LUXURY BRANDS & RETAIL
Alternative Anlage-Mechanik © Douglas Kirkland/Corbis via Getty Images

(l.) Rolex ist der Star unter den Vintage-Uhren. Der Original Daytona ­Chronograph von Paul New­man ist kürzlich für die Rekord­summe von 15 Mio. € versteigert worden.

© Douglas Kirkland/Corbis via Getty Images

(l.) Rolex ist der Star unter den Vintage-Uhren. Der Original Daytona ­Chronograph von Paul New­man ist kürzlich für die Rekord­summe von 15 Mio. € versteigert worden.

britta biron 24.11.2017

Alternative Anlage-Mechanik

Vintage-Uhren gehören zu den schönsten Investments, auch wenn der finanzielle Aspekt nur eine Nebenrolle spielt.

Wien/New York. Neu ist gut, doch alt kann noch besser sein – eine Meinung, die immer mehr Liebhaber edler Uhren vertreten, wie die seit Jahren kontinuierlich steigende Nachfrage nach Vintage-Zeitmessern zeigt. Zum harten Kern der passionierten Sammler, vornehmlich aus Europa und den USA, sind neue aus Russland und China dazugekommen. Zudem sind – während die Uhrenhersteller die Preisschraube beständig nach oben gedreht haben – immer mehr Uhrenkäufer auf die Oldies aus zweiter Hand ausgewichen.

Zeitlose Klassiker

Für Philipp Man, Chef des Uhren-Onlineportals Chronext, liegt die wachsende Faszination für mechanische und insbesondere Vintageuhren aber auch darin, dass sie einen Gegenpol zur modernen Technik schaffen. „Vor allem jüngere Käufer, deren Zahl übrigens deutlich steigt, schätzen den analogen Touch, den solche Uhren unserer digitalen Welt verleihen.”
Gefragt sind vor allem Klassiker bekannter Marken. Einfache Stahlmodelle von Rolex, die 2001 um günstige 1.800 € zu haben waren, ­erreichen heute Preise von gut 4.000 €.
„Vor allem der Navitimer ist besonders beliebt, da er bereits seit 1952 als der Breitling Zeit­messer gilt”, sagt Breitling-CEO Peter Keller. Daneben seien limitierte Uhren und hochkomplizierte ­Einzelstücke, wie beispielsweise die Bentley Masterpiece, sehr ­beliebt.
„Gerade die El Primero Chronographen der 70er-Jahre sind sehr gesucht und werden stetig höher gehandelt”, weiß Alexander Seidl, CEO Zenith Austria & CEE, der nicht nur Modelle aus dem eigenen Haus sammelt, sondern gern auch zu solchen der Konkurrenz greift, vor allem zu Movado, Tag Heuer und Omega.

Wechselnde Geschmäcker

Auch der Geschmack der Zeit entscheidet über die Beliebtheit bestimmter Modelle. In sind heute zum Beispiel Militäruhren, wie die CP Tipo 2 von Zenith für die italienische Flugstaffel. Die sind noch dazu selten, da nur wenige Uhren den harten Einsatz im militärischen Alltag heil überstanden haben.
„Eine Zeit lang waren Tourbillons groß in Mode und stiegen stetig im Preis. Heute ist das Interesse für diese Art der Komplikation sehr abgeschwächt”, nennt Irene Ramme-Dörrenberg, Geschäftsführerin Parmigiani Fleurier Deutschland, ein Beispiel.

Ehemalige Ladenhüter

En vogue sind auch Modelle, die zum Zeitpunkt ihres Erscheinens nur wenige Fans gefunden haben. Ein solcher Ladenhüter war Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre der Rolex Daytona Chronograph Referenz 6239 mit „Exotic Dial”. Nachdem Hollywood-Star Paul Newman oft mit diesem Modell gesehen wurde (daher der Namenszusatz, den seither etliche Rolex-Modelle tragen), und in den 80er-Jahren italienische Uhrensammler, die oft als Trendsetter fungieren, das Modell publik gemacht haben, hat es immer mehr Anhänger und Fans gefunden und zählt heute zu den gefragtesten Vintageuhren. Exemplare mit hohen fünfstelligen Preisen gelten bereits als Schnäppchen.

