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Big Data macht Big Problems © Panthermedia.net/Scanrail

61% der Unternehmen können aus der Datenanalyse noch keinen wirtschaftlichen Nutzen ziehen.

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61% der Unternehmen können aus der Datenanalyse noch keinen wirtschaftlichen Nutzen ziehen.

britta biron 08.04.2016

Big Data macht Big Problems

Erst knapp ein Fünftel der Unternehmen kann seine Daten wirtschaftlich sinnvoll nutzen, beim großen Rest stecken Analytics-Maßnahmen noch in den Kinderschuhen.

BERLIN. Im Zuge der Digitalisisierung fallen immer mehr Daten an – rund 2,5 Trillionen Byte täglich. Doch mit dem Sammeln allein ist es natürlich nicht getan. Um die Informationen hinter den Bits und Bytes gewinnbringend nutzen zu können, müssen die Daten analysiert werden.

Die überwiegende Mehrheit der 600 Führungskräfte aus Europa, den USA und China, die für die Studie „Going Big: Why Companies Need to Focus on Operations Analytics” vom Digital Transformation Instituts (DTI) der Unternehmensberatung Capgemini befragt wurden, sind überzeugt, dass die Datenanalyse ein immer wichtigerer Faktor ist, um betriebliche Abläufe zu optimieren, Gewinne zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Ungenutzte Datensilos

Damit einhergehend, verschiebt sich auch der Fokus der Analytics-Aktivitäten. Immerhin 70% der befragten Unternehmen konzentrieren sich statt auf kundenorientierte Projekte jetzt verstärkt auf den operativen Bereich.

Allerdings stecken umfangreiche Analytics-Initiativen in operativen Prozessen ebenso wie ihre Erfolge noch in den Kinderschuhen.
Denn erst 18% der Betrieben gelten laut der Studie als Vorreiter, deren Daten-Analyse so weit fortgeschritten und mit den Geschäftsprozessen verknüpft ist, dass daraus auch wirtschaftliche Vorteile generiert werden können; weiteren 21% der Unternehmen gelingt das zumindest in einigen wenigen operativen Geschäftsbereichen.
Die restlichen 61% können bisher aus ihren Daten noch keinen praktischen Nutzen ziehen.
Die Studie hat auch ermittelt, welche Faktoren über Erfolg oder Misserfolg von Analytics-Maßnahmen entscheiden. Einerseits spielt der Grad der Datenintegration eine Rolle. So verfügen 43% der erfolgreichen Unternehmen über komplett integrierte Daten, bei den erfolglosen sind es dagegen nur 11%.
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Datenvielfalt: 59% der erfolgreichen Unternehmen nutzen neben den internen auch externe Daten, um sich eine breitere und tiefere Informationsbasis zu verschaffen.

Schlusslicht Deutschland

US-Unternehmen sind in ihren Analytics-Vorhaben nicht nur am weitesten fortgeschritten, sondern auch am erfolgreichsten; bereits die Hälfte von ihnen gibt an, die gewünschten Vorteile aus Operational Analytics ziehen zu können, bei den deutschen Unternehmen, die insgesamt schlecht abschneiden, sind es dagegen nur 30%.

Lediglich 14% der Operations-Analytics-Initiativen in Deutschland werden von Managern auf C-Level geleitet; in Großbritannien sind es dagegen knapp 41%.
Besonders groß ist der Aufholbedarf in Deutschland bei der Integration von Daten, um diese für Analytics-Projekte nutzen zu können; Deutschland zählt hier mit 11% zu den Schlusslichtern. Besonders weit sind die Studienteilnehmer aus den Niederlanden, die mit 32% das Feld anführen.

Rasches Handeln notwendig

„Die Unternehmen müssen endlich ihre Datensilos in den Griff bekommen, funktionierende Governance aufbauen und Betriebsmodelle für Analytics schaffen, die sich schneller skalieren lassen. Deutschland tut sich hier aktuell noch schwer und bleibt zusammen mit Frankreich in der Gruppe der Nachzügler. Das überrascht angesichts der hohen Bedeutung, die das Thema Industrie 4.0 hierzulande genießt”, meint Ingo Finck, Leiter des Big-Data- & Analytics-Teams bei Capgemini Consulting D-A-CH.

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