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Der Aufschwung der heimischen Industrie © Engel
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PAUL CHRISTIAN JEZEK 28.04.2017

Der Aufschwung der heimischen Industrie

Gute Kapazitätsauslastung im Inland durch hohen Auftragsbestand, kräftiger Beschäftigungsimpuls für den Arbeitsmarkt.

••• Von Paul Christian Jezek

Ein doppelt positives Zusammentreffen konjunktureller Faktoren kennzeichnet das erste Quartal 2017”, erklärte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Christian Helmenstein bei der Vorstellung der Resultate des aktuellen Konjunkturbarometers aus dem 1. Quartal.

Zum einen habe das internationale Konjunkturgeschehen nach einer mehrjährigen Phase laufender Unterschreitungen der Prognosen für die globale Wirtschaft in den letzten Monaten Fahrt aufgenommen. Exemplarisch bringt dies die wachsende Anzahl der Tigerstaaten, also von Ländern mit einem Wirtschaftswachstum von mindestens vier Prozent, zum Ausdruck, welche sich von 53 im Vorjahr auf rund 75 im kommenden Jahr erhöhen wird. Dementsprechend ist der jahrelang eher verhaltene Verlauf des Welthandels seit einigen Monaten von einer deutlichen Beschleunigung abgelöst worden. Zugleich wirken die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und eine aus heimischer Sicht nach wie vor günstige Wechselkursrelation weiterhin unterstützend.

Stagnation überwunden

Zum anderen habe Österreich die fünf Jahre andauernde Quasi-Stagnationsphase überwunden. Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen hat in den letzten Jahren unter der Erosion der Standortbedingungen ebenso gelitten wie unter dem Vertrauensverlust in die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen – beides habe zur Investitionszurückhaltung geführt.

„Mit dem Update des Regierungsprogramms wurde eine zuversichtlicher stimmende Richtung eingeschlagen”, so IV-Generalsekretär Neumayer, „wenngleich wir auch besorgniserregende Rückschläge wie das investitionshemmende Urteil zum Ausbau des Flughafens Wien erleben müssen”.
Dennoch habe die sich zuletzt bei zahlreichen internationalen Rankings abzeichnende Stabilisierung der Standortbedingungen bereits genügt, um etwas mehr konjunkturelles Momentum freizusetzen. „Aus einer zunächst zögerlichen Erholung hat sich ein konjunktureller Aufschwung für Österreich entwickelt, der die gesamte erste Jahreshälfte prägen wird”, so Helmenstein. „Allerdings könnten jederzeit einzelne oder sogar mehrere aus der enormen Zahl geopolitischer Risken schlagend werden, was die Dauerhaftigkeit des Aufschwungs ab der zweiten Jahreshälfte gefährden würde.”
Zunächst jedoch würden die Vorteile einer multipolaren Welt mit einer Schar von Wachstums­zentren dominieren – angefangen von Indien und China über die Vereinigten Staaten und Australien bis zu der allmählich wieder erstarkenden Eurozone. Dass selbst mehrere simultan auftretende Wachstumsausfälle und ‑rücksetzer, etwa in Brasilien, Russland und der Türkei, überkompensiert werden, unterstreiche die gegenwärtige Robustheit des globalen Konjunkturaufschwunges.
Von zentraler Bedeutung, um die wirtschaftlichen Perspektiven weiter zu verbessern, sind Fortschritte in folgenden Handlungsfeldern: erstens die Wiedergewinnung des Vertrauens in die Planbarkeit der Standortbedingungen und die Machbarkeit von Investitionsprojekten. Zweitens der Abbau von Bürokratie und Überregulierung sowie die Senkung der Steuer- und Abgabenlast.

Konjunktursommer kommt

Das IV-Konjunkturbarometer als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten hat nochmals von +29 auf +34 Punkte zugelegt. Mit diesem Sechs-Jahres-Hoch des IV-Indikators – noch bessere Werte wurden zuletzt im Sommer 2011 verzeichnet – hält der Konjunktursommer in Österreich Einzug.

Für robusten Aufschwung der heimischen Industrie spricht erstens die günstige Konstellation, dass zum ersten Mal seit drei Jahren während zwei aufeinander folgender Quartale sowohl der Indikator der aktuellen Geschäftslage (+48 nach +41 Punkten) als auch jener der Geschäftserwartungen (+21 nach +17 Punkten) nach oben weist.
Zweitens hat der Aufschwung an Breite gewonnen – nur noch jedes siebenunddreißigste Unternehmen berichtet von einer schlechten Geschäftslage, während selbiges noch vor einem halben Jahr auf jedes neunzehnte Unternehmen zutraf.
Dennoch findet sich drittens keine Spur von Jubelstimmung, die auf ein konjunkturelles Überschießen hindeuten könnte. Denn auf Sicht von sechs Monaten schätzen unverändert drei Viertel der Respondenten aus der Industrie den Geschäftsgang als gleichbleibend ein, während sich der Anteil der Optimisten, die eine weitere Verbesserung erwarten, zulasten der Pessimisten kaum mehr, nämlich um nur noch zwei Prozentpunkte, erhöht hat.

Die Beschäftigung nimmt zu

Nach der infolge einer anziehenden Auftragslage deutlichen Expansion der Produktionstätigkeit im Vorquartal nehmen die Unternehmen das Tempo ihrer Produktionsausweitung nunmehr leicht zurück. Der saisonbereinigte Wert auf Sicht eines Quartals geht von +22 auf +20 Punkte zurück. Die Aufhellung des Stimmungsbilds wirkt sich bei der Einstellungsneigung der Unternehmen am stärksten aus.

Der Saldo für den Beschäftigtenstand erhöht sich sprunghaft von +7 auf +25 Punkte. War im Vorquartal ein im Vergleich zum konjunkturellen Momentum eher unterkühlter Befund festzustellen, wurde diese Lücke nunmehr geschlossen.
Der über die letzten Jahre hinweg aus Sorge vor einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften nicht konjunkturkonforme, systematisch leicht überhöhte Beschäftigtenstand wurde durch den einsetzenden Aufschwung im Vorquartal absorbiert, sodass nunmehr knapp jede dritte Firma zusätzliche Beschäftigte aufzunehmen plant. Abseits statistischer Effekte im Kontext der Flüchtlingsmigration sollte daher nicht nur die Beschäftigung in Österreich in den kommenden Monaten weiter zunehmen, sondern auch die Arbeitslosigkeit spürbar zurückgehen.
Der Saldo der Ertragslage ver­-harrt bei +27 nach zuvor +26 Punk-ten und damit auf einem Niveau, das schon seit einem halben Jahr unverändert vorherrscht. Positive Entwicklungen bei den Absatzmengen einerseits werden durch negative Entwicklungen bei den nicht zur Gänze überwälzbaren Kostensteigerungen bei Vorprodukten andererseits kompensiert, während hohe administrative Belastungen fortbestehen, sodass ohne Änderungen in den Umfeldbedingungen ein Ertragsplafond erreicht zu sein scheint. In dieselbe Richtung weisen die Ertragserwartungen, welche sich zwar in noch positivem Terrain (Saldo +5 nach zuvor +7 Punkten) befinden, aber zuletzt wieder gegen die Null­linie tendierten.

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