssen uns deshalb gemeinsam darum bemühen, die bestmögliche Unterstützung für alle bereitzustellen”, sagt Fenninger. Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, fordert zudem zusätzlich eine entsprechende Aufklärung der Bevölkerung, denn „Menschen mit Demenz dürfen nicht auf ihre Krankheit reduziert werden, sondern sind ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft”.

Forschung an Meduni Wien

Klinische Therapien hingegen gegen Alzheimer sind Zukunftsmusik. An der Meduni Wien wird derzeit an einer Impfung geforscht, die Funktionsstörungen beim Stofftransport innerhalb der Nervenzellen und damit einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung entgegenwirken könnte. „Wir können Alzheimer derzeit weder verhindern noch heilen, aber wir können den Ausbruch der Krankheit durch die richtigen Maßnahmen ins hohe Alter verschieben”, sagt Peter Dal-Bianco von der Meduni Wien. „Bewegungsträge Menschen haben ein um 80 Prozent erhöhtes Alzheimer-Risiko im Vergleich mit körperlich aktiven Menschen.” Durch die richtigen präventiven Maßnahmen – körperliche Bewegung, Vermeidung von Übergewicht, soziale Kontakte, lebenslange Neugier und den vermehrte Verzehr von Fisch, Gemüse und Obst – sei es möglich, den Ausbruch der Krankheit zu verzögern.

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