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Licht und Schatten im Biotech-Bereich © panthermedia.net/kwanchaidp

Investoren suchen zunehmend Biotech-Unternehmen mit erfolgsversprechenden Produkten in frühen Stadien.

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Investoren suchen zunehmend Biotech-Unternehmen mit erfolgsversprechenden Produkten in frühen Stadien.

Redaktion 22.04.2016

Licht und Schatten im Biotech-Bereich

Die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY hat die ­Biotech-Branche analysiert. Fazit: Während es international einen Boom gibt, hinkt Österreich weiterhin nach.

WIEN. Der Boom der internationalen Biotech-Branche hält weiterhin an: Mit insgesamt knapp 71 Mrd. USD nahmen Biotech-Unternehmen in den USA und Europa im vergangenen Jahr mehr Kapital auf als je zuvor. Damit übertrafen sie die 2014 aufgestellte Rekordmarke von 56 Mrd. USD nochmals deutlich. Der Großteil dieser Finanzierungen entfällt mit 61,1 Mrd. USD auf Biotech-Unternehmen in den USA – das entspricht einer Steigerung von 32% im Vergleich zum Vorjahr. Aber auch in Europa kletterten die ­Finanzierungen in die Biotech-Branche um drei Prozent auf rund 9,9 Mrd. USD. Das sind die Ergebnisse des aktuellen Biotech-Reports der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY.

Aktuelles Allzeithoch

Erich Lehner, Partner und Industry Leader Biotechnology bei EY Österreich: „Die globale Biotech-Branche befindet sich momentan in einem Allzeithoch – dies- und jenseits des Atlantiks sind die Finanzierungen so hoch wie nie zuvor.” Die Biotech-Unternehmen hätten es speziell in den vergangenen zwei Jahren sehr gut geschafft, Investoren von ihrem Wertsteigerungspotenzial zu überzeugen und das aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik zur Genüge vorhandene Kapital anzuziehen. „Die Kassen der meisten Biotech-Unternehmen, speziell in den USA, sind prall gefüllt. Das kurbelt die Forschung weiter an und wird in den nächsten Jahren zu weiteren Durchbrüchen führen.”

In Österreich lukrierten Biotech-Unternehmen 2015 insgesamt 259 Mio. USD – davon gingen allerdings 226 Mio. an ein einziges Unternehmen. Rechnet man die Venture-Capital-Finanzierungsrunde und den IPO von Nabriva Therapeutics mit Sitz in Wien heraus, die 120 beziehungsweise 106 Mio. USD einbrachten, bleiben gerade einmal Finanzierungen in der Höhe von 33 Mio. USD für die österreichischen Biotech-Unternehmen übrig.

Boom nicht flächendeckend

Demensprechend gibt Lehner dann auch zu bedenken, dass dieser Boom keineswegs flächendeckend zu beobachten ist: „Die in diesem Jahr erneut aufgestellten Rekordmarken bei der Kapitalbeschaffung deuten auf ein starkes Momentum der Biotech-Branche hin. Das überdeckt allerdings, dass der Boom von einigen wenigen Ländern, speziell von den USA und Großbritannien, getragen wird. In anderen europäischen Ländern dagegen ist die Finanzierungssituation für Biotech-Unternehmen weit weniger rosig.”

Auch in Österreich gelinge es den Biotech-Unternehmen bis auf eine Ausnahme kaum, an diesem Aufwärtstrend teilzuhaben. Gerade Start-ups fehle es hierzulande oft am nötigen Risikokapital, um den nächsten Schritt zu machen. „So bleiben viele Innovationen, die meist mit Risiken über längere Zeiträume verbunden sind, in der Kinderschuhen stecken und ­schaffen es nicht bis zur Marktreife.”

Suche nach jungen Firmen

Global gesehen, spiegelt sich das Interesse der Investoren in Biotech-Unternehmen jedoch auch in den internationalen Venture-Capital-Zahlen wider, die 2015 ebenfalls eine neue Rekordhöhe erreichten. In den USA konnten Biotech-Unternehmen im vergangenen Jahr 9,4 Mrd. USD anziehen, 2014 waren es 5,6 Mrd. USD. Auch in Europa stieg das Risikokapital rasant – und zwar von 2 Mrd. auf 2,5 Mrd. USD an. Im Vergleich zum Vorjahr gab es im Jahr 2015 eine Verschiebung der Schwerpunkte. Denn die Investoren blicken nunmehr verstärkt auf jene Unternehmen, deren Produkte sich in einem frühen Entwicklungs­stadium befinden. (red)

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