INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Gar nicht so knapp © Knapp/Harry Schiffer

Als international tätiges Unternehmen zählt die Knapp AG zu den Weltmarktführern im Bereich Lagerlogistik und Lagerautomation.

© Knapp/Harry Schiffer

Als international tätiges Unternehmen zählt die Knapp AG zu den Weltmarktführern im Bereich Lagerlogistik und Lagerautomation.

PAUL CHRISTIAN JEZEK 08.07.2016

Gar nicht so knapp

Die steirischen Logistiker haben wieder einen Rekordumsatz verbucht; allerdings wird der „Brexit” sehr schmerzvoll wahrgenommen.

••• Von Paul Christian Jezek

HART BEI GRAZ. Um bemerkenswerte 25% ist der Nettoumsatz der Knapp AG im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 582 Mio. € (nach 466,3 Mio.) gestiegen. Auch der Betriebsgewinn (EBIT) konnte beachtlich von 21 auf 30,5 Mio. € erhöht werden, und nach Steuern bleiben laut Vorstand Christian Grabner (CFO) immer noch 22,5 Mio. €.

Aber: „Das Wahlergebnis aus Großbritannien hat bei uns über Nacht 50 Mio. Euro Umsatz vernichtet”, bezifferte CEO Gerald ­Hofer die „bittere Pille”. Manche schon fertig projektierte Aufträge seien storniert worden, andere wiederum verzögern sich um zumindest ein Jahr. Großbritannien sei nach Deutschland der zweitwichtigste Markt, und das durchaus ambitionierte Ziel für das anlaufende Geschäftsjahr besteht daher darin, das Rekordjahr zu wiederholen und zu konsolidieren, erklärte das Vorstandstrio, zu dem auch noch COO Franz Mathi gehört.

Es war ein gutes Jahr

Mit dem „außergewöhnlich erfolgreichen” vergangenen Jahr – inklusive dem Abschluss großer Projekte wie etwa Marks & Spencer und auch Gerry Weber – blicke man optimistisch in die Zukunft, auch wenn sich die Rahmenbedingungen durch den „Brexit” verschlechtert hätten. Das Wachstum werde sich verlangsamen, was aber dem Unternehmen auch guttun könne. Bis Herbst werde das hohe Niveau aber auf jeden Fall noch gehalten. Die Konzentration liege künftig auf Kontinentaleuropa, USA und Asien.

Brasilien, das vor zwei Jahren noch als großer Hoffnungsmarkt gegolten hatte, könne man wegen Korruption und „katastrophaler Wirtschaftsdaten” gerade noch als Standort halten. Dafür setzt Knapp in Südamerika nun verstärkt auf Argentinien und Chile. Ähnliches wie für Brasilien gelte auch für Russland: „Dort haben wir die Aufgabe, uns am Markt zu halten.”
Das starke Wachstum im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich auch auf die Zahl der Mitarbeiter ausgewirkt: Allein in Graz wurden im vergangenen Jahr rund 150 neue Jobs vergeben; derzeit werden 50 Lehrlinge in fünf Berufen ausgebildet.
Besonders stolz ist Knapp darauf, das neue Getriebewerk von Pankl Racing in Kapfenberg auszustatten. Insgesamt wurden im vergangenen Geschäftsjahr Aufträge mit einem Gesamtvolumen von rund 650 Mio. € unterschrieben – quer durch alle Niederlassungen. Auch das ist ein neuer Unternehmensrekord. Der Exportanteil blieb mit 97% konstant hoch.
Im neuen Geschäftsjahr will Knapp neben 30 Mio. € für F&E weitere 25 Mio. in Gebäude und Infrastruktur investieren, z.B. um die Produktionskapazitäten in Leoben, Graz und Dobl zu vergrößern. Die stärksten Wachstumsraten verzeichnet Knapp im Fashion-Bereich, gefolgt von Pharma, wo vor allem die Bilderkennung stark gefragt sei. Zu den namhaften Kunden zählen u.a. Hugo Boss, Olymp, Spar, Avon Cosmetics oder Würth. Beim Fashion-Bereich halte man derzeit in Europa 40 bis 50% Marktanteil und liefere Lösungen sowohl für eCommerce als auch für Filialbelieferungen: „Die beiden Bereiche wachsen aber immer weiter zusammen”, sagt Hofer. Heute werden auch Bekleidungsgeschäfte schon täglich mit neuen Waren beliefert, und der Kunde kann sich aussuchen, ob er bei Onlinebestellungen die Ware zu sich nach Hause geliefert haben möchte oder sie im Geschäft abholen will.

Zum Standort Österreich

Beim Thema Maschinensteuer haben die Vorstände große Bedenken, denn eine solche würde die europäische Stärke – nämlich Innovation – vernichten. In puncto Arbeitszeitflexibilisierung wünscht sich Hofer ein Loslösen von der Tagesarbeitszeit hin zur kürzeren Jahresarbeitszeit: „Wir wollen eine Flexibilisierung. Eine Vier-Tage-Woche halte ich für besser als fünf Tage.” Die Obergrenze von zehn Stunden pro Tag müsse überdacht werden.

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