MARKETING & MEDIA
Alle sind gleich und manche gleicher
Dinko Fejzuli 26.08.2016

Alle sind gleich und manche gleicher

So lang nicht für alle gleiche Regeln gelten, bleibt die Schieflage der Medienbranche bestehen.

Leitartikel ••• Von Dinko Fejzuli

 

LAUTES SCHWEIGEN. Die Bilderserie ging um die Welt: Eine Frau am französischen Strand, umringt von vier Polizisten, begafft von Umstehenden, wird offensichtlich aufgefordert, sich ihrer langärmligen Kleidung zu entledigen, weil diese gegen die guten, sekulären französischen Sitten verstoßen würde. Angeblich wurde die ganze Szenerie auch noch von den Gaffern mit Applaus und gehässigen Kommentaren der anderen Strandbesucher begleitet. So weit, so schlecht.

Der öffentliche Aufschrei dazu blieb auf jeden Fall aus – jener der aufgeklärten Mitmenschen, aber auch jener der Medien. Stattdessen wurde im besten Fall kommentarlos berichtet, im schlechtesten Fall aber ebenfalls applaudiert. Was ich mich an dieser Stelle wirklich frage, ist, ob es denn tatsächlich niemand, wenigstens in der westlichen Welt, stört, dass wir jetzt, wie im Iran, eine Sittenpolizei haben, die Frauen vorschreibt, wie weit sie sich am Stand verhüllen dürfen, und wie viel Haut mindestens zu sehen sein muss.

Themenwechsel: Wie ein Schock ging vor Kurzem die Meldung durch die Branche, dass das WirtschaftsBlatt in wenigen Tagen eingestellt wird.

Womit sich die Spirale nun schon seit 2009 permanent nach unten dreht. Die Printerlöse sinken, die digitalen Erlöse steigen nicht im selben Ausmaß und schon gar nicht bei jenen Medien, die sich im Print verlieren.
Und es kam, was kommen musste: Der Ruf nach der Politik, jenes Geld, welches man für Kommunikationsmaßnahmen – immerhin 200 Mio. € pro Jahr – künftig anders zu verteilen, wurde wieder laut.

Gleiche Regeln für alle

Was aber nur vereinzelt zu hören, war, war auch der entschlossene Ruf an die selbe Politik, endlich gleiche Regeln für alle Branchenteilnehmer einzuführen.

Denn so lange die Googles und Facebooks dieser Welt hierzulande alles tun dürfen, sich aber an keine Regeln halten müssen, werden die heimischen Medien aus ihrer wirtschaftlichen Schnappatmung nicht herauskommen.

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