HEALTH ECONOMY
Volksleiden im Visier © Akademie der Ärzte

Österreichische Ärzte gönnten sich ein paar Sonnenstrahlen an der Adria und diskutieren über Herz und Darm.

© Akademie der Ärzte

Österreichische Ärzte gönnten sich ein paar Sonnenstrahlen an der Adria und diskutieren über Herz und Darm.

Martin Rümmele 02.06.2017

Volksleiden im Visier

Bei den traditionellen Ärztetagen österreichischer Ärzte im Adria-Ort Grado wurde über chronische Krankheiten diskutiert.

••• Von Martin Rümmele

GRADO. Die chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist tödlicher als alle Krebsarten zusammen. Das wurde dieser Tage im Rahmen der Österreichischen Ärztetage in Grado von Experten betont. Die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten sind allerdings in der jüngsten Vergangenheit besser geworden.

„Schwere Erkrankung”

„Die Mortalität durch die Herzinsuffizienz ist höher als jene durch alle Krebsarten”, sagte der Vorarlberger Kardiologe Heinz Drexel. Nur die Sterblichkeit durch den akuten Herzinfarkt sei noch größer. „Man hat es mit einer sehr schwerwiegenden, malignen Erkrankung zu tun.”

Geschätzt wird, dass in Österreich zwischen 250.000 und 300.000 Menschen an chronischer Herzinsuffizienz leiden. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei 50%. Das Problem liegt einerseits in der immer älter werdenden Bevölkerung und in der immer besseren Therapie bei chronischen Erkrankungen, welche häufig im Hintergrund einer sich entwickelnden Pumpschwäche des Herzmuskels stehen: Herzklappenschäden, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, akuter Herzinfarkt mit Überleben des Patienten, aber bleibendem Herzmuskelschaden sowie Angina pectoris. In den vergangenen Jahren haben sich neue Therapie-Möglichkeiten im medikamentösen Bereich ergeben.
Diskutiert wurde auch über Antibiotikaresistenzen und gefährliche Keime. Nur wenige bakterielle Krankheitserreger sind tückischer als Clostridium difficile. Bei betagten Spitals­patienten – oft mit geschwächtem Immunsystem – bedeuten solche Infektionen eine erhöhte Sterblichkeit. Manche übliche Hygienemaßnahmen versagen in der Kontrolle der Keimverbreitung, sagte der Wiener Spezialist Christoph Wenisch. C. difficile-Infektionen können auch ohne Symptome verlaufen. Oft kommt es aber zu schweren Durchfallerkrankungen bis hin zur Perforation der Darmwand, Nierenversagen, Sepsis und septischem Schock. Bei Spitalspatienten mit solchen Infektionen liegt die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen in Europa zwischen 3% (Frankreich) und 30% (GB); Österreich nimmt mit einer Mortalität von 14% eine Durchschnittsstellung ein.

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