HEALTH ECONOMY
MedAustron startet Tests für Anlagenbewilligung © Thomas Kästenbauer

Bei MedAustron wird die sogenannte Ionentherapie verwendet, durch die die Strahlenbelastung stark minimiert werden soll.

© Thomas Kästenbauer

Bei MedAustron wird die sogenannte Ionentherapie verwendet, durch die die Strahlenbelastung stark minimiert werden soll.

Ina Schriebl 10.07.2015

MedAustron startet Tests für Anlagenbewilligung

Großprojekt Teilchenbeschleuniger zur Krebstherapie soll in etwa einem Jahr in Niederösterreich in Betrieb gehen

Land, Republik und Stadt Wiener Neustadt errichten Großzentrum für und 200 Mio. Euro.

Wiener Neustadt. Mit MedAustron entsteht in Wiener Neustadt derzeit eines der modernsten Zentren für Ionentherapie und Forschung in Europa. Nach der Fertigstellung des Zentrums in einem Jahr werden im Vollbetrieb bis zu 1.200 Patienten jährlich mit der zukunftsweisenden Form der Strahlentherapie behandelt, ist man in Niederösterreich überzeugt. Zusätzlich zur klinischen Forschung bietet das Zentrum die Möglichkeit für nicht-klinische Forschung. „Weltweit existieren erst drei derartige Zentren, die wie MedAustron die Strahlentherapie sowohl mit Protonen als auch mit Kohlen­stoffionen an einem Ort gemeinsam anbieten”, sagt CEO Bernd Mößlacher.

Lichtgeschwindigkeit

Das Herzstück der Anlage ist die bei MedAustron in Zusammenarbeit mit diversen universitären und industriellen Partnern entwickelte Medizintechnik, die von einem kreisförmigen Teilchenbeschleuniger mit ca. 80 m Umfang, dem Synchrotron, als Strahlenquelle versorgt wird. Dort werden die Ionen auf bis zu zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und danach in einen der vier Bestrahlungsräume geführt.
Während in der Landespolitik die Opposition das Projekt zuletzt kritisiert, laufen die Vorbereitungen dort auf Hochtouren. So läuft heuer die medizinische Kommissionierung der Anlage. Dabei wird eine Vielzahl von Tests mit dem Teilchenstrahl in den Behandlungsräumen durchgeführt, um die reproduzierbare medizinische Qualität des Strahls für alle denkbaren Behandlungsmodalitäten sicherzustellen; getestet wird dabei an Wasserphantomen.
Gleichzeitig werden mit der eigens für MedAustron entwickelten Software für die Steuerung des gesamten Behandlungsablaufs sogenannte end-to-end-Tests gemacht, also der Patientenbetrieb simuliert. Das erste Patientenpositionierungssystem wurde im Frühling erfolgreich abgenommen. „Es ist ein weltweit einzigartiges System, das erstmals bei MedAustron im klinischen Betrieb zur Anwendung kommen wird.” Alle Behandlungsräume sind damit ausgestattet, die medizinphysikalischen Kalibrierungen werden nun durchgeführt.”
Bei MedAustron wird eine innovative Form der Strahlentherapie, die Ionentherapie, verwendet. Diese Therapieform macht es möglich, die Strahlenbelastung des vor dem Tumor gelegenen gesunden Gewebes zu senken und dahinter befindliche Bereiche fast vollständig strahlungsfrei zu halten. Dadurch können Nebenwirkungen deutlich reduziert werden. Mößlacher: „Sie ist daher eine optimale Behandlung von Tumoren in der Nähe von strahlenempfindlichen Organen.”
Auf medizinischer Seite werden in den kommenden Wochen klinische Studienprotokolle für die verschiedenen Indikationen erstellt; darin werden Ein- und Ausschlusskriterien für die Behandlung festgelegt. Patienten bei MedAustron werden im Rahmen dieser Protokolle behandelt werden.
Im Herbst werden dann die Unterlagen zum Ansuchen um Betriebsanlagengenehmigung an die Behörde übermittelt, das Verfahren dauert etwa sechs Monate. Mit dem Start des klinischen Betriebs kann im zweiten Quartal 2016 gerechnet werden.

200 Mio. Euro-Investition

Das MedAustron Zentrum für Ionentherapie und Forschung wird durch die finanzielle Unterstützung der Republik, des Landes sowie der Stadt Wiener Neustadt ermöglicht. Dabei steht die EBG MedAustron GmbH im mittelbaren Eigentum des Landes Niederösterreich. Für die Errichtung werden rund 200 Mio. € investiert.

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