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Schmuck­schatulle oder Portfolio © Piaget
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britta biron 24.11.2017

Schmuck­schatulle oder Portfolio

Glänzend aufgelegt Edelsteinhändler, Auktions­häuser und Schmuckhersteller freuen sich über steigende Nachfrage. Neben dem persönlichen Geschmack hängt die Kaufentscheidung ­dabei ­immer öfter auch vom Wunsch nach Werterhalt oder Wertsteigerung ab.

Wien/Paris/Mailand. Schmuck zählt heuer (wieder) zu den Bereichen im Luxussektor mit den stärksten Zuwachsraten. So konnte Tiffany & Co laut Halbjahresbericht seine Umsätze um knapp 2% auf 1.594 Mio. € steigern. Beim Richemont-Konzern, zu dem führende Schmuckmarken wie Cartier, Piaget oder Van Cleef & Arpels gehören, kletterten die Umsätze im ersten Halbjahr sogar um 10% auf 5.605 Mio. €, was – so der Bericht – vor allem auf die gute Entwicklung des Schmucksegments zurückzuführen sei.

Steigende Umsätze

Glänzend läuft es auch bei der französischen LVMH-Gruppe, zu der die großen Juwelenhäuser Bulgari, Chaumet und Fred gehören. Der im Oktober veröffentlichte 9-Monats-Bericht weist für den Uhren- und Schmucksektor einen Umsatz von 2.789 Mio. € aus, immerhin 12% mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Wichtigster Treiber sei Bulgari, besonders die Linien Serpenti, Diva und B.Zero konnten starke Zuwächse verzeichnen, und auch der Launch der neuen High Jewellery-Kollektion Festa sei sehr erfolgreich gewesen.
Über gute Geschäfte freuen sich auch die Auktionshäuser, die in den letzten Jahren ihre Schmuckbereiche entsprechend ausgebaut haben. So verzeichnete das Dorotheum bei seiner Juwelenauktion Anfang Juni ein sehr hohes Bieterinteresse. Vor allem um ein Brillant-Türkiscollier von Van Cleef & Arpels aus der Zeit um 1970 ging es heiß her. Bei einem Schätzwert von 20.000 bis 28.000 € erfolgte der Zuschlag erst bei 92.500 €. Sehr gute Ergebnisse brachte auch ein Brillant-Korallenring von Cartier, taxiert auf 5.000–9.000 €, für den der neue Besitzer 31.250 € springen ließ. Ein Platinring mit einem 6,25 ct schweren Diamant-Solitär im Marquiseschliff, flankiert von zwei Diamanten im Trapezschliff mit insgesamt 050 ct, brachte statt der erwarteten 55.000–70.000 € stolze 81.250 €.

Diamanten sind Bestseller

„Begehrt sind Brillantsolitäre und unbehandelte Farbsteine sowie Diamanten in natürlicher Farbe”, so Astrid Fialka-Herics, Leiterin der Juwelen-Abteilung.
In der nächsten Schmuckauktion, die am 14. Dezember stattfindet, finden sich etliche solcher Stücke, unter anderem ein Ring mit einem 5ct großen Diamanten im Altschliff zum Rufpreis von 26.000 € oder ein Brillantring mit einem 4,12 ct großen, unbehandeltem Rubin, für den die Gebote bei 6.000 € starten ­werden.
Wichtigstes Kaufkriterium bei Schmuck ist natürlich der persönliche Geschmack, aber immer häufiger spielen auch ganz pragmatische Überlegungen eine Rolle. Nämlich die Frage, wie man in Zeiten niedriger Zinsen und unsicherer Börsen sein Geld am besten anlegt. Schmuck mit Edelsteinen bzw. lose Edelsteine sind da keine schlechte Wahl – vorausgesetzt, man beachtet einige Regeln.

Klein & handlich

„Edelsteine sind völlig mobil und verfügen über höchste Wertkonzentration auf kleinstem Raum”, nennt der renommierte Edelsteinexperte Thomas Schröck einen ganz praktischen Vorteil. Er hat diesen Herbst in Wien gemeinsam mit seinem Partner Emanuele Bertolaso Natural Gem Auctions gegründet, das weltweit erste Auktionshaus, das ausschließlich mit Edelsteinen handelt.
„Durch die Spezialisierung auf ein relativ enges Feld bietet Natural Gem Auctions eine bessere Beratung und Fokussierung als die großen Auktionshäuser”, ist Schröck überzeugt. „Zudem sind wir sehr sorgfältig in der Auswahl der eingebrachten Stücke, und nahezu alle verfügen über internationale Zertifikate, manche sogar über mehrere.”
Das sei vor allem bei Steinen bzw. Schmuckstücken, die auch unter dem Anlage-aspekt gekauft werden, sehr wichtig. Denn anders als bei Aktien bzw. auch Gold gibt es bei Edelsteinen keine allgemein gültigen Preise. Die internationalen Qualitätsstandards für Diamanten, die bekannten 4 C – Carat, Clarity, Cut und Color – sind nicht die einzigen Faktoren, die den Wert bestimmen. Dazu kommen noch Fluoreszenz (ein optischer Effekt, der den Stein unter bestimmten Lichtverhältnissen zum Leuchten bringt) sowie ein offizielles Zertifikat.
„Die Rechnung eines Juweliers gilt hier nicht als Zertifikat”, klärt Schröck einen weitverbreiteten ­Irrtum auf.

