INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Chemie-Branche bleibt weiter unter Druck © FCIO/APA-Fotoservice/Rastegar
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britta biron 12.06.2015

Chemie-Branche bleibt weiter unter Druck

Umsätze stagnieren Die jüngst vom Fachverband der Chemischen Industrie veröffentlichen Zahlen für 2014 sind mäßig, die Erwartungen für heuer verhalten; Chancen sieht man vor allem bei Green und Smart Chemistry.

Wien. Nächste Woche geht mit der Achema eine der wichtigsten Messen für die Chemische Industrie über die Bühne und präsentiert aktuelle Neuheiten und Trends. Bei manchen der heimischen Aussteller mag die Vorfreude auf den Branchenevent aber etwas getrübt sein, denn die vor wenigen Tagen vom Fachverband der chemischen Industrie (FCIO) präsentierten Zahlen sind bestenfalls durchwachsen.

Der Umsatz der Chemischen Industrie Österreichs stagnierte 2014 erneut. Im Vergleich zu 2013, als man ein Minus von 2,8% zu verzeichnen hatte, kann das leichte Plus von 0,5% auf insgesamt 16,50 Mrd. Euro kaum als Erfolg gewertet werden. Auch die Anzahl der Beschäftigten in der Chemischen Industrie Österreichs sank weiter, ebenso wie jene der Betriebe (minus 3,2% auf 252 per Ende 2014).
Vor diesem Hintergrund sieht KR Hubert Culik, der seit 2. Juni FCIO-Obmann ist, klarerweise dringenden Handlungsbedarf: „Seit Monaten kündigen uns die Indikatorenvergleiche an, dass Öster-reich bei den Wirtschaftsprognosen hinter dem EU-Schnitt zurückbleibt. Diese Entwicklung ist in der Realwirtschaft angekommen. Das bekommt die österreichische Chemische Industrie jetzt deutlich zu spüren.”

Trends erkannt

Und das, obwohl die Rahmenbedingungen eigentlich günstig wären und das Potenzial für die heimische Chemische Industrie aus Sicht des Fachverbandes stetig steigt: Die weltweiten Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Ressourcenverknappung und Urbanisierung machen neuartige Produkte aus der Chemischen Industrie unverzichtbar. Die Chemische Industrie erforscht intensiv Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft.
„Chemie 4.0 ist ein komplexer und zugleich spannender Prozess, der mit einer Idee im Labor be-ginnt und die Innovation zur industriellen Fertigung bringt. Green Chemistry und Smart Chemistry sind die Stoffe, aus denen die Zukunft gemacht wird”, umreißt Culik die Trends der Zukunft.

Leichtes Plus bei Mengen

Und man kann den heimischen Unternehmen nicht vorwerfen, dass sie diese Entwicklung verschlafen würden. Ganz im Gegenteil besitzen sie z.B. gegenüber Deutschland sogar einen Vorsprung beim Einsatz von biogenen Rohstoffen. Auch investiert hat man wieder deutlich stärker – insgesamt 603 Mio Euro; das entspricht einem Zuwachs von 15,1%.
„In der Entwicklung von Innovationen sind wir vorn dabei, die Umsetzung hierzulande ist jedoch schwieriger als in Deutschland”, so Culik.

Keine Umsatzsteigerung

Damit die österreichischen Unternehmen bei diesen Zukunfts-trends nicht den Anschluss verlieren, müssten jetzt die Rahmenbedingungen verbessert und dringend notwendige Anreize geschaffen werden.
Dazu zählen unter anderem die Senkung der Lohnneben- und Energiekosten, die im internationalen Vergleich zu hoch sind, oder die verstärkte Förderung von naturwissenschaftlicher Bildung – von den Volksschulen bis zu den Universitäten.
Die ersten Monate des laufenden Jahres haben zwar eine relativ zufriedenstellende Mengenentwicklung gebracht, der Umsatz sank allerdings durch die niedrigen Verkaufspreise – vor allem bei Grundchemikalien – um 3,3%.
Die Nachfrage kommt derzeit vor allem aus dem Ausland und da besonders vom wichtigsten Handelspartner Deutschland, wo sich der Markt deutlich besser entwickelt. Der Fachverband geht für heuer von einem leichten Anstieg der Chemieproduktion aus. Die Umsätze werden allerdings nicht steigen, die heimische Chemieindustrie wird also bestenfalls das aktuelle Nievau halten können.

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