HEALTH ECONOMY
Inspiration aus dem Weltraum © Frankl/HTS

Landesrat Christian Buchmann, Franz Viehböck und Thomas Hassler (v.li.) bei der Vorstellung der neuen Technologie.

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Landesrat Christian Buchmann, Franz Viehböck und Thomas Hassler (v.li.) bei der Vorstellung der neuen Technologie.

ulli moschen 15.04.2016

Inspiration aus dem Weltraum

Steirisches Start-up entwickelt aus Sensorjacke für ­Kosmonauten neue Möglichkeiten für den Einsatz in Sport, Therapieüberwachung und Gesundheitsvorsorge.

GRAZ. Das steirische Medizintechnik-Start-up Joysys arbeitet an einer neuen Technologie zu Messung der Aktivitäten des autonomen Nervensystems, die ursprünglich für die Überwachung des Gesundheitsstatus von Kosmonauten im Weltraum entwickelt wurde.

Franz Viehböck, heute Vorstand der Berndorf AG, war 1991 als erster Österreicher im Rahmen des Austromir-Weltraumprojekts im All. Anhand einer Sensorjacke, vom Projektteam des Grazer Forschers Maximilian Moser entwickelt, wurden gesundheitsrelevante Daten des Kosmonauten aufgezeichnet; im Mittelpunkt stand die Herz­ratenvariabilität, die über Sensoren im Brustbereich gemessen wurde. „Die Daten, die wir mit dieser Sensorjacke gewinnen konnten, zeigten erstmals, wie sich das vegetative Nervensystem in der Schwerelosigkeit verhält”, erklärte Viehböck.

Höchste Genauigkeit

Mittlerweile ist das System in acht Generationen weiterentwickelt worden. „Wir messen die Aktivitäten des autonomen Nervensystems mit höchster Genauigkeit aus dem Herzschlag”, sagt Thomas Hassler, Geschäftsführer von Joysys. „Wir erheben so, wie gesund, beziehungsweise gestresst der Organismus ist, und helfen, mit erprobten Interventionen diesen zu verbessern und zu stabilisieren.”

Hassler sieht eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten für das Messgerät. Es sei sowohl im Freizeit- und Hochleistungssport einsetzbar als auch in der Diagnose und Therapieüberwachung von Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs oder entzündlichen Krankheiten und sowohl für die allgemeine als auch die betriebliche Gesundheitsvorsorge geeignet. Langfristig soll die Technologie dafür allerdings noch kompakter und günstiger werden.
Joysys hat seinen Betrieb im vergangenen Jahr mit fünf Mitarbeitern im Innovationszentrum Weiz aufgenommen. Bis Ende 2016 soll die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt und ein Vertrieb im deutschsprachigen Raum und Großbritannien aufgebaut werden. Die Geschäftsführung erhofft sich eine Umsatzsteigerung von 350.000 auf 800.000 €. Das Unternehmen will sein Wachstum bis 2020 über Private-Equity-Organisationen, Investoren und Crowdfunding-Plattformen ­finanzieren, Gespräche dazu stehen kurz vor dem Abschluss.

Weitere Projekte geplant

Joysys hat noch weitere Projekte in petto. „Erstens beginnt eine Forschungszusammenarbeit mit der Wiener Medizinischen Universität mit Richard Crevenna im Bereich onkologische Rehabilitation und eine Zusammenarbeit mit der ProMente-Gruppe im Bereich psychosoziale Rehabilitation”, erklärt Thomas Hassler. „Zusätzlich startet eine Kooperation mit einem deutschen Technologieunternehmen, das Teile unserer Software lizenziert und uns Zugänge zu deren Vertriebspartnern ermöglicht.” Der Fokus liegt zurzeit auf dem Gesundheitsexpertenmarkt. Rund 4 Mio. € will das Unternehmen nun investieren, um die Lücke zum Konsumenten mit medizintechnischen Lösungen zu schließen.

Auch die steirische Politik zeigt sich über die Dynamik im Humantechnologie-Cluster erfreut: „Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen entstehen Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Joysys ist ein gutes Beispiel dafür und zeigt den unternehmerischen Spirit im steirischen Medizintechnik-Sektor”, sagt Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (ÖVP). „Im gesamten Stärkefeld Humantechnologie werden mit rund 28.000 Beschäftigten jährliche Umsätze von rund drei Mrd. Euro erzielt.”

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