HEALTH ECONOMY
„Ein Brief bringt mehr” © Phago (3)

Monika Vögele ist die neue Phago-Generalsekretärin. Die 41-Jährige übernimmt die Agenden von Heinz Krammer (unten), der den Verband 35 Jahre geleitet hat.

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Monika Vögele ist die neue Phago-Generalsekretärin. Die 41-Jährige übernimmt die Agenden von Heinz Krammer (unten), der den Verband 35 Jahre geleitet hat.

Martin Rümmele 14.10.2016

„Ein Brief bringt mehr”

Monika Vögele ist die neue Generalsekretärin des Großhandelsverbands Phago. Im medianet-Interview skizziert sie die Herausforderungen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Monika Vögele ist die neue Generalsekretärin des Großhandelsverbandes Phago. Die bisherige stellvertretende Direktorin der Apothekerkammer löst den langjährigen Phago-General Heinz Krammer ab. Die Herausforderungen sieht sie in mehreren Bereichen. So kämpfe der Großhandel seit mehreren Jahren mit drei Kernproblemen: „Zum einen ist da die Umsatzentwicklung, die sich durch die Struktur der Umsätze verändert. Billige Generika einerseits und teure Spezialprodukte andererseits nehmen zu. In beiden Fällen sind die Margen mager – das gilt auch für die Apotheken. Bei den neuen Hepatitis C-Produkten hatte der Großhandel pro Packung gerade mal eine Spanne von 0,17 Prozent; hier geht es künftig darum, eine vernünftige Mischkalkulation zu finden”, sagt sie im medianet-Interview. „Ich denke, wir sollten für die Logistik und den Transport zumindest so viel bekommen, wie die Post für einen Brief. Wir liegen aber schon jetzt darunter”, fordert sie.

Dann komme dazu, dass immer mehr Pharmaunternehmen Apotheken direkt beliefern, wodurch Deckungsbeiträge weg­fielen. „Und dann steigen noch die Anforderungen in allen Bereichen. Ein Beispiel ist etwa die Umsetzung der Fälschungsrichtlinie. Natürlich schaffen wir das, aber der Aufwand ist groß und damit entstehen Kosten.”

Breite Angebote

Wichtig erscheine ihr, dass auch mehr auf die Leistungen hingewiesen wird, die der Großhandel im Hintergrund erbringt. Vögele: „Es gibt etwa täglich rund 15.000 Anrufe an den Hotlines. Die Leistungen der sechs Unternehmen und ihrer rund 2.000 Beschäftigten haben es verdient, mehr in den Vordergrund gestellt zu werden. Wir können zudem in zwei Stunden jeden Ort und jede Apotheke in Österreich erreichen und beliefern. Das ist für die Versorgung mit Arzneimitteln extrem wichtig. Der Großhandel ist das Rückgrat der öster­reichischen Arznei­mittelversorgung.”

Wenn etwa künftig die Industrie verstärkt Apotheken direkt beliefert, könne es sein, dass man auf Produkte ein bis zwei Tage wartet. „Besonders schwer wird es, wenn ein Produkt am Freitagnachmittag benötigt wird.”

Druck von der Industrie

Bei der Direktbelieferung durch die Industrie wünsche sie sich ähnlich wie in Deutschland eine Verpflichtung, dass auch jeder Großhändler von der Indus­trie beliefert werden muss. „Das Ministerium kennt das Problem, betont aber, dass man das Arzneimittelgesetz erst ändert, wenn die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern zu groß wird. Das Problem spitzt sich aber schon jetzt zu, weil immer mehr Produzenten kein Lager mehr in Österreich haben”, sagt die neue Phago-Generalsekretärin.

Versandhandel

Der zuletzt gelockerte Versandhandel im Apothekenbereich sei sicherlich auch ein Thema, sagt sie. Nehme er zu, werde er auch eine Gefahr für den Großhandel, weil die Apotheken in größeren Mengen bei der Industrie einkaufen. „Die Leistungsfähigkeit der Unternehmen muss im Sinne der Versorgung erhalten ­bleiben.”

Die gebürtige Oberösterreicherin Vögele wird die Geschäfte gemeinsam mit Phago-Präsident Andreas Windischbauer (Herba Chemosan Apotheker AG) leiten. Windischbauer über die neue Generalsekretärin: „Wir sind stolz darauf, dass wir Frau Vögele für unseren Interessens-Verband gewinnen konnten. Sie ist eine ausgewiesene Kennerin der Branche. Gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen freue ich mich schon sehr auf unsere Zusammenarbeit.”

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