HEALTH ECONOMY
Pharmaschreck © Luwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment

Claudia Wild hat das LBI für Health Technology Assessment (HTA) vor zehn Jahren in Österreich gestartet.

© Luwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment

Claudia Wild hat das LBI für Health Technology Assessment (HTA) vor zehn Jahren in Österreich gestartet.

Redaktion 09.09.2016

Pharmaschreck

Das HTA-Institut galt bei der Gründung vor zehn Jahren als Pharmaschreck. Heute sind Kosten-Nutzen-Analysen etabliert.

WIEN. „Viele medizinische Technologien konkurrieren um begrenzte Gesundheitsbudgets. Unsere Arbeit wird immer wichtiger, um Überversorgungen und Fehlversorgungen zu identifizieren und den Einsatz von Budgetmitteln im Gesundheitssystem bedarfsgerecht zu steuern”, sagt Claudia Wild. Sie hat vor zehn Jahren das Ludwig Boltzmann Institut Health Technology ­Assessment (LBI-HTA) gegründet und leitet es bis heute.

Optimaler Mitteleinsatz

Health Technology Assessment (HTA) ist die unabhängige Nutzenbewertung medizinischer Interventionen zur Entscheidungsunterstützung für den optimalen Einsatz von Budgetmitteln im Gesundheitswesen. Dabei geht es um den Einsatz von Arzneimitteln, Behandlungsmethoden und diagnostischen Geräten und die Übernahme von Innovation in den Leistungskatalog von Krankenversicherungen. Grundwerte von HTA sind Nachhaltigkeit und Verteilungsgerechtigkeit im Gesundheitssystem.

Durch bessere Planbarkeit und optimalen Ressourceneinsatz sollen wirksame Leistungen allen zugänglich sein, schildert Wild. Die ursprünglichen Kosten-Nutzen-Analysen und der Fokus auf Arzneimittel machten HTA einst zum Schreck der Pharmabranche in ganz Europa.
In der Zwischenzeit ist HTA in Österreich systematisch etabliert und die Empfehlungen werden auch umgesetzt. „Das passiert zum Beispiel bei der laufenden Weiterentwicklung des Mutter-Kind-Passes oder wenn neue Spitalsinterventionen in den Leistungskatalog des Gesundheitsministeriums aufgenommen werden”, sagt Claudia Lingner, Geschäftsführerin der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Analysiert werden heute auch Medizintechnik, medizinische Verfahren und Leistungen.
Wie wichtig das Forschungsinstitut für HTA in Österreich sei, haben auch die Partner des LBI-HTA, der Hauptverband der Sozialversicherungsträger, das Bundesministerium für Gesundheit und die Gesundheitsfonds der Bundesländer, erkannt; sie haben sich einstimmig für eine Verlängerung des Instituts nach der maximalen Laufzeit als Ludwig Boltzmann Institut von 14 Jahren ausgesprochen und eine nachhaltige Finanzierung zugesagt.

Internationale Anerkennung

International betrachtet, ist das LBI-HTA eine anerkannte Institution in Hinblick auf die wissenschaftliche Arbeit und den Einfluss auf die Entscheidungsfindung, heißt es von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Sie selbst will Rahmenbedingungen schaffen, damit Forschungsthemen in Österreich angestoßen werden. In 18 Instituten und Clustern befassen sich derzeit 550 Beschäftigte mit Themen aus den Health Sciences und den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. (kw)

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