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Die Wende ist machbar © Österreichischer Biomasse-Verband/APA-Fotoservice/Preiss

Stefan Moidl (IG Windkraft), Jürgen Schneider (Klima- und Energieexperte Umweltbundesamt), Josef Plank (Österreichische Biomasse-Verband)und Peter Püspök (Dachverband Erneuerbare Energie Österreichs).

© Österreichischer Biomasse-Verband/APA-Fotoservice/Preiss

Stefan Moidl (IG Windkraft), Jürgen Schneider (Klima- und Energieexperte Umweltbundesamt), Josef Plank (Österreichische Biomasse-Verband)und Peter Püspök (Dachverband Erneuerbare Energie Österreichs).

britta biron 15.04.2016

Die Wende ist machbar

Eine Studie des Umweltbundesamts zeigt: Erneuerbare können die ­fossilen Energieträger bereits 2030 hinter sich lassen.

••• Von Britta Biron

WIEN. Das Umweltbundesamt hat auf Basis des bestehenden Szenarios und unter Berücksichtigung der Potenzialerhebungen der erneuerbaren Energieverbände erstmals eine Studie erstellt, die zeigt, dass eine weitgehende Dekorbonisiserungg des österreichischen Energiesystems bis 2050 möglich ist.

Die Studie umfasst eine Fülle von Maßnahmen, die dazu führen, dass gegenüber dem Basisjahr 2010 der Energieverbrauch bis 2030 um 20% reduziert wird und der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 61% und bis 2050 auf 91% steigt. Gleichzeitig wird bis 2030 eine 100%ige erneuerbare Stromversorgung (bilanziell) sowie ein Anteil erneuerbarer Fernwärme von 78% realisiert und der Primärenergieeinsatz von Kohle, Öl und Erdgas im Gesamtenergiesystem bis 2050 um 78% gesenkt.

Energie aus Biomasse

„Die vorliegende Studie zeigt, dass für ein Dekarbonisierungs-Szenario die nachhaltig vorhandenen Biomasse-Potenziale nicht ausgeschöpft werden müssen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin massive Anstrengungen zur Mobilisierung von bisher ungenutzten Potenzialen in der Land- und Forstwirtschaft und der gleichzeitige Ausbau der Verwertungskapazitäten für niederwertige Holzsortimente vonnöten sind, will man nicht auf Importe zurückgreifen”, betont Josef Plank, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbands.

Der Marktanteil (inklusive Strom- und Fernwärmeproduktion) der Bioenergie wird von 18% (2010) bis 2050 auf 35% steigen. In der Forcierung der stofflichen Verwertung von Holz in Massivholzprodukten sieht Plank einen zentralen Schlüssel zum Erfolg der Bioenergie. „Entlang der Wertschöpfungskette Holz vom Wald bis ins Wohnzimmer entstehen genug Koppel- und Nebenprodukte für alle weiteren Anwendungsbereiche. Die vollen Lager unserer Biomasseanlagen und die drohenden Schadholzmengen beweisen, wie dringend Verwertungskapazitäten für niederwertige Holzsortimente notwendig sind.”
„Nach unserem Szenario sinken die Treibhausgase auf 20,3 Mio. t CO2-eq im Jahr 2050. 2005 waren es noch 92,5 Mio. Tonnen CO2-eq. Die gesamten THG-Emissionen würden im Szenario erneuerbare Energie im Jahr 2030 um 50 Prozent und im Jahr 2050 um 78 Prozent gegenüber 2005 sinken”, erläutert Jürgen Schneider, Klima- und Energieexperte im Umweltbundesamt.

Effizienz in allen Sektoren

Insgesamt wird eine Reduktion des Endenergieverbrauchs in allen Bereichen auf knapp über 900 PJ bis 2030 angenommen, im Gebäudebereich vor allem durch Sanierung und hohe Baustandards große Energiemengen. Im Transportwesen soll die Verlagerung des Personenverkehrs in Richtung öffentliche Verkehrsmittel und des Gütertransportes zur Bahn sowie eine breite Einführung elektrischer Antriebe eine deutliche Effizienzsteigerung bringen. Für die Industrie wurde bis 2030 eine leichte Erhöhung des energetischen Endverbrauchs auf 320 PJ und 2050 eine leichte Reduktion auf 273 PJ angesetzt.

Bringt mehr, als es kostet

Kritik über zu hohe Kosten für die Energiewende lässt Schneider nicht gelten: „Sie bringt deutlich mehr als sie kostet. Sie sollte gerade jetzt als Beschäftigungs- und Konjunkturmotor genutzt werden. Hinzu kommt, dass die Schäden durch den Klimawandel minimiert werden müssen. Das Umweltbundesamt hat zusammen mit dem Wegener Center die derzeitigen Kosten des Klimawandels mit einer Milliarde Euro pro Jahr abgeschätzt. Bis Mitte des Jahrhunderts könnte dieser Wert auf 8,8 Milliarden Euro steigen.”

Auch Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreichs (EEÖ), ist überzeugt, dass sich eine ambitionierte Klima- und Energiestrategie für die Wirtschaft rechnet. „Die Unternehmen brauchen Investitionssicherheit und Anschub für einen der Megatrends dieses Jahrhunderts, der Energiewende, weg von den klimazerstörenden Energien Kohle, Öl und Erdgas, hin zu den sauberen Erneuerbaren, die Österreich in großem Ausmaß hat. Man muss die Chancen des Ausbaus der erneuerbaren Energien nutzen und rasch diese Entwicklung umkehren”, fordert auch Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft.
Österreich hat sich seit 2000 vom Stromexporteur zum Importeur gewandelt –mit negativen Auswirkungen auf die CO2-Emissionen.
Schon zu Beginn des nächsten Jahrzehnts könnte diese Entwicklung aber wieder gestoppt und Österreich unabhängig von ausländischem Strom werden. Denn laut Szenario steigt die inländische Stromproduktion aus erneuerbaren Energien um 80% bis 2030 bzw. um mehr als 36 TWh an (verglichen mit 2010).
„Damit das aber auch Realität wird, bedarf es einer Reformierung des Ökostromgesetzes und eines Umbaus des europäischen Strommarktes”, bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft. „Das Wirtschaftsministerium ist jetzt gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. 230 Windkraftanlagen stehen in Startlöchern, können aber im Augenblick aufgrund des Reformstaus nicht realisiert werden.”

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