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Pleiten, Pech und Pannen © Semperit
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Redaktion 12.10.2017

Pleiten, Pech und Pannen

„Operative Ergebnisentwicklung deutlich schwächer als erwartet“: Die Serie der schlechten Nachrichten von und über Semperit reißt nicht ab.

WIEN. Es begann im Frühling, wenn auch noch vor dem Wonnemonat Mai: Am 10. April veröffentlichte die Semperit AG Holding gemäß Art. 17 EU Marktmissbrauchsverordnung, dass sich für das Ergebnis des Segments Sempermed (Sektor Medizin) „ein wesentlicher Wertberichtigungsbedarf“ ergeben kann. Nach eingehender Prüfung sei der Vorstand zum Schluss gekommen, dass die nachhaltig erzielbare Produktionsmenge des Standorts Kamunting (Malaysia) „unter den bisherigen Annahmen liegt und als Folge dessen eine Wertminderung von rund 26 Mio. Euro verbucht werden muss“. Damit wurde der Firmenwert des Segments Sempermed zur Gänze wertberichtigt.

Der erste (Halbjahres-)Bericht des neuen Vorstands (vollständig im Juni) Mitte August klang dann vergleichsweise positiv: Man habe in den ersten sechs Monaten einen weiteren Umsatzanstieg von 6,0% auf 232,3 Mio. € erzielt (wobei der Umsatz im Sektor Industrie um 3,5% und im Sektor Medizin um 10,0% wuchs) und erste Maßnahmen gesetzt, um die Profitabilität der Segmente Sempermed und Sempertrans zu steigern. Im Segment Sempermed wurden Produktivitätssteigerungen durch Kostenreduktionen in Produktion, Marketing und Verkauf (einschließlich einer Reduktion der Mitarbeiterzahl des Segments um 14% = mehr als 450 Personen) erreicht. Zu den verlorenen 26 Mio. € von Sempermed kamen jedoch zusätzlich Restrukturierungsaufwendungen von 6,8 Mio. € bei Sempertrans in Frankreich und 4,0 Mio. € Wertanpassungen für aktivierte IT-Kosten im Corporate Center-Segment.

„Ich versichere Ihnen, dass wir jeden Stein im Unternehmen umdrehen werden“, versprach der neue Vorsitzende Martin Füllenbach. „Um in unserer Firmen-DNA ein profitables Wachstum zu verankern, ist es notwendig, unsere zentralen Technologien und Prozesse einer Überprüfung zu unterziehen.“ Der für ein börsennotiertes Unternehmen obligatorische Ausblick für das Gesamtjahr klang jedenfalls gar nicht gut: „In der Übergangsphase verzeichnet Semperit weiterhin eine limitierte Visibilität, während gleichzeitig die Volatilität der Rohstoffpreise jeden Versuch einer belastbaren Guidance noch schwieriger gestaltet. Semperit wiederholt im Rahmen der Halbjahresberichterstattung, dass das angepasste EBIT für 2017 deutlich unter dem Ergebnis von 2016 liegen wird.“

Deutlich schwächer als erwartet
Am 9.10. gab schließlich der Vorstand im Zuge einer Ergebnisbesprechung bekannt, dass „die Ergebnissituation der Semperit Gruppe im zweiten Halbjahr 2017 operativ unter den Erwartungen bleiben wird“. Im Vergleich zum bereinigten operativen EBIT des ersten Halbjahres 2017 von sechs Mio. sei für das dritte und vierte Quartal auf derzeitiger Basis keine wesentliche Verbesserung aus dem operativen Geschäft zu erwarten. Aufgrund der aktuellen Situation habe man einen umfangreichen Analyse- und Strategieprozess beschlossen, der voraussichtlich im zweiten Quartal 2018 abgeschlossen sein und in diesem Zeitraum zu laufenden Aufwendungen führen wird; daran anschließend, würde man den daraus resultierendes Transformationsprozess starten.

„Fortlaufende und potenziell neue Maßnahmen zur Erhöhung der Rentabilität und zur Stärkung der Bilanzstruktur“ stünden ganz oben auf der Agenda des Vorstands. „Daher können weitere erhebliche Einmalbelastungen neben den bereits gesetzten und teilweise noch in Umsetzung befindlichen Schritten auch in den nächsten Quartalen nicht ausgeschlossen werden.“ Und: „Bedingt durch die angeführten Entwicklungen, bleibt der Ausblick für die nächsten Quartale ausgesetzt.“ (pj)

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