Kostbare Raritäten

Getoppt wird das durch die Original Paul Newman-Daytona, die am 26. Oktober beim Auktionshaus Phillips in New York, einer der ers­ten Adressen für edle Zeitmesser mit Geschichte, unter den Hammer kam. Mit sehr hohen Geboten hatte man zwar gerechnet – prominente Vorbesitzer sind ein wichtiger Preisfaktor bei Vintageuhren –, aber dass der Zuschlag erst bei 15.228.095 € erfolgte, war dann doch eine Überraschung.
Auch für die Auktion in Hongkong am 28. November haben die Experten von Philippe eine Reihe heiß begehrter Sammlerstücke zusammentragen, darunter eine Patek Philippe Referenz 2523 mit Weltzeit. Bei ihrem Erscheinen im Jahr 1953 kein Bestseller, liegt ihr Schätzwert heute zwischen 1,7 und 2,14 Mio. €.
Der gilt aber nicht für jedes Modell dieser Uhr. Denn neben der Seltenheit, eventuell einem berühmten Vorbesitzer sowie der Marke – zu den Topstars bei Wert­erhalt bzw. Wertsteigerung zählen vor allem bekannte Namen wie Rolex, Patek Philippe, IWC, Omega, Tag Heuer, Audemars Piguet oder Breitling – spielt natürlich auch der Zustand eine wichtige Rolle. Und die oben erwähnte Patek Philippe Referenz 2523 ist nicht nur in einem erstklassigen Zustand, sondern wurde auch nie poliert.
„Die Mehrheit der Sammler möchte eine Uhr mit einer gewissen Patina. Eventuelle kleine Kratzer stören nicht”, weiß Arno Haslinger. Einst selbst passionierter Sammler, stellt er heute seine Expertise als Berater für Privatsammler und Museen zur Verfügung.
Für die Zukunft rechnet er mit einer weiter steigenden Nachfrage und hat auch ein paar Tipps hinsichtlich kommender Trends. Nachdem junge Sammler, die in den Markt einsteigen, meist Modelle aus der Zeit ihrer Kindheit und Jugend bevorzugen, sollte auf die Uhren aus den 70er-Jahren, die derzeit hoch im Kurs stehen, jene der 80er- und 90er-Jahre folgen.

Emotionaler Gewinn

Bei einer Dorotheum-Auktion im Juni dieses Jahres erzielte ein Rolex Oyster Cosmograph Daytona aus der Zeit um 1985 mit 42.500 € rund das Doppelte seines Schätzwerts. Auch im Lot der Phillips-Auktion in wenigen Tagen befinden sich einige Vintage-Youngster, darunter eines der 20 Platinmodelle, die die Manufaktur A. Lange & Söhne 2014 zum 20. Geburtstag der Lange 1 Tourbillon herausbrachte. Verkaufspreis damals (inkl. Steuern) 179.000 €, Schätzwert heute zwischen 140.000 und 193.000 €.
Ob sich eine Vintageuhr schluss­endlich auch als finanzieller Gewinn erweist, ist aber eine Frage, die sich die meisten Käufer von Vintageuhren gar nicht stellen.
„Eine hochwertige, mechanische Uhr kauft man erst einmal aus Freude am Handwerk und der Begeisterung für das Design. Wenn ich die Uhr nach einigen Jahren verkaufen möchte, dann ist ein Wertzuwachs natürlich sehr erfreulich – und wenn nicht, habe ich mich aber viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, an dem Blick aufs Handgelenk erfreut”, sagt Ramme-Dörrenberg. Und Freude ist schließlich eine Sache, die sich kein Preisschild verpassen lässt …

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