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2016: Das Opus magnum der Meinungsforscher © APA/Helmut Fohringer
© APA/Helmut Fohringer

Paul Christian Jezek 20.01.2017

2016: Das Opus magnum der Meinungsforscher

Wie es Marketagent.com zustande gebracht hat, ein ganzes Jahr aus der Sicht der Österreicher zusammenzufassen.

••• Von Paul Christian Jezek

Von den vielen politischen Ereignissen des Jahres 2016 bewegten Herrn und Frau Österreicher rückblickend vor allem zwei innenpolitische Themen: „Rund 6 von 10 Landesleuten hat die Wiederholung der Bundespräsidentenwahl sowie die erneute Durchführung von Grenzkontrollen und Errichtung eines Grenzzauns in Österreich sehr bzw. eher stark berührt”, berichtet Marketagent.com-Geschäftsführer Thomas Schwabl.

Sieht man über die Ländergrenzen hinweg, waren der Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl (55,8%) und der Putschversuch bzw. die Massenverhaftungen in der Türkei (54,8%) jene außenpolitischen Geschehnisse, die am meisten aufwühlten.

An der Spitze steht der Terror

An terroristisch begründeten Ereignissen gingen den Österreichern Anschläge in den euro­päischen Nachbarstaaten besonders nah. Jeweils rund drei Viertel der Befragten haben der Amoklauf in München (78,2%), die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln (74,6%), der Terroranschlag auf dem Brüsseler Flughafen (74,4%) und der Anschlag in Nizza (72,6%) mitgenommen. Besonders emotional wurden diese Nachrichten von Frauen aufgenommen.

Von den zahlreichen Unglücken im Jahr 2016 fühlten sich die Menschen hierzulande von der Erdbebenserie in Italien am stärksten berührt (67,5%). Mehr als jeder Zweite nahm Anteil am Mord am Wiener Brunnenmarkt (56,0%), am Zugunglück im deutschen Bad Aibling (54,4%) bzw. am Flugzeugabsturz in Kolumbien mit dem brasilianischen Fußballteam an Bord (54,0%).
Ein Blick auf die wirtschaftlichen Schlagzeilen zeigt, dass „Cyber Crime” zu einem bedeutenden Schlagwort geworden ist. So haben die vermehrten Hackerangriffe die Österreicher mit Abstand am stärksten bewegt (39,7%). Rund ein Viertel beschäftigte die Diskussion um den Verkauf rezeptfreier Medikamente in Drogeriefachmärkten. Die Veröffentlichung der Panama Papers, die im Frühling die Nachrichten beherrschten, hinterließ hingegen nur bei rund einem Viertel der Menschen hierzulande einen nachhaltigen Eindruck.

Sport und Gesellschaft

Das Sportjahr 2016 hat zwar weniger starke Gefühle als die politischen Wirrungen hinterlassen, vor allem den Männern sind aber einige sportliche Ereignisse in emotionaler Erinnerung geblieben. Rund jeden zweiten Österreicher hat der 5. Gesamtweltcup-Sieg von Marcel Hirscher berührt (Frauen: 37,9%). Die Fußball-EM und ­Dominic Thiems Einstieg in die Top 10 der Weltrangliste bilden die Top 2 und 3 der Sport-Highlights des Jahres 2016. Auch hier entpuppen sich vorwiegend die Männer als Sportfans und lassen sich eher von sportlichen Ereignissen mitreißen als die Österreicherinnen.

Gesellschaftlich wird von 2016 vor allem die Diskussion um die Einführung von Bankomatgebühren in Erinnerung bleiben. Mehr als zwei Drittel der Befragten, allen voran die Generation 60 plus, hat diese Debatte zumindest eher stark berührt; dahinter reiht sich mit knapp der Hälfte der Stimmen die Senkung der Roaming-Gebühren innerhalb der EU ein.

DiCaprio, Dylan & Bud Spencer

Die Nachricht aus dem Tiergarten Schönbrunn vom Tod des beliebten Panda-Männchens Long Hui ging 31,9% nah, vor allem den weiblichen Befragten. Deutlich weniger emotional wurde hingegen auf die Einführung von Schockfotos auf Zigarettenpackungen (19,4%) reagiert.

In der Welt der Promis bewegte die Österreicher allem voran der erste Oscar für Leonardo DiCaprio (26,4%), wobei das weibliche Geschlecht hier, wenig überraschend, mehr mitfieberte.
Dass Bob Dylan als erster Musiker den Literatur-Nobelpreis gewann, zählte für knapp ein Viertel der Befragten, vor allem mit zunehmenden Alter, zu den bewegendsten Ereignissen. 2016 war aber auch ein Jahr, in dem die Welt von vielen prominenten Persönlichkeiten Abschied nehmen musste.
Drei Legenden ­haben die Alpenrepublik dabei am meisten berührt: Mehr als jeder zweite Befragte fühlt sich vom Ableben des Schauspielers Bud Spencer betroffen, 41,7% berührte der Tod von Pop-Legende David Bowie, und 31,0% trauerten um Box-Champion Muhammad Ali.

Trends und Hypes

Am stärksten in emotionaler Erinnerung geblieben sind 2016 die Killer- oder Horror-Clowns (38,9%); vor allem Frauen berührte dieses Phänomen stark.

Bei den harmloseren Trends waren es die Virtual Reality-Entwicklungen in der Unterhaltungselektronik, an denen die Männer großen Anteil nahmen (26,7% im Vergleich zu 12,3% der Frauen). Die weiblichen Befragten bewegte das langersehnte Comeback der TV-Serie „Gilmore Girls” (24,1%, Männer: 8,4%).
Und noch ein insgesamt erfreuliches Ergebnis: Auch wenn 2016 weltpolitisch gesehen ein aufwühlendes Jahr war, blicken mehr als die Hälfte der Befragten (56,4%) alles in allem positiv auf ihr persönliches Jahr zurück; bei rund einem Viertel hinterlässt 2016 gemischte Gefühle, die restlichen 17,5% ziehen eine weniger gute Bilanz.

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