INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Investitionen steigen © APA/Hans Klaus Techt

Die Mehrheit der Unternehmen rechnet damit, dass sich die hohen Investitionen in weniger als zwei Jahren amortisieren.

© APA/Hans Klaus Techt

Die Mehrheit der Unternehmen rechnet damit, dass sich die hohen Investitionen in weniger als zwei Jahren amortisieren.

britta biron 22.04.2016

Investitionen steigen

Bis 2020 fließen weltweit jährlich rund 798 Milliarden Euro in Maßnahmen zur Digitalisierung der Industrie.

FRANKFURT/MAIN. Die Umsetzung von Industrie 4.0 ist voll im Gange. Rund ein Drittel der von PwC für die Studie „Industry 4.0: Building the digital enterprise” befragten Unternehmen stuft ihren Digitalisierungsgrad bereits jetzt als hoch ein, innerhalb der nächsten fünf Jahre soll der Anteil auf 72% steigen.

Die Befragten gaben an, nicht nur wesentliche Funktionen innerhalb der vertikalen Wertschöpfungskette zu digitalisieren, sondern sich auch horizontal mit ihren Partnern entlang der Lieferkette zu vernetzen. Zusätzlich stärken sie ihr Produktportfolio mit digitalen Funktionen und bieten innovative datenbasierte Dienstleistungen an. Für die Maßnahmen planen die befragten Unternehmen ein Investitionsvolumen von rund 907 Mrd. USD, umgerechnet rund 798 Mrd. €, ein. Ein Hauptanteil wird in digitale Technologien wie Sensoren oder Geräte für Konnektivität sowie in Software und Anwendungen wie Produktionsleitsysteme fließen.
Außerdem investieren Unternehmen in Trainings für ihre Mitarbeiter sowie in die notwendigen organisatorischen Veränderungen.
Mehr als die Hälfte (55%) der Unternehmen geht davon aus, dass sich diese Aufwendungen in höchstens zwei Jahren amortisieren werden; 37% gehen von einem Zeitraum von zwei bis fünf Jahren aus.
Konkret rechnet man mit einer Kostenreduktion von 3,6% (in Summe 421 Mrd. USD bzw. rd. 370 Mrd. €) und einem Umsatzplus von 2,9% (493 Mrd. USD bzw. rd. 434 Mrd. €) jährlich.
„Unternehmen versprechen sich von der Digitalisierung enorme Vorteile und investieren entsprechend hohe Summen. Unsere Studie zeigt, dass sich dieser Wandel in allen befragten Ländern gleichermaßen vollzieht, nicht nur in Industriestaaten”, sagt Jörg Busch, Partner und Leiter Consulting & Risk Services bei PwC Österreich. „Selbst wenn sich nur die Hälfte der Erwartungen erfüllt, wird Industrie 4.0 die Wettbewerbslandschaft in den kommenden fünf Jahren grundlegend verändern.”

Knackpunkt Data Analytics

Über 80% der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass Data Analytics in fünf Jahren einen signifikanten Einfluss auf die Art und Weise haben, wie Entscheidungen gefällt werden.

„Die professionelle Aufbereitung von Daten ermöglicht einen wertvollen Einblick in den Gebrauch von Produkten und macht eine langfristige Kundenbindung möglich”, sagt Busch. „Data Analytics erlaubt, Produkte weiterzuentwickeln und um Services und Angebote zu ergänzen, die sich genau an den Bedürfnissen der Kunden orientieren.”
Noch bereitet dies allerdings Probleme, vor allem, da die dafür notwendigen Spezialisten Mangelware sind. 40% der befragten Unternehmen setzen auf die Analytics-Kompetenz einzelner Mitarbeiter, haben aber keine Abteilung, die sich der reinen Datenanalyse widmet.
„Sinnvoll ist es, fundierte Kompetenzen für Data Analytics und Digitalisierung im eigenen Unternehmen aufzubauen. Mit einzelnen Experten ist es beim Erheben und Auswerten von Daten nicht getan, um Industrie 4.0-Strategien erfolgreich umzusetzen”, so Busch. „Um sie als Entscheidungsgrundlage nutzen zu können, benötigen Unternehmen professionell aufbereitete Datenpools, Algorithmen und fundierte Empfehlungen.”

Regionale Unterschiede

Obwohl Industrie 4.0 ein globales Thema ist, lässt die Studie durchaus regionale Schwerpunkte bei den Zielen erkennen.

So nutzen Unternehmen in Japan oder Deutschland die Digitalisierung vor allem, um ihre Effizienz und Produktqualität zu erhöhen. In den USA zeichnet sich die Tendenz ab, mithilfe digitaler Angebote und Dienstleistungen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Produkte und Dienstleistungen möglichst schnell digital anzubieten. Produktionsunternehmen in China konzentrieren sich darauf, sich durch Kostenreduzierung besser gegen internationale Mitbewerber zu behaupten.
„Unsere Studie zeigt, dass sich der Reifegrad der digitalen Integration in den verschiedenen Regionen in fünf Jahren weitestgehend angeglichen haben wird, mit Ländern wie Japan, Deutschland oder den USA an der Spitze. Industrie 4.0 wird die Kluft zwischen den Regionen nicht vergrößern, sondern vielmehr Unternehmen und Länder enger miteinander verbinden und sogar die Globalisierung voranbringen”, so Jörg Busch.

Digitalisierung in Österreich

Bei den 100 befragten Unternehmen aus Österreich stuft rund ein Drittel (2014 waren es dagegen erst 24%) ihren Digitalisierungsgrad als hoch ein, in den nächsten fünf Jahren geht man davon aus, dass dies auf 77% der Betriebe zutreffen wird. Schwachpunkte orten die heimischen Unternehmen im Bereich Data Analytics. Nur 23% stufen sich hier als fortgeschritten ein, knapp die Hälfte (48%) geht von einem mittleren Entwicklungsgrad aus, und mehr als ein Viertel (26%) räumt deutliche Defizite ein. Mit drei Prozent ist allerdings der Anteil jener Betriebe, die diese Aufgaben an externe Spezialisten delegiert, ausgesprochen gering.

Im Fokus der rot-weiß-roten Digitalisierungsmaßnahmen stehen die Verbesserung der Planungsprozesse in der Produktion und Fertigung. Dafür will man auch mehr Geld in die Hand nehmen. 2015 gaben die befragten Unternehmen in Österreich an, knapp vier Prozent ihres Jahresumsatzes für Industrie 4.0-Projekte aufzuwenden, laut den Ergebnissen der aktuellen Studie sind inzwischen 4,7% vorgesehen.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema