HEALTH ECONOMY
Ungesunde Pläne der Regierung © APA/Helmut Fohringer

ÖVP und FPÖ rücken vom Nichtraucherschutz ab. Das führt selbst bei Wirten zu Kritik.

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ÖVP und FPÖ rücken vom Nichtraucherschutz ab. Das führt selbst bei Wirten zu Kritik.

Martin Rümmele 15.12.2017

Ungesunde Pläne der Regierung

Gesundheitspolitisch sorgt die kommende Regierung von ÖVP und FPÖ bereits vor dem Start für heftige Debatten.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Stress als größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts. Eine Umfrage zeigt nun, dass sich acht von zehn Österreichern (84,3%) hin und wieder gestresst fühlen; bei 42,4% der Befragten steht Stress sogar häufig oder (fast) dauerhaft auf der Tagesordnung. Hauptgrund für den Stress ist in 36,8% der Fälle der Job.

Schlechte Werte

Die Wiener Städtische Versicherung und FitnessGoesOffice haben wiederum den Gesundheitszustand von 260 Managern abgefragt: Nur ein Viertel gibt an, dass es gesundheitlich keine Probleme gibt. Probleme bereiten insbesondere der Bewegungsapparat (19%) vor Herz und Kreislauf. Neuerlich gestiegen sind die Nennungen für psychische Probleme, die mittlerweile 7% erreichen und damit den Stoffwechsel (derzeit 3% nach zuletzt 7%) überholt haben.

Künftig könnte das zunehmen, fürchten Beobachter. Sie kritisieren, dass die von ÖVP und FPÖ geplante Lockerung in Sachen Arbeitszeit mit der Möglichkeit, die tägliche Arbeitszeit auf zwölf Stunden und die wöchentliche Maximalarbeitszeit auf 60 Stunden auszudehnen, der Gesundheit abträglich sein könnte. Vor allem Gewerkschaften haben Widerstand angekündigt.
Noch heftigere Kritik gibt es an den Plänen, den Nichtraucherschutz aufzuweichen und in der Gastronomie nicht wie geplant ein generelles Rauchverbot einzuführen. „Das ist schlecht für die Gesundheit der Österreicher. Ärzte können nicht für das Rauchen sein”, betonte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres. „Es ist nachgewiesen, dass nach generellen Rauchverboten in der Gastronomie zum Beispiel die Häufigkeit von Herzinfarkten zurückgegangen ist. Wir Ärzte müssen unsere Patienten und auch die Nichtraucher schützen”, sagte Szekeres.
Das Vorstandsgremium der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) warnt vor Konsequenzen: Das Kippen der bereits 2015 beschlossenen Novelle werde nachweislich Menschenleben und viel Geld kosten, hieß es in einer Aussendung am Dienstag. „Und man verzichtet ganz bewusst auf die sogenannten Quick-wins”, sagte ÖGP-Generalsekretär Bernd Lamprecht: „Denn Daten aus Irland und Italien zeigen eindeutig, dass es durch ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie bei Aktiv- wie bei Passivrauchern zu einer raschen Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen bis hin zum Herzinfarkt kommt.”

Online-Petition

Eine Online-Petition der Österreichischen Krebshilfe verzeichnete bereits in vier Tagen über 250.000 Unterschriften. Selbst in der künftigen Koalition ist die Maßnahme umstritten. So bedauerte der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) die jüngste Entwicklung „außerordentlich”.

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