LUXURY BRANDS & RETAIL
Aus für Zobel, Nerz & Co? © Ulyana Sergeenko; Yumi Katsura; AFP

Noch wird Pelz auf den Catwalks gezeigt, aber die Zahl der Designerinnen, die das umstrittene Material verwenden, nimmt ab. Jetzt hat auch Gucci Pelz aus seinen Kollektionen verbannt – ein Beispiel, das Schule machen könnte.

© Ulyana Sergeenko; Yumi Katsura; AFP

Noch wird Pelz auf den Catwalks gezeigt, aber die Zahl der Designerinnen, die das umstrittene Material verwenden, nimmt ab. Jetzt hat auch Gucci Pelz aus seinen Kollektionen verbannt – ein Beispiel, das Schule machen könnte.

britta biron 24.11.2017

Aus für Zobel, Nerz & Co?

Mit Net-a-Porter und Gucci konnte die Fur Free-Initiative kürzlich zwei weitere prominente Mitstreiter gewinnen.

Zeist/London/Mailand. Pelz galt lange Zeit als Inbegriff des Luxus und war aus den Winterkollektionen kaum eines großen Modehauses wegzudenken. Bis 2015 verzeichnete die internationale Pelzbranche aufgrund der hohen Nachfrage kontinuierlich steigende Umsätze. Aber die Zeiten ändern sich ebenso wie die Modetrends, und aktuell scheint in der seit Langem geführten Diskussion „Pelz ja oder nein” die Fraktion der Pelzgegner die Oberhand zu gewinnen.

No Fur-Trend

So erklärte im September dieses Jahres YNAP, Betreiber der Online-Luxusboutiquen Net-a-Porter, Mr Porter, Yoox und The Outnet, der 2002 gegründeten Fur Free-Initiative beizutreten und Echtpelze aus dem Sortiment zu nehmen. Der Entscheidung war eine Befragung von gut 25.000 Kunden weltweit vorangegangen, von denen die Mehrheit diesen Schritt begrüßte.
„Weltweit zeigt sich ein Trend zu verantwortungsvollem und nachhaltigem Konsum. Dessen ist sich die Modeindustrie sehr bewusst, und Marken, die auf Transparenz und Innovation setzen, haben erkannt, dass die mit unvermeidbarer Grausamkeit verbundene Pelzproduktion nicht zu einem solchen Image passt”, freut sich Brigit Oele, Leiterin des Fur Free Retailer-Programms, dem seit der Gründung im Jahr 2002 bereits mehr als 750 Mitglieder beigetreten sind.
Der jüngste und gleichzeitig auch einer der prominentesten Neuzugänge ist das italienische Modehaus Gucci, Aushängeschild des französischen Luxuskonzerns ­Kering. Ab der Spring-Summer-Kollektion 2018 wird auf echte Felle, die bisher ziemlich verschwenderisch zum Einsatz kamen, komplett verzichtet. Noch vorhandene Bestände werden versteigert und die Erlöse an Tierschutzorganisationen gespendet.

Vorbildfunktion

„Soziale Verantwortung sehen wir als einen unserer Grundwerte und es ist ein Anliegen, uns verstärkt für die Umwelt und die Tiere einzusetzen, Bewusstsein dafür zu schaffen und die Luxusmodebranche besser zu machen”, sagt Gucci-CEO Marco Bizzarri.
Joh Vinding, Vorstand von Fur Free, sieht in Guccis neuer Ausrichtung ein starkes Signal an die gesamte Modeindustrie und rechnet damit, dass dem Vorbild von Gucci noch viele weitere Marken folgen werden.
Eine Zukunft, in der Pelz nicht mehr unter Luxus, sondern ‚Igitt' rangiert oder gar von den Laufstegen verschwindet, sieht Mark Oaten, CEO der International Fur Federation, klarerweise nicht und auch die Nachhaltigkeitsargumente von Gucci & Co hält er für fadenscheinig. In seinem Blog schreibt er: „Der Bann von Echtpelz bringt keinerlei Vorteile für die Umwelt. Dagegen sind erdölbasierte Kunstpelze sowohl bei der Produktion, der Reinigung – Stichwort Mikroplastik – als auch der Entsorgung extrem umweltschädlich.”

Was ist mit Leder?

Interessant rund um die „Fell nein danke”-Bewegung ist, dass das, was darunter liegt, das Leder, nicht infrage gestellt wird. Denkt man Nachhaltigkeit und Tierschutz nicht weit genug? Allerdings arbeiten Unternehmen wie Modern Medows bereits an Kunstleder auf Kollagen-Basis, und vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Echtleder aus der Mode kommt.

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