HEALTH ECONOMY
Heilung mit Daten © panthermedia.net/Monika Wisniewska

Experten sind überzeugt, anhand von laufend erhobenen Daten Krankheiten früh erkennen und behandeln zu können.

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Experten sind überzeugt, anhand von laufend erhobenen Daten Krankheiten früh erkennen und behandeln zu können.

Redaktion 26.08.2016

Heilung mit Daten

Gesundheitsexperten sind uneins, ob die Nutzung von Daten die Versorgung verbessert oder Risiken birgt.

ALPBACH. Milliarden gesundheitsrelevanter Daten jedes Einzelnen sollen in Zukunft zu einer „Wolke” für eine verbesserte Gesundheitsversorgung zusammengeführt werden. Das erwarten zumindest Gesundheitsexperten. Unklar und umstritten ist allerdings, ob das dem Individuum und der Gesellschaft nutzt. Die Möglichkeit, jemandem ein hohes Krankheitsrisiko zu attestieren, sei schon fast selbst zu einer Krankheit geworden, kritisierte etwa die Vizepräsidentin des Forums Alp­bach, Ursula Schmidt-Erfurth.

Megamarkt „Self-Tracking”

Würde man immer wieder reduzierten Höchstwerten bei den „erlaubten” Blutfettwerten folgen, müssten exorbitante Geldmittel im Gesundheitswesen für die entsprechenden Medikamente aufgewendet werden, konstatierte Schmidt-Erfurth. Der Self-Tracking- und Selbst-Optimierungsmarkt werde bald ein Umsatzvolumen von 6,3 Mrd. € haben. Und da sei dann die Frage, ob diese „Demokratisierung” von gesundheits­relevanten Daten und Aktionen nicht letztlich der hemmungs­losen Privatisierung des Gesundheitswesens diene.

Leroy Hood, seit Jahrzehnten in der Genom-Forschungslandschaft tätig und Gründer der Systembiologie in Seattle in den USA, ist hingegen ein Verfechter der neuen Gesundheits- und Medizinlehre unter Verwendung aller nur möglichen Daten. „Wir werden eine umfassende Gesundheitsversorgung haben: prädiktiv, präventiv, personalisiert und partizipativ. Diese Medizin wird proaktiv statt reaktiv, individualisiert statt auf Gruppenbasis funktionieren. Sie wird auf wissenschaftlich basierte Wellness statt auf Krankheit ausgerichtet sein”, sagte er. Klinische Studien würden anhand der „Datenwolke” des Einzelnen statt an Gruppen durchgeführt werden. Dazu sollen die kompletten Genom-Daten des Einzelnen, regelmäßige Blut- und Laborbefunde und schließlich das kontinuierliche „Self-Tracking” des Einzelnen über Fitness-Armbänder beitragen.

Warnung vor Missbrauch

Beklemmende Aussichten skizzierte hingegen die US-Künstlerin Heather Dewy-Hagborg: Der Mensch ist mit seinen DNA-Spuren überall auffindbar und reproduzierbar. Dewy-Hagborg durchstreifte New York City auf der Suche nach DNA-Material – ein weggeworfener Kaugummi, Speichelreste an einem Papp-Kaffeetrinkbecher, etc. Durch Integration der modernsten Erkenntnisse der Genforschung kam sie dazu, Porträt-Masken aus dem 3D-Printer mit den Charakteristika aus dem Genom zu produzieren. Mittlerweile stünden wir alle schon über Genomdaten und Ähnliches zum Verkauf, warnte die Spezialistin. (iks)

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