LUXURY BRANDS & RETAIL
Beauty ist ein Big Business © PantherMedia/thandra
© PantherMedia/thandra

britta biron 26.05.2017

Beauty ist ein Big Business

Spieglein, Spieglein Der Wunsch nach ewiger Jugend und Schönheit ist fast so alt wie die Menschheit – und die Kosmetik­hersteller tun ihr Bestes, um mit immer wirkungs-volleren ­Mitteln gegen jeglichen Makel vorzugehen. Mittlerweile mischen auch ­innovative Start-ups und Big Player aus dem ­Techniksektor im Kampf gegen Falten & Co mit.

Wien/Paris. Möglichst alt werden und dabei möglichst lange jung aussehen – ein Wunsch, der die Kassen der Hersteller von Anti Aging-Kosmetik ordentlich klingeln lässt. Einer Untersuchung des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Trefis zufolge betrug der weltweite Umsatz mit Cremen, Seren, Lotionen, Gels und Masken im Vorjahr rund 112 Mrd. € (+5%) und wird heuer auf knapp 118 Mrd. € steigen. Bis 2021 wird ein jährliches Wachstum von jeweils 2,4% prognostiziert, wobei sich das Premium-Segment mit +3,6% dynamischer als der Gesamtmarkt entwickelt – ein Trend, der bereits in den letzten Jahren zu beobachten war.

Steigende Ansprüche

Nach Ansicht von Siegfried Maurer, General Manager der Estée Lauder Companis Österreich, hat der wachsende Absatz von Premium- und Luxuskosmetik drei wesentliche Ursachen: „Das hohe Qualitätsbewusstsein der Konsumenten, die gute persönliche Beratung und interessante Aktivitäten am PoS sowie die starke Innovationskraft der Marken.”
Für Andreas Prinz, Geschäftsführer von Croma-Pharma, begünstigt auch der Trend zur Selbstdarstellung auf den sozialen Plattformen das Geschäft mit Beautyprodukten. „Zudem kommt weltweit eine kaufkräftige Mittelschicht auf, die Lust auf Premium- und Luxusprodukte hat”, nennt er einen weiteren Grund.
Auch nach Meinung von Marion Faber-Oelschlägel, Inhaberin der drei Wiener Luxusparfümerien ­Nägele & Strubell, Kussmund und Le Parfum, treiben Twitter, Pinterest, Instagram & Co den Trend zur kosmetischen Selbstoptimierung an. Darüber hinaus spiele auch der finanzielle Aspekt eine Rolle: „Im Vergleich zu Mode, ­Taschen oder Schuhen ist unser Segment leistbarer Luxus, den man sich auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gönnt.”

Neue Konzepte

Wie in der Mode gibt es aber auch in der Kosmetik Trends. Dazu zählen laut einer Untersuchung des US-Marktforschungsinstituts Transparency Market Research die ursprünglich aus Korea stammenden Tuchmasken, deren Umsätze sich von rund 147 Mio. € bis 2024 auf knapp 308 Mio. € mehr als verdoppeln werden.
Ein Geschäft, das sich die westlichen Kosmetikhersteller natürlich nicht entgehen lassen wollen. Etliche Premiumbrands wie Estée Lauder, Sensai, Lancôme, Dior, Filorga oder Guerlain haben die praktischen Tücher bereits im Programm, und auch in der Pricess Skincare-Linie von Croma-Pharma fehlen sie nicht.
Prinz zu den Gründen ihrer wachsenden Beliebtheit: „Tuchmasken sind sehr wirksam, dabei einfach in der Anwendung; sie sprechen damit auch Männer an, die unkomplizierte Pflegeprodukte besonders schätzen. Sie eignen sich auch für unterwegs, was in einer zunehmend mobilen Gesellschaft ein wichtiges Asset ist, und machen, wie diverse Masken-Selfies von Promis zeigen, auch Spaß.”

Ganz natürlich

Überproportionale Zuwächse erwarten die Experten im Zuge des zunehmenden Bio- und Öko-Trends auch für Natur- bzw. naturnahe Kosmetik.
„Das ist ein ganz wesentlicher Bereich, daher haben wir vor zwei Jahren ‚Kussmund' gegründet, ein Geschäft, das auf hochwertige ­Organic Beauty fokussiert ist”, erläutert Faber-Oelschlägel.
Neben den etablierten Marken, die ihr Sortiment zunehmend „grün” gestalten – die Estée Lauder-Marke Origins hat etwa die neue Pflege-Linie A Perfect World lanciert – wächst auch die Zahl neuer Player.
Dazu zählt etwa die österreichische Premium-Kosmetik Edition Edelweiss, die sich seit dem Start 2011 sehr erfolgreich entwickelt – und das nicht nur am Heimmarkt. Über den eigenen Webshop sowie Handelspartner in China, Macao und Hongkong – Verhandlungen in anderen Ländern laufen bereits – sind die naturnahen Pflegeprodukte made in Austria auch international erhältlich.
Weitere Beispiele für die Verbindung von Luxus und Natur sind die Newcomer Schwarzwald (mehr dazu auf Seite 7) und Demares, eine Marke, die 2016 gelauncht wurde und auf rein natürliche Ingredienzien aus dem Mittelmeerraum sowie eine speziell entwickelte Membranstruktur setzt.

