HEALTH ECONOMY
MedAustron hat Test bestanden © MedAustron

Geschäftsführer Eugen B. Hug und Alfred Zens mit einem der getesteten Bestrahlungspläne auf einem radiochromen Film.

© MedAustron

Geschäftsführer Eugen B. Hug und Alfred Zens mit einem der getesteten Bestrahlungspläne auf einem radiochromen Film.

22.01.2016

MedAustron hat Test bestanden

Im geplanten europäischen Zentrum für Ionentherapie und Forschung laufen bisher alle Systeme nach Plan. Die erste Patientenbehandlung soll noch heuer stattfinden.

••• Von Martin Rümmele

WIENER NEUSTADT. Vor Kurzem ist ein Meilenstein im geplanten Wiener Neustädter Krebsbehandlungs- und Forschungszentrum MedAustron gelungen: Die komplexen Systeme der Anlage – vom Beschleuniger über die Robotik, Röntgentechnologie, Patienten- und Sicherheitstechnik bis zu einer Vielzahl an Softwareprogrammen – haben in einem Test bewiesen, dass sie nicht nur einzeln, sondern auch im Zusammenspiel gut funktionieren. Der gesamte Ablauf von der Planung einer Behandlung bis zur Bestrahlung wurde durchlaufen, und alle Schnittstellen haben den Stresstest erfolgreich bestanden. Der besagte Test hieß „one plan runs through”, womit die Aufgabe schon beschrieben wird.

Gewaltiger Aufwand

Für die Überprüfung wurde zunächst ein Bestrahlungsplan erstellt und in die „Sprache” des Beschleunigers übersetzt. Dieser generierte daraufhin die benötigten Teilchenstrahlen, die im Behandlungsraum gemäß dem berechneten Plan auf ein Phantom gelenkt werden. Zuvor mussten die Medizintechniksysteme im Behandlungsraum aber noch die fiktive Tumorposition im Phantom-Patienten verifizieren und diesen in die korrekte Bestrahlungsposition manövrieren. Eine Fülle von Sicherheitsmechanismen ergänzte diesen Ablauf, in dem die Patientensicherheit – so wie auch im Echtbetrieb – stets oberste Priorität hatte.

Klingt einfach, ist es aber nicht: In einer Anlage, die aus vielen maßgeschneiderten Einzelsystemen besteht, ist der Informationsaustausch zwischen den Systemen und deren zentrale Steuerung durch den Anwender eine Herausforderung. Dieser „Stresstest” für die Schnittstellen und die Integration der Einzelkomponenten wurde nun erfolgreich gemeistert, denn zum ersten Mal wurde die gesamte Behandlungskette durchlaufen. ­Getestet wurde dabei genau genommen nicht ein einzelner Bestrahlungsplan, sondern verschiedene Varianten von unterschiedlicher Komplexität.
Involviert waren spezifisch für MedAustron entwickelte Medizinprodukte wie das Bestrahlungsplanungssystem, das Onkologie­informationssystem, der Positionier­roboter, die Röntgenanlage sowie die umfangreiche Sicherheitstechnik und zu guter Letzt die Beschleunigeranlage selbst. Diese wird wiederum aus zig Einzelprogrammen gesteuert. Alle klinischen Abläufe im Behandlungsraum selber wurden erstmals zentral aus dem sogenannten lokalen Kontrollraum gesteuert. Aber nicht nur Maschinen und Softwareprogramme, sondern auch Menschen haben bewiesen, dass abteilungsübergreifendes Teamwork bei MedAustron bestens funktioniert: Medizinphysiker, Beschleunigerphysiker sowie Software-, Elektronik- und Mechanik-Ingenieure von MedAustron haben gemeinsam mit externen Experten und Partnern für den Erfolg des „one plan runs through” gesorgt.

Letzte Vorbereitungen

Nach diesem erfolgreichen Abschluss wird nun die Anlage fit für die Aufgaben im laufenden Jahr gemacht: Demnächst wird sie im 24/7-Betrieb laufen. Es gilt, die medizinische Kommissionierung und die Zertifizierung zum Medizinprodukt erfolgreich abzuschließen, einen von unabhängiger Stelle ausgewerteten end-to-end-Test für den Patientenbetrieb zu absolvieren sowie mit der Betriebsanlagengenehmigung für das Ambulatorium im Laufe dieses Jahres mit den ersten Patientenbehandlungen zu starten. Mit MedAustron entsteht in Wiener Neustadt eines der modernsten Zentren für Ionentherapie und Forschung in Europa.

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