HEALTH ECONOMY
Richter Pharma feiert 100er © Presse & Foto Franz Gleiss

Portraits Die Gesundheitsbranche gilt als Wachstumsmarkt der Zukunft. Gleichzeitig belastet sie öffentliche Haushalte. Martin Rümmele sprach für sein Buch (siehe unten) mit den Akteuren. Teil 5: Florian Fritsch und Roland Huemer.

© Presse & Foto Franz Gleiss

Portraits Die Gesundheitsbranche gilt als Wachstumsmarkt der Zukunft. Gleichzeitig belastet sie öffentliche Haushalte. Martin Rümmele sprach für sein Buch (siehe unten) mit den Akteuren. Teil 5: Florian Fritsch und Roland Huemer.

Redaktion 07.10.2016

Richter Pharma feiert 100er

Neues Buch zur Gesundheitswirtschaft zeigt Portraits von Unternehmern. „Gesunde Ideen” im medianet-Vorabdruck – Teil 5: Richter Pharma.

WELS. Begonnen hat alles vor genau 440 Jahren, und vor exakt 100 Jahren wurde dann eines der größten heimischen Pharma­unternehmen in Familienbesitz aus der Taufe gehoben: die Richter Pharma AG. Dabei hat die Gruppe, die heute 493 Mio. € umsetzt und rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, eine für viele österreichische Pharmaunternehmen klassische Geschichte: Aus einer um 1576 gegründeten Apotheke, die sich auch heute noch am Stadtplatz in Wels befindet und in Besitz der Familie Richter/Fritsch steht, hat sich über die Jahrhunderte ein international tätiges Gesundheitsdienstleistungsunternehmen entwickelt.

Lange Tradition

Noch heute ist die vor 440 Jahren erstmals urkundlich aufgezeichnete Adler Apotheke am gleichen Standort am mittelalterlichen Stadtplatz im Herzen von Wels. 300 Jahre nach der Gründung kaufte 1876 der Apotheker Carl Richter sen. (1835–1891), der sich als Entdecker der Guntherquelle in Bad Hall einen Namen gemacht hatte, die „Apotheke zum Schwarzen Adler”, die sich seit daher in Besitz der Familien Richter/Fritsch befindet. Diese Woche feierte das Unternehmen nun das 100jährige Jubiläum der Gründung der Richter Pharma. Carl Richter jun. begründet die Richter Pharma als pharmazeutischen Großhandel und als Kommanditgesellschaft mit Familienmitgliedern. Es ist somit der Schritt zur Entwicklung zu einem umfassenden Pharmahandel getan. Carl Richter jun. eröffnet Filialen in Steyr, Linz und Budapest, ist Bürgermeister von Wels und Begründer der Handelsschule. 1947 begründet Hubert Richter, dessen Schwester Margarethe Egon Fritsch heiratete, dann den Schutzverband für hausapothekenführende Ärzte. 1949 übernimmt der Apotheker Alfred Fritsch – ein Neffe von Egon Fritsch – das Unternehmen und baut maßgeblich den Pharmagroßhandel und die Veterinärproduktion aus.

Ständige Innovationen

„Alle Familienmitglieder waren über die Jahre sehr engagiert, interessiert an Neuem und umtriebig”, erzählt Aufsichtsratschef Florian Fritsch im ­medianet-Interview. So kaufte etwa Hubert Richter eine Cola-Lizenz und produzierte Spezialgetränke. Und immer wieder wurde auch darauf geachtet, Trends zu erkennen und das Unternehmen neu zu positionieren.

So wurde etwa im Jahr 2006 die Pharma Logistik Austria (PLA) gegründet, um den Großhandel um die Logistik zu ergänzen. In den vergangenen Jahren wurde dann auch der Prozess „Richter Pharma 2020” gestartet, um zu schauen, was Bestand hat und wie sich das Unternehmen künftig am Markt positioniert, erzählt Vorstandsvorsitzender Roland ­Huemer. Der Fokus liege deshalb klar auf den vier Standbeinen Humanmedizin, Veterinärmedizin, Großhandel und Logistik.
Zentral sei aber, dass man immer auch mit dem Herzen dabei sei, betonen Fritsch und Huemer. „Gesundheit ist sicherlich ein langfristiges und sicheres Geschäft. Wenn man aber so lange Zeit Bestand hat, muss man auch einiges richtig gemacht haben.” Das sei wie beim Fußball, wo man mit Geld sicherlich viel aufstellen könne, ohne Herz gehe es aber nicht. Fritsch: „Im Gesundheits- und Arzneimittelbereich unternehmerisch tätig zu sein, ist auch ein ethischer Auftrag und eine Verantwortung. Das gilt für alle im Unternehmen und motiviert auch die Beschäftigten. Der Auftrag, Menschen helfen zu können, treibt uns an.”
Man wolle aber nicht nur Umsätze verwalten, sondern auch mit neuen Konzepten und Ideen reüssieren. Das gelte auch für die Gesundheitspolitik, fordern die Unternehmer: Man müsse einen guten Rahmen für die Versorgung und die Unternehmen schaffen. „Man kann nicht Innovationen fordern und sich gleichzeitig bremsen.”

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