HEALTH ECONOMY
Krebskongress in Wien zeigt neue Durchbrüche © panthermedia.net/photographee.eu
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25.09.2015

Krebskongress in Wien zeigt neue Durchbrüche

Bis Sonntag tagen 20.000 Krebsmediziner auf Europas wichtigstem Fachevent in Wien. medianet zeigt neueste Forschungsergebnisse.

Heute, Freitag, beginnt in Wien der Europäische Krebskongress ECC, der noch bis kommenden Dienstag 20.000 internationale Expertinnen und Experten in die Bundeshauptstadt lockt. Neben zielgerichteten und individuellen Behandlungsformen gegen verschiedene Tumorarten steht insbesondere die Immuntherapie im Fokus des Kongresses. „Selbst die konservativsten Forscher sprechen heute von einem Paradigmenwechsel in der Krebstherapie”, zeigt sich Wolfram Schmidt, Geschäftsführer von Roche Austria, erfreut über die jüngsten Fortschritte in der Immuntherapie von Krebs.

Das System umkehren

Tumorzellen schafften es bisher stets, die körpereigene Immunabwehr zu unterdrücken. Die neuen Immuntherapien zielen nun auf die Blockade eben dieser Hemmung ab – mithilfe monoklonaler Antikörper, sogenannter Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Damit kehren die Forscher das System um zu einer Attacke der körpereigenen Immunzellen gegen die Tumorzellen.

„Da wir die Physiologie des Körpers immer besser verstehen, können wir auch immer besser mit Krebserkrankungen umgehen”, erklärt Schmidt, der aber darauf hinweist, dass künftige Immuntherapien allein wahrscheinlich nicht ausreichen werden. Aber als Kombinationstherapie mit anderen Immuntherapeutika oder gemeinsam mit Chemotherapie, Bestrahlung oder zielgerichteten Therapien könnten hervorragende Ergebnisse erreicht werden.
Roche selbst hat laut Schmidt derzeit acht Moleküle in der Forschungspipeline, die für die Immuntherapie eingesetzt werden könnten. Auf dem Kongress wird das Unternehmen darüber hinaus Daten aus 138 Abstracts vorstellen. Präsentiert werden im Bereich Immun- und zielgerichtete Therapie Ergebnisse mehrerer klinischer Studien, welche die laufenden Zulassungsgespräche für drei potentielle Medikamente gegen spezifische Formen von Lungen-, Blasen- und Hautkrebs unterstützen.

Globale Forschungskooperation

„Die gezielte medikamentöse Mobilisierung der körpereigenen Abwehr gegen Krebszellen, die Immuno-Onkologie, eröffnet vollkommen neue Perspektiven und Chancen in der Krebstherapie”, unterstützt auch Tobias Eichhorn, Onkologie-Chef bei Pfizer Austria, diesen Therapieansatz: „Durch die globale Kooperation mit Merck Darmstadt treibt Pfizer den Fortschritt in dieser sehr wichtigen Domäne an führender Stelle mit voran.” Zum anderen bereite auch das rasant wachsende molekularbiologische Verständnis des Tumorzellwachstums „den Boden für vollkommen neuartige zielgerichtete Therapien, die auch gegen resistent gewordene Krebszellen Wirkung zeigen können”, erklärt Eichhorn.

Pfizer jedenfalls präsentiert beim Kongress Daten zu neuen, „gezielten Therapien” – unter anderem beim metastasierten Brustkrebs. Durch besseres Verständnis der jeweiligen zugrundeliegenden Ursachen konnten Medikamente entwickelt werden, die zielgerichteter auf Krebszellen wirken als traditionelle Therapien. Pfizer hat hier ein neues Ziel ins Auge gefasst und arbeitet an der Entwicklung eines Arzneimittels, das betroffenen Frauen ein längeres Leben bei besserer Lebensqualität ermöglichen soll.

Neue Therapie bei Prostatakrebs

Die Österreich-Tochter des japanischen Pharmakonzerns Astellas hingegen fokussiert auf dem Kongress auf einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms: Seit 1. September 2015 wird ein Astellas-Medikament mit dem Wirkstoff Enzalutamid für die Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms auch vor der Chemotherapie uneingeschränkt von den Krankenkassen erstattet. Bereits seit zwei Jahren wird das Medikament erfolgreich bei Patienten angewendet, bei denen die Chemotherapie fehlgeschlagen ist. In der sogenannten Prevail-Studie wurde die Anwendung der neuen Arznei in einem frühen Stadium vor der Chemotherapie getestet. Dadurch konnte das Risiko auf ein Fortschreiten des Tumorwachstums und das Sterberisiko signifikant reduziert werden. Das Risiko eines Fortschreitens des Tumorwachstums konnte gegenüber der Standardtherapie sogar um 81% auf 19% gesenkt werden. Auch die Zeit bis zur Einleitung einer Chemotherapie konnte signifikant verlängert werden. Mehr als die Hälfte der Patienten, die mit Enzalutamid behandelt wurden, erhielt eine Chemotherapie erst nach 28 Monaten; die Nebenwirkungen waren mit Placebo vergleichbar.

„Mit der Aufnahme von Enzalutamid in die ‚Gelbe Box' des Erstattungskodex wird Männern mit Prostatakrebs nicht nur ein längeres Leben, sondern auch ein Leben mit guter Lebensqualität ermöglicht. Die Möglichkeit, Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom vor der Chemo eine Therapieoption anbieten zu können, freut uns sehr”, sagt Miroslaw Jan Lubecki, Geschäftsführer Astellas Österreich.

Mittel gegen Riesenzelltumore

Daiichi Sankyo Austria wiederum präsentiert auf dem Kongress aktuelle Daten einer Phase-I-Studie mit dem Wirkstoff PLX3397, der das Wachstum von Riesenzelltumoren der Weichteile, insbesondere der Sehenscheide, hemmt. 52% der Patienten erreichten eine partielle Remission, und 30% der Patienten hatten einen stabilen Krankheitsverlauf nach der Behandlung mit dem neuen Wirkstoff. Gegen die Erkrankung, die zu extremen Schmerzen und zur Gelenkversteifung führt, gibt es bis heute noch keine sytsemische Therapie. Weiters präsentiert das Unternehmen Daten zu Medikamenten gegen Haut- und Darmkrebs.

Daneben präsentieren Dutzende weitere Pharmaunternehmen vielversprechende Daten zu neuen Therpieformen gegen Krebs, darunter auch Boehringer Ingelheim.Wien ist Sitz dessen globalen Krebsforschungszentrums – und der Standort wird weiter ausgebaut: Im November 2015 wird ein neues Forschungsgebäude eröffnet. Auf einer Nutzungsfläche von rund 2.400 m2 werden rund 80 neue Laborarbeitsplätze zur Verfügung stehen. Darüber hinaus finanziert das Unternehmen den Neubau des Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie (IMP), ein Hotspot der Krebsforschung.

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