Viele Preisfaktoren

Aufpassen sollten Edelsteinkäufer auch bei den Carat-Angaben. Denn hier ein wenig aufzurunden, etwa einen Diamanten mit 0,97 ct zum Einkaräter zu erklären, komme im Handel durchaus vor, macht aber einen satten Preisunterschied von 30% aus. Geht’s beim Schmuckstück also vor allem um die Optik, kann man durchaus sparen, denn in der Fassung fällt der Unterschied von 0,03 ct nicht auf. Soll das Stück auch als ­Anlageobjekt dienen, gilt die Devise: lieber ein bisserl mehr, also 1,01 statt 0,99 ct.
Einen Sonderfall stellen die Farb­edelsteine Rubin, Saphir und Smaragd dar. „Der am stärksten im Wert steigende Edelstein der letzten 20 Jahre war der Rubin, gefolgt von Saphir und Smaragd”, weiß Schröck. International verbindliche Qualitäts­kritierien gibt es bei diesen Steinen aber nicht. „Die bilden sich über Herkunft, Farbsättigung, die sogenannte Saturation des Steins. Dabei gilt die einfache Formel: Je intensiver in der Farbe – das ist das wichtigste Kriterium bei Farb­edel­steinen überhaupt –, je schwerer und je reiner ein Stein, desto ­wertvoller ist er”, erklärt Schröck.

Naturschönheiten

Dabei lässt sich der Natur aber auf die Sprünge helfen. So ist es üblich, die Farbe z.B. bei Rubinen und Saphiren durch Hitzebehandlung zu verbessern – eine durchaus gängige Praxis, die zwar die Schönheit des Steins erhöht, nicht allerdings seinen Wert.
„Heute ist nur mehr einer von 1.000 Rubinen unbehandelt. Damit ist die Menge der unbehandelten Edelsteine, die auf den Markt kommt, viel kleiner als jene der behandelten, und wie wir wissen, steigt das seltene Gut schneller im Wert”, sagt Schröck und listet in seinem Buch „Edelsteine als Investment” (erschienen diesen Herbst im Gewinn-Verlag, ISBN 097-3-901185-54-3) als Beispiel die Preisunterschiede bei einem dreikarätigen Rubin auf. Demnach schlägt ein unbehandelter, taubenblut-roter Stein aus Burma mit 300.000 €, ein Exemplar „von guter Farbe” mit 60.000 € zu Buche, ein hitzebehandelter dagegen „nur” mit 30.000 €.
Soll das Schmuckstück oder der Edelstein auch zur Geldanlage dienen, rät Schröck auf jeden Fall zu unbehandelten Steinen.

Nur für Experten

Ein Sonderfall sind die vielen anderen Farbsteine wie Morganit, Turmalin oder Tansanit.
Schröck dazu: „Die sind für ­Experten, die sich mit Edelsteinen gut auskennen, durchaus geeignet. Sie sind aber sicher nicht das erste Produkt, zu dem ich einem Anfänger raten würde. Auch bei diesen Steinen ist der Nachweis der Echtheit bzw. der Naturfarbigkeit über ein Zertifikat einer international anerkannten Labororganisation wichtig. Allerdings lässt sich bei Morganit und Aquamarin eine Behandlung bis heute nicht nachweisen. Im Wert sind diese Steine aber alle stark gestiegen. Als ich vor rund 26 Jahren im Edelsteinhandel begonnen habe, hat man rohen Turmalin aus Brasilien im 200 ­Liter-Ölfass zum Kilopreis gekauft, heute wird jeder Stein kritisch ­betrachtet und einzeln gehandelt.”

Persönlicher Geschmack

Für welchen Stein man sich entscheidet, ist aber natürlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Nach Meinung von Schröck ist es aber nicht klug, z.B. aus bloßer Aversion gegen die ­Farbe Rot grundsätzlich keine ­Rubine zu kaufen. „Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass man mit Edelsteinen, die man persönlich mag, auch mehr Freude hat.” Ganz besonders dann natürlich, wenn der Stein nicht im Tresor liegen, sondern in einem Schmuckstück funkeln soll. Auf den Wert hat das glücklicherweise keinen Einfluss.
„Man sollte aber einen erfahrenen Goldschmied wählen, der ähnliche Steine schon verarbeitet hat und den Schmuck mit Sorgfalt tragen”, rät der Juwelen-Fachmann abschließend.

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