HEALTH ECONOMY
Pharmabranche erfreut Anleger mit guten Zahlen © Jens Schlüter/ AFP/picturedesk.com
© Jens Schlüter/ AFP/picturedesk.com

06.11.2015

Pharmabranche erfreut Anleger mit guten Zahlen

Nicht überall gab es im dritten Quartal ein Plus, aber insgesamt übertrafen die meisten Pharmakonzerne die Erwartungen der Investoren.

••• Von Ina Karin Schriebl

WIEN. Die internationale Pharmabranche überrascht Analysten: Mit wenigen Ausnahmen lagen die Zahlen des dritten Quartals über den Prognosen. Einige Konzerne berichtigten daraufhin die Erwartungen für das Gesamtjahr nach oben – Aktionäre freuten sich.

Florierende Geschäfte stimmen zum Beispiel die beiden US-Pharmakonzerne Pfizer und Merck optimistisch. Trotz Belastungen durch den starken Dollar hoben die Unternehmen ihre Prognosen für 2015 an. Der New Yorker Pfizer-Konzern profitierte von kräftiger Nachfrage nach seinen Impfstoffen. Das Unternehmen verdiente zwar mit 2,13 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) gut eine halbe Milliarde Dollar weniger als im Vorjahr, der bereinigte Gewinn lag jedoch höher, als von Experten erwartet.
Bei Merck lief das Geschäft mit Diabetes- und Krebsmedikamenten rund. Allein das Diabetesmittel Januvia spülte fast zehn Prozent mehr in die Kassen. Der Konzern erwirtschaftete mit 1,8 Mrd. Dollar doppelt so viel Gewinn wie im Vorjahr. Allerdings bekamen beide Firmen den starken Dollar zu spüren und mussten deswegen zuletzt Einbußen beim Umsatz hinnehmen.

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Die starke Nachfrage nach HIV-Medikamenten und Grippe-Impfstoffen wiederum hat dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline über seine Schwächen im Geschäft mit Atemwegsmitteln hinweg­geholfen. Zwar machte Glaxo im dritten Quartal deutlich weniger Gewinn; Analysten hatten allerdings noch stärkere Rückgänge befürchtet. Das operative Ergebnis sank binnen Jahresfrist um 9 Prozent auf 1,72 Mrd. Pfund (2,4 Mrd. Euro). Glaxo setzte 6,12 Mrd. Pfund um, ein Plus von 9 Prozent.

Auch die Schweizer Actelion konnte aufgrund der gesteigerten Nachfrage nach ihrem neuen Lungenmedikament Opsumit erneut ihre Prognose erhöhen, der Gewinn soll dieses Jahr um mehr als ein Fünftel steigen; bisher war ein Plus von 15 bis 19 Prozent in Aussicht gestellt worden. In den ersten neun Monaten wuchs der Kerngewinn währungsbereinigt um 20 Prozent auf 651 Mio. Franken (601 Mio. Euro). Allein mit Opsumit erzielte Actelion 354 Mio. Franken Umsatz, gut drei Mal mehr als ein Jahr zuvor – und mehr als von Analysten erwartet. Der Produktumsatz insgesamt wuchs um 8 Prozent auf 1,52 Mrd. Franken. Unter dem Strich stand mit 452 Mio. Franken allerdings um ein Fünftel weniger Gewinn.
Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat ebenfalls seine Verkäufe heuer in den ersten drei Quartalen um sechs Prozent auf 35,5 Mrd. Franken (32,7 Mrd. Euro) steigern können und mit den Neunmonatszahlen ebenfalls die Erwartungen der Analysten leicht übertroffen. Diese hatten im Schnitt 35,4 Mrd. Franken Umsatz prognostiziert.
Negativ zu Buche schlug allerdings der Wechselkurs. Während der Frankenkurs deutlich anstieg, verloren Dollar, Yen sowie die lateinamerikanischen und die meisten europäischen Währungen an Wert; Roche beziffert den negativen Währungseffekt auf 4 Prozent.

Große Arzneimittel-Nachfrage

Ein starkes Geschäft mit Arzneimitteln hat auch den Gewinn von Bayer im dritten Quartal angekurbelt. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen kletterte um fast 28 Prozent auf gut 2,5 Mrd. Euro, wie das Leverkusener Unternehmen mitteilte; Analysten hatten 2,31 Mrd. Euro erwartet.

Der Umsatz erhöhte sich binnen Jahresfrist um knapp 11 Prozent auf rund 11 Mrd. Euro. Dazu trugen auch Wechselkurseffekte bei, wobei der Konzern vor allem vom starken Dollar profitierte. Währungsbereinigt legte Bayer knapp zwei Prozent zu. Unter dem Strich schnellte der Gewinn um mehr als 20% auf 999 Mio. Euro hoch. Im Gesamtjahr erwartet Bayer unverändert einen währungsbereinigten Umsatzanstieg im unteren einstelligen Prozentbereich.
Ein Rechtsstreit in den USA, der starke Dollar und die schwache Augenheilsparte jedoch haben dem Schweizer Pharmakonzern Novartis die Drittquartalszahlen verdorben. Insbesondere die Währungseffekte machten aus Zuwächsen deutliche Rückgänge. So etwa beim Umsatz: Ohne Wechselkurseffekte wäre dieser gegenüber dem Vorjahresquartal um 6 Prozent gewachsen. So aber sank er um 6 Prozent auf 12,3 Mrd. Dollar (11,2 Mrd. Euro). Die Augenheilsparte Alcon zog das Ergebnis ebenfalls in die Tiefe: Der Umsatz sank um 12 Prozent auf nur noch 2,3 Mrd. Dollar.

Lichtblick waren Generika

Lichtblick für Analysten und Anleger war die Generikasparte Sandoz. Sie erzielte mit 2,3 Mrd. Dollar um 3 Prozent weniger Umsatz, hätte diesen ohne Wechselkurseffekte aber steigern können. Auch der größte Geschäftszweig, die Pharmadivision, hätte den Umsatz ohne Währungseffekte steigern können. Mit Währungseffekten ging der Umsatz jedoch um 4 Prozent auf 7,6 Mrd. Dollar zurück.

Beim operativen Ergebnis machten die Wechselkurseffekte aus einem Plus von 2 Prozent ein Minus von 18 Prozent. Es betrug noch 2,2 Mrd. Dollar.

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