eCommerce wächst

Analog zur Entwicklung in anderen Sparten, steigt auch in der Luxuskosmetik-Branche die Bedeutung des eCommerce. Das britische Marktforschungsunternehmen Technavio rechnet dabei bis 2020 mit jährlichen Zuwachsraten von 17%.
„Onlineshopping ist ein wachsendes Thema, aber gerade im Luxusbereich wird der persönliche Verkauf im stationären Fachhandel auch weiterhin eine essenzielle Rolle spielen”, ist Regina Klügel, Geschäftsführerin von Sisley in Österreich, überzeugt.
Sisley-Produkte sind in ausgewählten Onlineshops, z.B. bei notino, Parfümdreams, Zalando oder Net-a-Porter gelistet. Einen eigenen Online-Shop gibt es nicht. Klügel dazu: „Wir verstehen unsere Website vor allem als Informationsservice für unsere Kunden und bieten dort etwa für das neue Parfüm ‚Izia' ein interaktives Duftboard. Auf unserem YouTube-Kanal haben wir zudem ein sehr ansprechendes Make-up-Tutorial.”
Den Kunden die Möglichkeit zum Onlineshopping zu geben, hält auch Maurer heute für unabdingbar, „aber eCommerce ersetzt niemals die persönliche Beratung und Beziehung am Point of Sale, der Parfümerie”.
Der immer wieder geäußerten Kritik, eCommerce sei eine Gefahr für den stationären Handel, schließt sich Faber-Oelschlägel nicht an: „eCommerce ist sicher noch lange nicht voll ausgeschöpft, wir selbst sehen das ja positiv auf unser Plattform ‚ausliebezumduft.com'. Im Moment liegt der Marktanteil des Onlinegeschäfts unserer Branche im deutschsprachigen Raum bei 7 bis 8,5%, und ich glaube, dass ein Wachstum auf rund 20% realistisch ist. Wichtig ist, dass der Kunde alle Optionen hat. Oft wird ja ein Produkt online entdeckt, dann aber stationär gekauft. Je besser die Durchlässigkeit der Vertriebskanäle für den Kunden ist, umso besser funktioniert das Gesamtgeschäft für den Händler.”

Hautpflege 4.0

Aber die Digitalisierung hat nicht nur Auswirkungen auf den Vertrieb von Luxuskosmetik, sie ermöglicht auch völlig neue Konzepte.
Im Vorjahr hat die zum L’Oréal-Konzern gehörende Marke La Roche-Posay „My UV Patch” auf den Markt gebracht: Der ultradünne Sensor in dekorativer Herzform misst die UV-Belastung, sendet die Daten via App ans Smartphone und soll so das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Sonnenschutz im Kampf gegen vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs (und natürlich auch den Absatz von Sun Protecting Produkten) erhöhen.
400.000 dieser intelligenten Patches wurden im Vorjahr über Dermatologen in 14 Ländern kostenlos verteilt; dabei wurde ermittelt, ob und wie sich das Verhalten der Träger ändert. Das Ergebnis: 63% der Testpersonen verzeichneten weniger Sonnenbrände, 37% verwendeten besseren Sonnenschutz, und 31% hielten sich vermehrt im Schatten auf.
Vor wenigen Wochen wurde My UV Patch mit dem „Nudging for Good-Award” ausgezeichnet und soll heuer in weiteren 22 Ländern eingeführt werden.

Smarte Kosmetik-Tools

Aus der F&E-Abteilung von L’Oréal kommt eine weitere Anti Aging-Technikneuheit: In Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschungsinstituten, wie z.B. dem Mechanobiology Institute in Singapur und der Denis Diderot-Universität in Paris hat man untersucht, wie Mikrovibrationen und Schallwellen zur Hautverjüngung eingesetzt werden können. Auf Basis der Ergebnisse wurde für Clarisonic ein Massagegerät entwickelt, das mit 9.000 Mikrovibrationen pro Minute Elastizität und Festigkeit der Haut stärkt, die Bildung neuer Hautzellen anregt und die Gesichtskonturen strafft.
„Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Faltenbekämpfung ohne invasive Techniken”, sagt Jacques Leclaire, wissenschaftlicher Direktor von L’Oréal. In Kanada und den USA ist das Gerät seit März am Markt, bis September soll es auch in Asien und Europa eingeführt werden.

Neue Player

Die Verbindung von Technik und Beauty ist aber keine Einbahnstraße. Auf der diesjährigen „Consumer Electronics Show” hat Samsung zwei Geräte für die Hautpflege der Zukunft vorgestellt.
S-Skin ist ein Gerät, das mit LED-Licht arbeitet; je nach gewählter Einstellung werden Falten, Rötungen und Pigmentstörungen reduziert und die Haut gestrafft. Die Hautanalyse erfolgt über in das Gerät integrierte Sensoren sowie eine App. Zum S-Skin-System gehören auch verschiedene, mit Pflegekonzentraten getränkte Patches; ihre Unterseite besteht aus hauchfeinen Mikronadeln, durch die die Wirkstoffe tief in die Epidermis eindringen können.
Bei Lumini handelt es sich um ein Gerät, das drohende Hautprobleme wie aufkeimende Pickel, erweiterte Poren, Pigmentstörungen, Rötungen oder Falten noch vor ihrem Entstehen aufspürt und über eine App dann die passenden Pflegeprodukte vorschlägt sowie eine dermatologische Online-Diagnose bietet.
Ob und wann S-Skin oder Lumini auf Markt kommen, steht zwar noch nicht fest, aber zweifellos werden künftig Anti Aging-Mittel nicht nur in der Parfümerie, sondern auch im Elektronik­fach­han­del zu haben sein.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema