HEALTH ECONOMY
Das Innovationsklima der Industrie wird rauer © FOPI/APA-Fotoservice/Juhasz

Rückkehr AbbVie General Manager Ingo Raimon kehrt zurück an die Spitze des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI).

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Rückkehr AbbVie General Manager Ingo Raimon kehrt zurück an die Spitze des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI).

Martin Rümmele 01.12.2017

Das Innovationsklima der Industrie wird rauer

Die multinationalen Pharmakonzerne orten in Österreich ein pharmafeindliches Umfeld; ihr Verband fordert Reformen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Um ein präzises Bild über die Rahmenbedingungen für pharmazeutische Innovation in Österreich zu erhalten, erhebt das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI) quartalsweise die Stimmung in der Industrie und bildet diese im „FOPI Innovationsklima Index” ab. Das jüngste Ergebnis ist alarmierend: Der Index liegt deutlich im negativen Bereich. Vor allem die Akzeptanz der Industrie im Gesundheitssystem hat sich verschlechtert. Schlechte Noten gibt es auch für den Marktzugang sowie das politische Umfeld.

„Keine Momentaufnahme”

„Wir haben mit dem Index bereits zum dritten Mal die Stimmung in der Branche abgefragt und leider zum dritten Mal in Folge klar negative Aussagen erhalten. Es handelt sich also nicht um eine Momentaufnahme”, betont Ingo Raimon, neugewählter Präsident des FOPI und General Manager von Abb­Vie in Österreich. Nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa sind laut dem Forum die Forschung und Entwicklung und die Produktion im Pharmabereich rückläufig.

Zu den Forderungen an die künftige Bundesregierung zählt deshalb die Errichtung einer umfassenden und nachhaltigen Nutzenbewertung von Arzneimitteln, die sowohl den individuellen Patientennutzen als auch den volkswirtschaftlichen Nutzen umfassen soll, betonte Raimon. Weiteres fordert Raimon eine „faktenbasierte” Arzneimittelkosten-Betrachtung auf Basis echter Nettobeiträge sowie die Entkoppelung der Ausgaben für die Gesundheitskosten von der Entwicklung des BIP. Die eingesparten Mittel müssten zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und für die Finanzierung von Innovationen verwendet werden.
Um Österreich als Standort für Spitzenmedizin abzusichern, sollte zudem eine Koordinierungsstelle für klinische Studien eingerichtet werden; dabei sollte es um mehr als nur um Grund­lagen­forschung gehen. Gefordert wird auch die Sicherstellung der ärztlichen Therapiefreiheit und Patienten-Mitbestimmung. All dies soll in einen nationalen Aktionsplan „Patient 2022” münden, zu dem alle Akteure an einem Tisch gebracht werden sollen.

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