HEALTH ECONOMY
Streit über Großinvestitionen in Krankenhäuser der Länder © APA/Robert Jäger
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Ina Karin Schriebl 25.03.2016

Streit über Großinvestitionen in Krankenhäuser der Länder

Die Gesundheitsreform soll teure Kliniken entlasten, doch die Länder rüsten auf. Allein Niederösterreich investiert heuer 270 Mio. Euro.

ST. PÖLTEN. Die NÖ Landeskliniken-Holding sieht sich als wesentlicher Wirtschaftsmotor. „Gerade in konjunkturell schwierigeren Zeiten sind die öffentlichen Mittel von Land und Gemeinden wesentlich für den Arbeitsmarkt in Niederösterreich”, sagte Landesrat Karl Wilfing (ÖVP) bei der Vorstellung des heurigen Ausbauprogramms der Holding.

„Das seit 2005 laufende Ausbauprogramm der Holding umfasst ein Bauvolumen von insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro bis 2023; das aktuelle Bauvolumen für heuer liegt bei 270 Millionen Euro”, erläuterte Wilfing. Heuer würden zwar keine neuen Baustellen begonnen, dafür die Projekte in Amstetten, Neunkirchen, Scheibbs, Krems und Korneuburg abgeschlossen. Größte Baustelle ist jene des Universitätsklinikums St. Pölten mit einem Investitionsvolumen von 230,8 Mio. € für die ersten neuen Häuser bis 2019. „Mit diesem Ausbauprogramm garantieren die 27 Landeskliniken nicht nur höchste medizinische Qualität in der Versorgung der Patienten, sondern auch beste Arbeitsbedingungen für das Personal und hohe Wertschöpfungseffekte für Niederösterreich”, unterstrich Wilfing.

Hohe Wertschöpfung

Diese Wertschöpfungseffekte bezifferte Wirtschaftsprofessor Gottfried Haber dahingehend, dass ein für Kapazitätserweiterungen ausgegebener Euro eine Wertschöpfung von 1,088 Euro nach sich ziehe. „Der Wertschöpfungseffekt durch die Investitionstätigkeit der Holding liegt 2016 bei 155 Millionen Euro für Niederösterreich und weiteren 117 Millionen Euro für ganz Österreich”, unterstrich ­Haber. Die 27 Landeskliniken generieren insgesamt eine Wertschöpfung von rund zwei Mrd. €, 1,4 Mrd. davon fließen direkt in die Regionen. Damit werden laut ­Haber 44.000 Arbeitsplätze gesichert, 38.000 davon wiederum direkt in den Regionen. Zusätzlich zu den 20.000 Beschäftigten sind auch rund 360.000 stationäre Aufenthalte und 170.000 Operationen pro Jahr zu berücksichtigen.

Investition zur Kostensenkung

Zur Senkung laufender Kosten will die NÖ Landeskliniken-Holding die Zahl der Tageskliniken weiter ausbauen. „Wir wollen an allen großen Häusern interdisziplinäre Tageskliniken etablieren”, kündigte Wilfing an. Das Spital Klosterneuburg werde sich etwa als operative Tagesklinik spezialisieren. Ein-Tages-Aufenthalte „sparen Millionen im Gesundheitssystem”, ist Wilfing überzeugt. Der Trend gehe weg von längeren hin zu kürzeren und tagesklinischen Aufenthalten; ­Niederösterreich sei dabei „Vorreiter”: 8,7% der insgesamt 358.000 Krankenhausaufenthalte im Vorjahr dauerten demnach nur einen Tag, österreichweit liege der Durchschnitt bei 5,6%. Die Verweildauer sei von 2001 bis 2015 von sechs auf 4,8 Tage gesunken.

Deutliche Reduktion

Durch moderne OP-Methoden sind viele medizinische Eingriffe tagesklinisch möglich. So werden auch Knie-Arthroskopien bereits ohne stationären Aufenthalt durchgeführt. Am häufigsten sind Augen-OPs – rund 94% aller Grauen-Star-Operationen in Niederösterreich werden tagesklinisch durchgeführt. Auch bei Eingriffen nach Brüchen von Leisten oder Nabel, Krampfadern-Entfernungen und gynäkologischen Operationen werden viele Patienten abends nach Hause entlassen. Interdisziplinäre Tageskliniken gebe es bereits zum Beispiel in Zwettl, Mistelbach, Stockerau und Mödling, sagt Markus Klamminger, stellvertretender Medizinischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding.

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