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Zu Wasser, zu Land und auch auf Schiene © Bubu Dujmic
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Paul Christian Jezek 16.12.2016

Zu Wasser, zu Land und auch auf Schiene

Der Hafen Wien gilt heute als eine der wichtigsten und größten Güter-Drehscheiben Mitteleuropas.

••• Von Paul Christian Jezek

Binnenhäfen sind längst nicht mehr „nur” für die Lagerung und den Umschlag von klassischem Schüttgut verantwortlich, sondern vielmehr moderne Güterverkehrszentren, die sich auf umfassende Logistikkonzepte und -dienstleistungen spezialisiert haben, um den Anforderungen der verladenden Wirtschaft bestmöglich gerecht zu werden. Die drei Verkehrsträger Wasser, Straße und Schiene sind dabei an einem Punkt verknüpft und können nach Bedarf kombiniert und für den Gütertransport genutzt werden.

Dienstleistungen im Straßen- und Schienenverkehr sowie die Ausweitung der Leistungen auf Container-, RoRo- und Schwergutlogistik ergänzen das infrastrukturelle Angebot moderner Binnenhäfen. Vielfach erfolgt dies auch durch Kooperation oder Zusammenschluss mit verschiedenen Dienstleistern aus Verkehr und Logistik. Moderne Binnenhäfen konzentrieren um ihren Standort Gewerbeflächen für Betriebsansiedelungen und entwickeln sich somit zu eigenständigen Wirtschaftsstand­orten und Arbeitgebern mit bester Infrastruktur. Besonders exportorientierte Unternehmen nutzen diese optimalen Bedingungen für die Ansiedelung.

Am Beispiel Hafen Wien

Dank seiner Lage an drei TEN-T-Korridoren gilt der Hafen Wien heute als eine der wichtigsten und größten Güter-Drehscheiben Mitteleuropas und als einer der wichtigsten Binnenhäfen an der Donau. Vom Zentrum der Bundeshauptstadt ist der Hafen nur wenige Autominuten entfernt, er liegt aber trotzdem mit seinen trimodalen Umschlagsmöglichkeiten (Schiff, Straße, Bahn) im Herzen der Stadt mit dem Flughafen Wien-Schwechat in unmittelbarer Nähe. Der große Lagerbereich am Hafen Gelände befindet sich in optimaler Lage zwischen der A23 (Südosttangente) und der A4 (Ostautobahn).

„Bei unseren nachhaltigen Investitionen standen die Errichtung des Schwergutzentrums Albern, die weitere Aufschüttung des Hafenbeckens Freudenau sowie der neue Hafenmobilkran am Standort Freudenau im Hauptfokus”, sagt der kaufmännische Geschäftsführer des Wiener Hafens, Fritz Lehr.
Ein wichtiger Aspekt für den Logistik-Hub der Zukunft war der Erhalt der internationalen Futtermittelzertifizierung nach GMP+ B3, um die Wettbewerbsfähigkeit im Umschlags- und Lagerbereich weiter zu stärken. GMP+ ist ein internationaler Standard, der alle notwendigen Maßnahmen für Futtermittel festlegt – vom Kauf über den Transport und die Verarbeitung bis zur Verfütterung. Insgesamt sechs Boxen mit mehr als 7.000 m³ Fassungsvermögen in der Rohstoffhalle 1 am Standort Freudenau stehen für Schüttgut zu Verfügung; dort können nun Weizen, Gerste, Sonnenblumenkerne, Soja oder andere tierische Futtermittel nach den umfangreichen Richtlinien der GMP+-Zertifizierung gelagert werden. „Durch den Erhalt des GMP+-Zertifikats ist es uns jetzt ­möglich, potenzielle Aufträge durchzuführen, die diesen Richtlinien entsprechen müssen”, sagt Lehr.

Mehr High & Heavy

Darüber hinaus wurde gegen Ende des Jahres 2015 zur Erschließung neuer Betriebsflächen die zweite Phase der Landgewinnung im Hafen Freudenau abgeschlossen.

„Dabei wurde das Hafenbecken durch Aufschüttung gesamt um rund 20 Prozent verkleinert, und es stehen nun insgesamt 70.000 m² mehr an Fläche zur Verfügung”, konkretisiert Lehr.
Auf den so gewonnenen neuen Flächen werden Anlagen für den Warenumschlag errichtet, und so kann der Hafen Wien nun neue Geschäftsflächen für das Con­tainergeschäft und für die Lagerei anbieten, ohne dass der Schiffsumschlag eingeschränkt werden muss. Das Aushub­material, das in das Hafenbecken eingebracht wird, stammt von diversen Großbaustellen in Wien.
Ein zweites großes – inzwischen abgeschlossenes – Investitionsprojekt des Hafen Wien dient der Ankurbelung des High & Heavy-Geschäfts: In Albern wurde in Kooperation mit einem großen heimischen Umschlagsspezialisten ein 4.000 m² großes Schwergutzentrum errichtet, in dem Güter bis 450 t im Regelbetrieb umgeschlagen werden können. Dazu Lehr: „Schwerlast ist ein immer wichtiger werdendes Thema, die Nachfrage der Kunden ist progressiv, da die Indus­trieanlagen immer größer dimensioniert werden.” Dabei stößt die Straßeninfrastruktur oft an ihre Grenzen – hier ist also der Transport über den Wasserweg die optimale Transportlösung.

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