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Ölkonzerne in der Krise © panthermedia.net/gregory21

Ölförderung ist angesicht der niedrigen Preise zurzeit kein gutes Geschäft.

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Ölförderung ist angesicht der niedrigen Preise zurzeit kein gutes Geschäft.

19.02.2016

Ölkonzerne in der Krise

Niedrige Ölpreise verhageln die ­Bilanzen und erfordern Sparprogramme und ­strategische Neuausrichtungen.

LONDON/HOUSTON. Seit 2014 ist der Ölpreis um gut 70% gesunken, was dramatische Auswirkungen auf die Förderunternehmen hat.

Hatte der Branchengigant Exxon 2014 mit dem Explorations- und Fördergeschäft noch 4,89 Mrd. Euro Gewinn eingefahren, waren es 2015 nur noch magere 765 Millionen. Selbst eine Verdoppelung des Ertrags aus dem Raffineriegeschäft auf 1,2 Mrd. Euro konnte das Loch nur teilweise stopfen.

Drastischer Stellenabbau

Als Gegenmaßnahmen hat das Unternehmen bereits begonnen, die Investitionen in seine bestehenden Anlagen massiv zu reduzieren und für heuer ist eine weitere Kürzung um ein Viertel auf nur noch knapp über 20 Mrd. Euro geplant. Experten halten es für wahrscheinlich, dass Exxon sich für eine Einkaufstour rüstet, um durch Akquisition zu wachsen.

Bei Chevron brach der Gewinn im Vorjahr um fast drei Viertel auf 4,1 Mrd. Euro ein – trotz eines umgehend eingeleiteten, massiven Sparprogramms mit Stellenabbauten und Kürzungen der Investionen.
Laut CEO John Watson sind für heuer weitere deutliche Ausgabenkürzungen geplant.

Gas statt Öl

Vor allem bei langfristigen und teuren Tiefsee-Projekten wird man auf die Kostenbremse treten und sich stattdessen auf die Schiefergasförderung in den USA konzentrieren.

Stark unter Druck ist auch der britisch-niederländische BP-Konzern geraten, der 2015 einen Rekordverlusst von 6 Mrd. Euro verkraften musste (dem bisher größten in der Geschichte des Unternehmens). Selbst 2010, als der Konzern erste Belastungen aus der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko zu verbuchen hatte, war das Ergebnis nicht so schlecht ausgefallen.
Insgesamt will BP 4.000 Stellen in der Öl- und Gasförderung und weitere 3.000 Jobs im Raffineriegeschäft – immerhin fast neun Prozent der Belegschaft – streichen. Gleichzeitig hat der Konzern aber mehr als 10 Mrd. Euro in ein Gasprojekt in Ägypten gepumpt.

Unternehmensverkäufe

Verstärkt auf Gas will künftig auch Shell setzen und übernimmt um rund 44,6 Mrd. Euro die britische BG Group; gleichzeitig werden rund 6.500 der insgesamt knapp 100.000 Stellen abgebaut, die Investitionen in anderen Bereichen reduziert und Geschäftsteile in Milliardenhöhe verkauft – darunter etwa die japanische Tochter Showa Shell.

Auf die Straffung seines Port­folios setzt auch der österreichische OMV-Konzern, der vor Kurzem bekannt gegeben hat, dass man das türkische Tochterunternehmen OMV Petrol Ofisi verkauften wolle.
Das Unternehmen ist mit 1.785 Tankstellen der größte Tankstellenbetreiber der Türkei, einer der führenden Treibstofflieferanten für Geschäfts- und Industriekunden und zudem der größte Schmier­mittellieferant. (red)

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