INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Agrana: starke Technik hinter Frucht & Zucker © Agrana; Andi Bruckner
© Agrana; Andi Bruckner

PAUL CHRISTIAN JEZEK 22.05.2015

Agrana: starke Technik hinter Frucht & Zucker

Investitionen Höhere Kapazitäten, Energieeffizienz & Veredelungstiefe sind die Themen, mit denen die Agrana dem Preisdruck vor allem beim Zucker begegnen will. „Aufgerüstet” werden u.a. Tulln, Aschach, Gmünd und Kaposvár.

Wien. Das wirtschaftliche Umfeld ist ein beschwerliches: Vorige Woche musste die Agrana für das Geschäftsjahr 2014/15 einen Konzernumsatz von knapp 2,5 Mrd. € „melden”, was einen Rückgang von doch deutlichen 12% bedeutete.

Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) lag mit 121,7 Mio. € sogar um gleich 27% unter dem Wert des Vorjahres. „Diese Rückgänge sind auf gesunkene Zucker-, Isoglucose-, Ethanol- und Fruchtsaftkonzentratpreise zurückzuführen”, sagt Agrana-Chef Johann Marihart. Allein von Oktober 2013 bis Oktober 2014 ging der EU-Zuckerpreis um rund 30% zurück. „In diesem Geschäftsbereich werden auch die nächsten Monate sehr herausfordernd bleiben”, befürchtet Marihart. Der Lichtblick am Horizont: „Mittelfristig gehen wir wieder von steigenden Margen in allen Segmenten aus. Gerade in einer schwierigen Situation für Zuckerproduzenten sind unsere Segmente Stärke und Frucht eine Stütze für unser Gruppenergebnis. Agrana hält daher unverändert an ihrer Strategie der Diversifizierung in drei Standbeine fest und setzt Maßnahmen zu deren Stärkung.”

Die konkreten Vorhaben

Strategisch gesprochen, setzt Agrana für die nächsten Jahre auf eine „optimale Positionierung bei immer volatiler werdenden Bedingungen” und will Wettbewerbs-chancen durch Spezialisierung erreichen. So hat das Unternehmen bereits eine führende Rolle bei Bio-Stärken und GVO-freien Stärken für die Lebensmittelindustrie inne. Weitere Spezialitäten in diesem Bereich sind Stärken für die Papier-, Textil-, Kosmetik-, Pharma- und Baustoffindustrie.
Ein weiteres, laut Marihart „interessantes” Thema ist die Herstellung von gentechnikfreiem Eiweißfutter („ActiProt”) als Koppelprodukt in der Bioethanol-anlage Pischelsdorf. Zusätzliches Marktpotenzial sieht er auch bei GVO-freien Futtermitteln durch eine mögliche opt-out-Lösung für EU-Mitgliedsstaaten.
Um dafür gewappnet zu sein, investiert die Agrana weiter in Veredelungstiefe, höhere Kapazitäten und Energieeffizienz. Im Stärke-Bereich sind das Kapazitätserweiterungen der Wachsmaisderivateproduktion in Aschach sowie Investitionen in die Sprühtrockung sowie in die Nassderivateanlage in Gmünd. Im Zuckersegment sind der Aus- und Umbau der Melasse-entzuckerung in Tulln und damit verbunden eine Erhöhung der Melasseverarbeitungskapazität von 66.000 auf 85.000 t/a geplant. „Dadurch können jährlich 35.000 t Zucker und 3.000 t Betain (ein aminosäureähnliches Produkt, Anm.) gewonnen werden”, erklärt Marihart. Darüber hinaus soll im ungarischen Kaposvár ein neues Verpackungszentrum errichtet werden. Last but not least wird auch in den Fruchtbereich investiert: Das vierte US-Fruchtzubereitungswerk in Lysander wird ebenso fertiggestellt wie die dritte Produktionslinie im Werk in Cabreúva (Brasilien), das Tiefkühllager in Marokko wird erweitert. Unterm Strich soll das Investitionsvolumen 2015/16 in den drei Segmenten insgesamt beachtliche 93 Mio. € ausmachen.

Research & Innovation

Was Forschung und Entwicklung betrifft, hat die Agrana ja vor einigen Monaten ein gänzlich neues Kapitel gestartet und alle Innovationsaktivitäten der vorher voneinander geografisch getrennten Zuckerforschung Tulln (ZFT) sowie des Innovation and Competence Centers (ICC) in Tulln gebündelt. „Dadurch ergeben sich Synergieeffekte bei crossdivisionalen Forschungsschwerpunkten wie z.B. Ernährungsphysiologie, Süßungsmitteln und Aromen, Mikrobiologie, Produktqualität und -sicherheit sowie Bio-Produkten”, erklärt Marihart.
Darüber hinaus erlaubt dieses neue Agrana „Forschungs-Headquarter” eine ideale Anbindung zu universitären Einrichtungen sowie deren Absolventen. Die neue Forschungsstätte bietet ihr spezielles F&E-Know-how auch Dritten an und fungiert als staatlich akkreditiertes Labor für die Qualitäts-überprüfung von Zuckerrüben und Bioethanol-Analytik.

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