INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Digitalisierung passiert öfter zufällig als gut geplant © Panthermedia.net/Anterovium
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19.02.2016

Digitalisierung passiert öfter zufällig als gut geplant

Unklare Konzepte und Zuständigkeiten sowie viele offene Fragen ­machen Projekte zu einem Balanceakt mit ungewissem Ausgang.

••• Von Britta Biron

WIEN. Dass künftig ohne Digitalisierung kein Wachstum und kein Erfolg möglich sein wird, ist mittlerweile eine fast generell akzeptierte Meinung in der Wirtschaft. Das zeigt auch das Ergebnis einer von Fujitsu durchgeführten Befragung von 650 Geschäftsführern und IT-Verantwortlichen mittlerer bis großer Unternehmen in Deutschland, Großbritannien, Schweden und Spanien.

Die überwiegende Mehrheit (92%) ist überzeugt, dass ihr Unternehmen in Sachen Vernetzung bereits weit bzw. sogar extrem weit ist. Und zwei von fünf attestieren ihrer Branche generell einen hohen Digitalisierungsgrad.

Viele Stolpersteine

So weit, so gut. Fragt man allerdings genauer nach, bröckelt die vermeintlich heile Digitalierungs-Fassade.

Miteinander konkurrierende Abteilungen, verschiedene Interessen und Schwerpunkte, unklare oder überhaupt fehlende Pläne rund um die Digitalisierung sorgen für ­Konfusion in den Unternehmen
Nur ein Viertel der befragten IT-Führungkräfte ist davon überzeugt, über die nötigen Kompetenzen zu verfügen, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, und drei von fünf Studienteilnehmern sehen in ihren Unternehmen generelle Probleme bei der Entscheidungsfindung.
65% sagen, dass die verschiedenen Digitalisierungsprojekte im Unternehmen unzureichend aufeinander abgestimmt sind. Tatsächlich sehen die meisten der Befragten die Digitalisierung als Zufallsprodukt, und gut drei Viertel der Studienteilnehmer bezeichnen den Erfolg ihrer digitalen Projekte sogar als Lotteriespiel mit unsicherem Ausgang.
„In Bezug auf die digitale Transformation herrscht ein hohes Maß an Unsicherheit. Die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und das fehlende Verständnis für die Komplexität der digitalen Transformation ist aber eine gefährliche Kombination”, konstatiert Duncan Tait, Leiter von EMEIA bei Fujitsu.

Wunsch nach mehr Tempo

Drei Viertel der Unternehmen würden die Digitalisierung trotzdem gern beschleunigen. Vor allem, um endlich die versprochenen Früchte – besserer Zugang zu qualifizierten Mitarbeitern, schnelleres Reagieren auf Marktveränderungen und höhere Kundenbindung – ernten zu können, andererseits aber auch, um das (leidige) Thema endlich vom Tisch zu haben bzw. wie es die Studie formuliert: das Projekt abschließen zu können.

Allerdings zeigen sich hier deutliche Unterschiede zwischen den Nationen: Während in Großbritannien zwei Drittel der britischen Unternehmen mehr Tempo machen wollen, sind es in Schweden 87% und in Spanien sogar 90%.

Unklare Prioritäten

Dabei sind in den meisten Unternehmen noch nicht einmal die Zuständigkeiten geklärt; jeder zweite CEO sieht in erster Linie die IT-Abteilung in der Pflicht.

Doch schon jetzt reichen nach Meinung der IT-Verantwortlichen Zeit und Ressourcen kaum aus. Nur in 15% der Unternehmen werden Digitalisierungs-Maßnahmen von speziell geschaffenen Teams durchgeführt, in allen anderen Betrieben müssen die Projekte parallel zum täglichen IKT-Betrieb erledigt werden.
Auch hinsichtlich der Prioritäten sind noch viele Fragen offen. Wie schon andere Studien davor, zeigt auch die Fujitsu-Umfrage, dass die Digitalisierung nach wie vor primär als technologische Herausforderung angesehen wird, Prozessoptimierung (49%) und operative Effizienz (46%) stehen klar im Fokus; stärker auf die Zukunft ausgerichtete, strategische Themen wie das Datenmanagement (22%) oder neue Geschäftsinitiativen/Innovation (18%) haben eine deutlich geringere Priorität.
Das zeigt sich auch bei den Budgets: In zwei Dritteln der Unternehmen (69%) ist das IT-Budget zweigeteilt: ein Teil ist für digitale Innovation, der andere für das ­Tagesgeschäft vorgesehen.
Nur 27% der Unternehmen haben ein separates Budget für ihre digitale Transformation.
Da wundert es kaum, dass fast in jedem zweiten Betrieb (47%) der Eindruck herrscht, nicht die richtige Balance zwischen digitalen und herkömmlichen IT-Projekten hinsichtlich des Zeit- und Geldaufwands gefunden zu haben, obwohl 56% der Investitionen in digitale Innovationen fließen.

Externe Treiber

Angesichts der Unwägbarkeiten auf dem Weg zur Digitalisierung scheinen einige Firmen sogar eine Vollbremsung zu machen. Immerhin jedes sechste Unternehmen bekundet weiterhin oder schon wieder fehlendes Interesse an der digitalen Umgestaltung. Ein Drittel glaubt, schon jetzt zu viel Zeit und Geld in digitale Projekte investiert zu haben.

Zwar sei die Zurückhaltung, so die Studienautoren, durchaus verständlich – wer wollte schon mit Vollgas durch eine Nebelwand preschen –, leisten könne man sie sich aber trotzdem nicht; die Gefahr, dadurch den Anschluss zu verpassen, ist bereits viel zu groß.
Ein Studienteilnehmer formuliert es treffend: „Die Risiken bei Investitionen in falsche Technologien sind geringer als die Gefahren, die entstehen, wenn man nichts tut und vom Wettbewerb überholt wird.”
Und genau genommen ist der Digitalisierungszug ohnehin nicht mehr aufzuhalten. Wie andere Untersuchungen bereits gezeigt haben, sind es vor allem die Großkonzerne, die hier schon weit fortgeschritten sind und die Digitalisierung damit à la longue auch für all ihre Zulieferer unumgänglich machen.

Beratung notwendig

Wilhelm Petersmann, Geschäftsführer von Fujitsu in Österreich, dazu: „Es gibt noch viele Fallstricke und Unabwägbarkeiten beim digitalen Umbau. Die Studie zeigt auch, dass viele Firmen dabei, aufgrund der falschen Zielsetzung, durch den IT-Umbau keinen signifikanten Wettbewerbsvorteil erzielen. Jedoch sollte genau dies das klare Ziel sein. Der Fokus von Fujitsu liegt aus diesem Grund auch darauf, Services und Lösungen anzubieten, die unsere Kunden auf dem Weg der Digitalisierung so erfolgreich wie möglich unterstützen und eine reibungslose Transformation ermöglichen. Um wirklich digital zu arbeiten, müssen Unternehmen durchgehend digitale Strukturen besitzen. Das funktioniert natürlich nur, wenn Front-End und Back-End-Infrastruktursysteme nahtlos miteinander verknüpft sind.”

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