INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Industrie 4.0 macht nur kleine Fortschritte © McKinsey/Vavuris

Hindernisse Bedenken bei der Datensicherheit, fehlende Fachkräfte und mangelnde interne Kooperationen hemmen eine schnellere Umsetzung, meint Dominik Wee, Partner bei McKinsey.

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Hindernisse Bedenken bei der Datensicherheit, fehlende Fachkräfte und mangelnde interne Kooperationen hemmen eine schnellere Umsetzung, meint Dominik Wee, Partner bei McKinsey.

britta biron 18.03.2016

Industrie 4.0 macht nur kleine Fortschritte

Nur etwas über 40 Prozent der Unternehmen sind ihren Digitalisierungs-Zielen in den letzten zwölf Monaten deutlich näher gekommen.

••• Von Britta Biron

DÜSSELDORF. „Wir erleben eine gewisse Ernüchterung beim Thema Industrie 4.0. Zwar haben fast alle Unternehmen die Dringlichkeit erkannt. Doch nur wenige ziehen bereits heute produktiven Nutzen aus Industrie 4.0-Anwendungen wie der Analyse großer Datenmengen, dem 3D-Druck oder haben gar ihr Geschäftsmodell an die Veränderungen durch die Digitalisierung angepasst”, erläutert McKinsey-Partner Dominik Wee die Ergebnisse der Studie „Industry 4.0 after the initial hype”, für die 300 Führungskräfte aus der Industrie in Deutschland, den USA und Japan befragt wurden – unter anderem zu den Fortschritten, die während der letzten zwölf Monate erreicht wurden. Hier fällt die Antwort etwas ernüchternd aus: Nur 42% bezeichnen diese als gut bzw. sogar bedeutend. Allerdings ist die Quote jener, die angaben, bei der Digitalisierung deutliche Fortschritte gemacht zu haben, in den USA und Deutschland überdurchschnittlich.

Gedrückt wird das Gesamtergebnis von Japan, wo nicht einmal ein Fünftel der Industriemanager ihr Unternehmen jetzt deutlich weiter sieht als ein Jahr davor.

Erwartungen steigen

Analog dazu zeigen sich auch bei der Einstellung zur Digitalisierung deutliche Unterschiede.

Deutlich optimistischer als vor einem Jahr sind 44% der US-Manager, dagegen nur knapp ein Fünftel ihrer deutschen Pendants und in Japan ist die Gruppe mit acht Prozent noch kleiner. Einheitlicher ist das Bild dagegen bei der Frage, wie sich aus Sicht der Führungskräfte Industrie 4.0 auf die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens auswirken wird. Hier rechnen 56% der Amerikaner, 54% der Japaner und 50% der Deutschen mit einer Verbesserung.
Insgesamt glauben 60% der befragten Manager, dass ihr Unternehmen gut auf die Digitalisierung vorbereitet ist. Und das, obwohl erst 30% der Zulieferbetriebe und 16% der Unternehmen aus der produzierenden Industrie über eine klare Industrie 4.0-Strategie verfügen, und in drei Viertel der Firmen die Zuständigkeiten bisher noch immer nicht eindeutig geregelt sind.
Die Gründe, die eine schnellere Umsetzung von Industrie 4.0 behindern, sind bereits aus zahlreichen anderen Studien bekannt. So wird etwa mangelnde Koordination zwischen Produktions-, Entwicklungs-, IT- und Finanzabteilung angeführt, Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern und natürlich das Fehlen von entsprechend qualifizierten Fachkräften.

Spezialisten fehlen

Dass besonders der letzte Punkt schwer ins Gewicht fällt, zeigt eine Untersuchung der Unternehmensberatung CSC, für die Arbeitnehmer gefragt wurden, wie gut sie sich für die Digitalierung gerüstet sehen: Zwei Drittel beurteilen ihre Skills hier als bestenfalls befriedigend, und 88% sind davon überzeugt, dass die bestehenden Ressourcen nicht den Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt entsprechen.

Kritisch sehen die Befragten auch die Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen ihrer Arbeitgeber. 65% sind der Meinung, dass dabei der individuelle Bedarf des Einzelnen zu wenig berücksichtigt wird. Die Vermittlung von Faktenwissen für den eigenen Tätigkeitsbereich (Hard Skills) hält derzeit nur knapp jeder Zehnte für sehr gut geeignet, um die digitale Transformation zu meistern.

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