HEALTH ECONOMY
Transparenz wächst © Pharmig/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Offenlegung Pharmig-General Jan Oliver Huber und Ärztekammer-Vizepräsident Herwig Lindner präsentierten die Zahlen.

© Pharmig/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Offenlegung Pharmig-General Jan Oliver Huber und Ärztekammer-Vizepräsident Herwig Lindner präsentierten die Zahlen.

Martin Rümmele 07.07.2017

Transparenz wächst

Pharmaindustrie und Ärzte werden transparent: 2016 zahlten Unternehmen 90 Mio. € für „geldwerte Leistungen” an Ärzte.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Ein Umdenkprozess mit Folgen: Zum zweiten Mal seit 2015 haben mit Ende Juni die pharmazeutischen Unternehmen ihre geldwerten Leistungen, die im vergangenen Jahr an Ärzte, Krankenhäuser und andere medizinische Institutionen erbracht worden sind, veröffentlicht. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber und Ärztekammer-Vizepräsident Herwig Lindner am Mittwoch in Wien ihre aktuellen Zahlen vor.

89,9 Mio. € zahlten demnach die heimischen Pharmaunternehmen im Jahr 2016 an Ärzte und medizinische Institutionen. Ein Drittel (ca. 33,7 Mio. €) sei dabei auf Forschungstätigkeiten und die Durchführung klinischer Studien im Rahmen der Arzneimittelentwicklung entfallen. Ein weiteres Drittel (ca. 33,8 Mio. €) sei Veranstaltungen zu wissenschaftlicher Information und fachlicher Fortbildung zugutegekommen, sagte Huber. Der restliche Anteil setze sich aus Dienst- und Beratungsleistungen (14,7 Mio.) sowie Spenden und Förderungen für Institutionen (7,7 Mio.) zusammen.

Nicht alle Firmen betroffen

Die vom Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) erhobenen Zahlen umfassen die Angaben von 74 pharmazeutischen Unternehmen. Insgesamt 119 Unternehmen sind zur Offenlegung geldwerter Leistungen gemäß Art. 9 des Pharmig-Verhaltenscodex verpflichtet; bei 29 davon hätte es keine solchen Leistungen gegeben – etwa OTC-Hersteller oder Holdings; von 16 Unternehmen seien zum Erhebungszeitraum keine Daten vorgelegen. Zur ­Offenlegung braucht es aus Datenschutzgründen die Zustimmung jedes einzelnen Arztes beziehungsweise jeder Institution. Huber: „Jede Veröffentlichung, jede Zustimmung ist ein Erfolg. Wir haben etwa eine Verbesserung bei den Institutionen erreicht: von 56,7 auf 62,4 Prozent.” Das sei positiv.

Huber und Lindner betonten einmal mehr die Wichtigkeit ihrer engen Zusammenarbeit sowie jene der Transparenz durch die Offenlegung der Geldflüsse. Es brauche das „Miteinander von Industrie und Ärzteschaft, um die Qualität und den wissenschaftlichen Fortschritt in der Gesundheitsversorgung voranzutreiben”, war Huber überzeugt. Ohne Kooperation mit der Industrie, so Lindner, gebe es keine Weiterentwicklung von Medikamenten, und auch ein „Wissenstransfer in alle Richtungen” könnte nicht optimal stattfinden.

Debatte über Gesetz

Eine Offenlegung ist laut Huber außerdem „keine einfache Geschichte, da sie nicht unbedingt Teil unserer Kultur in Österreich” sei. „Die Ärzte leisten etwas für dieses Geld, es ist nicht geschenkt und keine Zuwendung. Es hat aber verschiedene Gründe, dass Ärzte ihren Namen nicht publiziert haben wollen”, sagte Lindner. „Das hat etwas mit dem Umgang hierzulande zu tun.” Dieser könne von Neidgefühlen bis hin zu dienstrechtlichen Konsequenzen reichen.

Auch vom Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI) kam Unterstützung für mehr Transparenz. Präsident Manuel Reiberg: „Wir wollen, dass alle unsere Gesprächspartner im Gesundheitssystem Vertrauen in die Zusammenarbeit mit uns haben können und stehen zur Offenlegung.” Von den 89,9 Mio. €, die gemeldet wurden, waren 70 Mio. € von Firmen, die auch Mitglied des FOPI sind. Reiberg fordert nun auch von anderen Stakeholdern im System mehr Transparenz.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema