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Alles Content, oder was? © Panthermedia.net/PixelsAway
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11.12.2015

Alles Content, oder was?

Martin Bredl und Anton Jenzer mit einer fundierten Analyse über Content Marketing in Österreich und Zukunftsänderungen.

WIEN. Das Prinzip von Content Marketing ist nichts Neues. Es entstand in den USA bereits im 19. Jahrhundert aus dem Bedürfnis heraus, nützliche Informationen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Warum Content Marketing gerade jetzt aktueller und gefragter denn je ist, erklärt sich Martin Bredl, Leiter des Arbeitskreises Content Marketing des DMVÖ und Managing Partner von Take Off PR, durch die Verbreitung des Internets: „Heutzutage kann jeder als Person oder als Unternehmen leichter ein Publikum aufbauen als noch vor hundert Jahren. Experten wie David Meerman Scott meinen, dass das Internet die zweite Medienrevolution nach dem Buchdruck sei. Das Erreichen der Zielgruppen mit gutem Content ist dadurch wesentlich einfacher und kostengünstiger als offline.”
Auch das veränderte Konsumentenverhalten in den letzten Jahren spiele eine Rolle. Konsumenten blenden Werbung zunehmend aus und suchen stattdessen nützliche Informationen im Internet. „Bis zu 90 Prozent der Konsumentscheidungen werden heute im Internet getroffen”, schätzt Bredl.

Neue Player aufbauen

Damit Content Marketing auch in Österreich auf Schiene gebracht wird, müsse Awareness geschaffen werden, so Bredl: „Wir müssen aufzeigen, was Content Marketing tatsächlich ist und was es nicht ist. Wir brauchen eine gute Ausbildung für die neuen Skills sowie Agenturen und Unternehmen, die bereit sind, als Pioniere voranzugehen.”

Auf lange Sicht werde Content Marketing zur Mainstream-Marketing-Methode, wobei traditionelle kampagnengesteuerte Werbung zunehmend an Bedeutung verlieren werde. „Budgets werden umgeschichtet. Neue Player wie etwa Verlagshäuser werden als Marketing-Service-Anbieter auftreten. Das Potenzial ist groß, wenn man bedenkt, dass in den USA im B2B-Bereich 30 Prozent der Marketingbudgets für Content Marketing aufgewendet werden. Sicher wird es klassische Werbung nicht ersetzen, aber die Bedeutung verschiebt sich”, spekuliert Bredl.
Für die Unternehmen gehe es jetzt darum, einen strategischen Ansatz zu wählen, der messbaren wirtschaftlichen Nutzen bringt und über den bloßen Einsatz von Social Media-Maßnahmen hinausgeht, erklärt Anton Jenzer, DMVÖ-Präsident und Geschäftsführer von VSG Direkt: „Verkäufe in Stück und Euro sind gewichtiger als die Anzahl von Shares. Unternehmen leben nicht von Shares auf Facebook oder Twitter, sondern von getätigten Umsätzen. Im Idealfall werden Interessenten zu Käufern, Käufer zu Kunden, Kunden zu Fans und Fans zu Boschaftern für meine Produkte und Dienstleistungen.” Denn was hat man davon, wenn der Content stimmt, aber die Sales ausbleiben? Content Marketing gewinnt immer mehr an Fahrwasser, denn gute Inhalte werden von den gängigen Suchmaschinen wie Google favorisiert und generieren letzten Endes eine höhere Conversion-Rate.

SEO und Marketing Automation

„Google schickt jenen Unternehmen viele Besucher, die einen guten Content haben. Anders herum: Unternehmen und Produkte werden nur gefunden, wenn sie guten Content aufweisen”, so Bredl. Auch dank der digitalen Transformation in Form von Marketing Automation werde die Entwicklung beschleunigt, denn „endlich steht uns Marketingleuten gute Software für Content Marketing zur Verfügung”, freut sich Bredl.

Die rasante Transformation vieler Lebensbereiche haben sich Jenzer und seine DMVÖ-Vorstandskollegen zum Anlass genommen, um den Mitgliedern und der Branche Orientierung und Markttransparenz zu geben. In diesem Sinne wurde ein eigenes Experten-Team für Content Marketing zusammengestellt, allen voran Martin Bredl.

Viel Hype um nichts?

Mit dem aufkommenden Hype um Content einher geht auch das Bedürfnis, diesen strategisch und der Zielgruppe entsprechend ein- und umzusetzen und sich dabei nicht von den Ergebnissen in den Social Media blenden zu lassen. „Wenn man die Entwicklungen in den USA zum Maßstab nimmt, so kann man davon ausgehen, dass sich da bald einiges ändern wird und die sich vielfältig bietenden Chancen genutzt werden”, meint Jenzer.

Eine Schwäche sieht er dann, wenn es Unternehmen nicht gelingt, wirklich relevanten und interessanten Content zu schaffen – ein in der Praxis nicht sehr leichtes Unterfangen, denn es bedürfe dazu auch der entsprechenden Ressourcen an Menschen, Ideen, Zeit und Geld. „Die richtige Zielgruppe zur richtigen Zeit über das passende Medium erreiche ich nur mehr dann erfolgreich und finde bei ihr nur dann nachhaltig Gehör, wenn die Angebote bzw. die Inhalte auch wirklich interessant, aktuell und relevant sind”, ist sich Jenzer ­sicher.

Zukunftsmusik

„Wir wissen, dass Relevanz, Vertrauen und letztlich Sympathie die Voraussetzungen für erfolgreiche Dialoge sind. Das alles kann Content Marketing schaffen”, resümiert Jenzer den Vormarsch der jungen Marketingdisziplin. (jwe)

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