HEALTH ECONOMY
Winterschlussverkauf: Industrie im Kaufrausch © Baxalta
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15.01.2016

Winterschlussverkauf: Industrie im Kaufrausch

Shire will Baxalta kaufen, Sanofi, Novartis und Nestlé kündigen ebenfalls neue Deals an: Die Kauflaune der Pharmabranche hält an.

••• Von Ina Karin Schriebl

WIEN. Das Übernahmekarussell in der Pharmaindustrie dreht sich nach den Megadeal im Vorjahr im neuen Jahr weiter: Der britisch-irische Konzern Shire will den US-Konkurrenten Baxalta für umgerechnet 29,46 Mrd. € erwerben. Baxalta ist erst im Vorjahr aus der Baxter BioScience hervorgegangen – der Deal betrifft damit auch massiv Österreich, denn das Unternehmen ist eines der größten in der heimischen Pharmabranche. 25% der weltweiten Mitarbeiter des Konzerns arbeiten in Österreich – vor allem in Orth an der Donau. Baxalta ist im Bereich Forschung, Entwicklung, Herstellung und Vertrieb in den Bereichen der Hämophilie, Immunologie und Onkologie tätig. Der Schwerpunkt liegt auf Biopharmazeutika für die Behandlung einer breiten Palette von Blutgerinnungsstörungen, Immun­defekten, Verbrennungen und Schocks sowie anderen chronischen und akuten medizinischen Situationen. Das Unternehmen ist, wie berichtet dabei, Krems neben Wien und Orth an der Donau zum dritten Produktionsstandort auszubauen; dazu werden 138 Mio. € investiert. Ob und wie sich eine Übernahme auswirken wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch offen.

Sanofi stärkt Forschung

Der Deal ist allerdings nicht der einzige, der zu Jahresbeginn bekannt wurde. Der französische Pharmakonzern Sanofi will seine Krebs-Forschung mit Investitionen in Biotech-Firmen von insgesamt knapp 1,1 Mrd. € stärken. Dazu geht das Unternehmen nach eigenen Angaben von Montag, 11. Jänner, eine Partnerschaft mit Innate Pharma ein und erhält für rund 400 Mio. € Zugang zu einer neuen Krebs­immuntherapie. Daneben weitet Sanofi die Zusammenarbeit mit Warp Drive Bio aus und investiert in einer neuen Finanzierungsrunde knapp 690 Mio. € in das 2012 gegründete US-Unternehmen. Künftig wollen beide gemeinsam nach Mitteln gegen Krebs und neue Antibiotika forschen.

Derzeit läuft die Forschung im Bereich der Krebsimmuntherapie auf Hochtouren, bei der das körpereigene Abwehrsystem mit Antikörpern aufgerüstet wird, damit es Tumorzellen erkennen und zerstören kann. Dabei gelten die US-Konzerne Bristol-Myers Squibb und Merck sowie Roche aus der Schweiz und der britische Rivale AstraZeneca als führend. Bisher sind allerdings nur wenige Medikamente zugelassen. Auch Novartis will die Forschung nun intensivieren und kündigte am Montag eine Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Surface Oncology an. Der Konzern verfüge in der klinischen Phase bereits über sieben Forschungsprogramme, mit denen das körpereigene Abwehrsystem gegen Krebs mobilisiert werden soll; bis Ende 2016 sollen fünf weitere dazukommen.

Nestlé investiert in Biotech

Auch der Nahrungsmittelkonzern Nestlé baut sein Gesundheitsgeschäft mit einer milliardenschweren Kooperation aus. Die Tochter Nestlé Health Science investiert umgerechnet 110,49 Mio. € in die Biotechnologiefirma Seres Therapeutics. Mit dem Geld will Nestlé die Entwicklung und spätere Vermarktung eines Wirkstoffs gegen Verdauungskrankheiten finanzieren, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Insgesamt hat die Partnerschaft ein Volumen von bis zu 1,9 Mrd. Dollar: Sobald Seres in den kommenden Jahren bestimmte Ziele bei der Entwicklung und Vermarktung erreicht, erhält das Unternehmen von Nestlé weitere Meilenstein- und Lizenzzahlungen. Der Konzern setzt bereits seit einigen Jahren auf das Gesundheitsgeschäft, das meist höhere Erträge abwirft als der traditionelle Lebensmittelereich.

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