HEALTH ECONOMY
Kassen rutschen in die roten Zahlen © Hauptverband der österr. Sozialversicherungsträger

Hohe Arbeitslosenzahlen drücken die Einnahmen, hohe Ausgaben für Arzneimittel lassen die Ausgaben der Kassen steigen.

© Hauptverband der österr. Sozialversicherungsträger

Hohe Arbeitslosenzahlen drücken die Einnahmen, hohe Ausgaben für Arzneimittel lassen die Ausgaben der Kassen steigen.

27.11.2015

Kassen rutschen in die roten Zahlen

Die meisten Krankenkassen erwirtschaften heuer wohl wieder ein Minus. Zwar fällt es niedriger aus, als erwartet, die Verantwortlichen zeigen sich aber wachsam.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Die Krankenkassen rechnen bei einem Budget von insgesamt 17,2 Mrd. € für das heurige Jahr mit einem Verlust von rund 85 Mio. €. Diese aktuellste Prognose des Hauptverbands der Sozialver­sicherungsträger liegt etwas besser als die vorigen; Grund dafür sind geringfügig höhere erwartete Beitragseinnahmen auf der einen und geringfügig niedrigere Ausgaben auf der anderen Seite.

Im Sommer ist man noch von einem Gebarungsabgang von 129 Mio. € ausgegangen. Wurde im August bei den Beitragseinnahmen noch mit einer Steigerung von 3,5% gerechnet, waren es nun im November 3,6%. Auch bei den Ausgaben sieht es etwas besser aus, zum Beispiel wurde im August für die Medikamentenausgaben noch ein Plus von 7,2% prognostiziert, jetzt nur mehr eines von 6,4%.

Rabatte wirken 2016 voll

Die jüngste Vereinbarung über die Verlängerung des Rahmenvertrags zur Begrenzung der Medikamentenkosten zwischen Sozialversicherung und Pharmawirtschaft ist übrigens noch nicht eingerechnet – die ist nämlich erstens noch nicht in trockenen Tüchern, da so gut wie alle in Österreich vertretenen Pharmaunternehmen dem Vertrag zustimmen müssen, und wirkt zweitens erst ab 2016.

Von den neun Gebietskrankenkassen sollen heuer jedenfalls fünf ein Minus machen: Das größte wird für die Wiener GKK erwartet, nämlich 51,8 Mio. €. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren trotz eines engen Sparkorsetts bemüht, unserem Versorgungsauftrag in all seinen Facetten nachzukommen; parallel dazu konnte auch die finanzielle Lage deutlich verbessert werden”, resümiert WGKK-Obfrau Ingrid Reischl. Nach einer Phase von sechs Jahren, die die WGKK jeweils im Plus abschließen konnte, kommt heuer aber die Trendwende. Die größten Löcher reißen dabei einerseits die geringeren Einnahmen für pflichtversicherte Erwerbs­tätige aufgrund steigender Arbeitslosigkeit – in Wien im Schnitt plus 10,4%. Andererseits würden die Medikamentenkosten ausufern. Reischl: „Mehr als der halbe Abgang geht auf Kosten einer Handvoll Medikamente.”

Nur noch geringe Schulden

Die GKK Niederösterreich wiederum soll 26,5 Mio. € Verlust machen, die GKK Oberösterreich 22,3 Mio., die GKK Tirol 20 Mio. € und jene in Vorarlberg immerhin 6,7 Mio. Ausgeglichen bilanzieren werden hingegen die GKK Burgenland und Steiermark. Ein geringfügiges Plus von 0,7 Mio. € erwartet der Hauptverband für die Salzburger Gebietskrankenkasse, noch besser soll mit 5,6 Mio. € die Kärntner GKK liegen.

Allerdings stehen die Kassen noch gut dar: Ende des Vorjahres hatten sie ein Reinvermögen von mehr als 2,5 Mrd. €. Das teilten die Sozialversicherungen in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des Team Stronach mit. Schulden wiesen nur noch die Gebietskrankenkassen in Wien und Kärnten aus.

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