HEALTH ECONOMY
„Wettbewerb wackelt” © ratiopharm.at

Megadeal Der weltgrößte Generika-Anbieter Teva gab vor Kurzem bekannt, für 40,5 Mrd. USD (37 Mrd. €) die Nachahmer-Sparte des US-amerikanischen Botox-Herstellers Allergan kaufen zu wollen.

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Megadeal Der weltgrößte Generika-Anbieter Teva gab vor Kurzem bekannt, für 40,5 Mrd. USD (37 Mrd. €) die Nachahmer-Sparte des US-amerikanischen Botox-Herstellers Allergan kaufen zu wollen.

28.08.2015

„Wettbewerb wackelt”

Martin Spatz, Chef der Österreichniederlassung des Generika­weltmarktführers Teva, sieht den Spardruck der Kassen mit Sorge.

••• Von Martin Rümmele und Ina Schriebl

WIEN. So etwas mache man nicht, sagt Martin Spatz, Geschäftsführer der Österreich-Tochter des Pharmakonzerns Teva und der zum Konzern gehörenden Ratiopharm. Man könne nicht einfach kommen und jene Branche bestrafen, die in den vergangenen Jahren massiv geholfen habe, Kosten zu senken, wundert er sich über den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen Pharmaindustrie und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger über pauschalierte Rabatte im sogenannten Pharmarahmenvertrag. Mit der Kassen-Forderung nach einem engen Preisband für Nachahmer- und Originalprodukte nach deren Patentablauf würde man den Wettbewerb quasi aushebeln. „Diese Ideen sind für mich nicht nachvollziehbar”, sagt Spatz.

Denn Generikahersteller leben davon, billig zu sein. Sie bringen nach dem Patentablauf eines Medikaments ein wirkstoffgleiches Nachahmerprodukt auf den Markt und sichern sich Umsätze dank niedrigerer Preise. Die Profiteure dieses Geschäftsmodells sind die Krankenkassen, die von sinkenden Arzneimittelpreisen profitieren. Die Verhandlungen über neue Rahmenbedingungen stocken aber (siehe Seite 66). Die Kassen würden ein Preisband für alle Produkte nach Markteintritt des vierten Generikums fordern. Damit käme aber der Wettbewerb zum Erliegen.

Teva geht neue Wege

Schon jetzt bringt die weltweite Nummer eins im Generikamarkt nicht mehr „jedes Produkt um jeden Preis. Wichtig ist, dass man mit dem Produkt noch etwas verdienen kann”, sagt Spatz. Und selbst wenn man als Generikahersteller nicht die nicht so hohe Forschungskosten wie einige Originalentwickler habe, so habe man doch hohe Kosten mit Logistik, Lagerhaltung, Pharmakovigilanz, Qualitätssicherung: „Pillen sind keine Mannerschnitten.”

Teva geht deshalb schon seit einiger Zeit neue Wege und entwickelt eigene, innovative Produkte. Dazu gehöre etwa der innovative Wirkstoff „Glatirameracetat”, der führend bei der Behandlung von Multipler Sklerose ist und mit 1. Oktober des heurigen Jahres erstmals auch in einer neuartigen nur dreimal wöchentlich zu verabreichenden Form zur Verfügung stehen wird. „Teva hat gesagt, dass man nicht nur bei Generika weltweit die Nummer eins sein will, sondern auch in den anderen Bereichen die Präsenz und Führung ausbauen will; dazu gehört der MS-Bereich. Auch bei Atemwegserkrankungen wollen wir künftig stark agieren.” In den nächsten Monaten werde es hier auch neue Produkteinführungen geben, kündigt der Geschäftsführer an. Das Nebeneinander von Generika und Innovationen selbst sieht er es Vorteil. „Das kann befruchtend sein – wir können voneinander lernen.”

Wachstum mit dem Markt

2014 hat die Niederlassung die Ziele in einem schwierigen Umfeld erreicht, sagt Spatz. „Was uns im Vorjahr stärker getroffen hat, war das Fehlen einer Erkältungswelle.” Man habe das im Geschäft mit rezeptfreien Produkten aber im Bereich Wechselbeschwerden und Schmerz kompensiert. Im Generikamarkt wachse man mit dem Markt und der legte im Vorjahr vier bis fünf Prozent zu. Heuer liege man in allen Segmenten über Plan und sei zufrieden. Teva und Ratiopharm setzten zuletzt in Österreich mit rund 100 Beschäftigten 100 Mio. € um.

Für die Zukunft gibt sich Spatz aber besorgt, „weil wir in einigen Bereichen unerwarteten Druck vom Hauptverband sehen.” Gerade der Generikabereich habe in den vergangenen Jahren massiv beigetragen, dass die Kosten im Arzneimittelbereich gesunken seien. Der jetzt sichtbare Preisdruck werde letztlich dazu führen, dass die Versorgungsqualität sinken wird, „weil sich Firmen mit Produkten zurückziehen werden.” Er wünscht sich deshalb mit den Krankenkassen einen kooperativen Weg. „Man sollte im Verhandlungsweg gemeinsam Lösungen suchen und nicht den juristischen Weg gehen.”

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