HEALTH ECONOMY
Arzneimittel-Versand läuft nur stockend an © Österreichische Apothekerkammer/APA-Fotoservice/Preiss; Österreichische Post AG; Montage: B. Schmid
© Österreichische Apothekerkammer/APA-Fotoservice/Preiss; Österreichische Post AG; Montage: B. Schmid

Martin Rümmele 03.07.2015

Arzneimittel-Versand läuft nur stockend an

Onlinehandel Nach der Öffnung des Versandhandels für rezeptfreie Medikamente durch österreichische Apotheken zeigt sich, dass das Interesse mager ist. Nur acht Apotheken ließen sich registrieren, erst fünf sind online.

Wien. Österreichische Apotheken dürfen seit wenigen Tagen wie berichtet rezeptfreie Medikamente über das Internet verkaufen. Der Online-Versand ist ausschließlich über Apotheken, nicht etwa über Drogerien oder Supermärkte, möglich. Alle Apotheken, die vom Online-Versand Gebrauch machen möchten, müssen ihre Tätigkeit dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) melden. „Die hohen Qualitätsvorgaben und der Versand ausschließlich über Apotheken schützen die Konsumentinnen und Konsumenten vor Arzneimittelfälschungen und erhöhen die Arzneimittelsicherheit”, argumentiert Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser.

Spannung über Marktanteil

Kurz nach der Marktöffnung zeigt sich nun Eines: Das Interesse bei den rund 1.300 Apotheken in Österreich ist endenwollend. Gerade einma acht Apotheken haben sich registrieren lassen, nur fünf davon sind bereits online. Damit ist man noch weit von jenen Zahlen entfernt, mit denen das Gesundheitsministerium rechnet. Dort geht man in der sogenannten Fernabsatzverordnung, die den Versandhandel regelt, davon aus, dass bis zu zehn Prozent der heimischen Apotheken eine Onlineapotheke aufsperren werden. Handelsexperten wiederum rechnen mit einem Marktanteil für Onlineapotheken von bis zu zehn Prozent.
Das Problem dabei: Die Kunden kennen sich kaum aus. Laut einer vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Studie zum Thema Online-Versand von Medikamenten in Österreich ist der Wissensstand über die Regelung des Medikamentenhandels im Internet in Österreich gering. Eine relative Mehrheit von 46% ist fälschlicherweise der Meinung, dass rezeptfreie Medikamente in Österreich bereits bisher online verkauft werden durften. Von der aktuellen Gesetzesänderung haben 80% noch nichts gehört; gleichzeitig wird sie von 58% der Befragten begrüßt, und rund 70% der Befragten bewerten sie als eine Erleichterung im Alltag. Rund 54% erwarten sich auch eine Verbilligung von Medikamenten durch die neue Möglichkeit des Online-Versands.
Der geringe Wissensstand um die legalen Möglichkeiten des Kaufs von Medikamenten über das Internet in Verbindung mit der positiven Einstellung gegenüber dem Online-Versand von rezeptfreien Medikamenten durch österreichische Apotheken zeige, dass Aufklärung dringend notwendig ist”, sagt Apothekerverbandspräsident Christian Müller-Uri. Die Gefahr, Fälschern auf den Leim zu gehen, sei sehr groß. Gemeinsam mit dem BASG startet das Gesundheitsministerium daher die Aufklärungsinitiative „Medikamente im Internet kaufen? Wissen Sie wirklich, was Sie bekommen?” „Mit Info-Foldern, Info-Schaltungen in den großen Tagesmedien und auf der Homepage wollen wir die Bevölkerung von der neuen Möglichkeit des Online-Versands von rezeptfreien Medikamenten informieren und sie gleichzeitig über die Gefahren aufklären, die der Einkauf bei illegalen Anbieterinnen und Anbietern birgt”, erklärt Oberhauser.

Warnung vor Fälschungen

Jährlich werden nämlich große Mengen gefälschter Arzneimittel beschlagnahmt, die im Internet bei illegalen Händlern bestellt werden. Den Herstellern dieser Produkte gelingt es immer öfter, verbotene und potenziell gefährliche Fälschungen äußerlich täuschend echt aussehen zu lassen. Im Gegensatz zu Originalpräparaten werden Arzneimittelfälschungen jedoch fast ausnahmslos unter unbekannten und unkontrollierten Bedingungen produziert und stellen somit ein massives Gesundheitsrisiko dar.

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