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Bei KroneHit setzt man auf ein Killerfeature © fej
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Denise Schöneich 18.11.2016

Bei KroneHit setzt man auf ein Killerfeature

Die App Skip FM ist eine Weltneuheit. Im Interview erklärt Ernst Swoboda, was wir uns erwarten dürfen.

••• Von Denise Schöneich

WIEN. Am vergangenen futurezone Day drehte sich vieles um Innovation. Kurz nach Mittag steht plötzlich eine App im Mittelpunkt, die es weltweit so noch nicht gegeben hat – eine App, die einen Ausblick auf das Radiostreaming der Zukunft geben soll. Rüdiger Landgraf von KroneHit, Christian Schalt von Next Level Audio und Alexander Weiss von Wunderweiss präsentieren Skip FM.  Im Interview mit "medianet" sprach Ernst Swoboda über die Neuheit, ein „seltsames Werbejahr“ und das Rennen um Marktanteile.

medianet: Herr Swoboda, vergangene Woche haben Sie Skip FM vorgestellt. Diese Innovation hört sich beinahe nach Revolution an und soll im Dezember auf den Markt kommen.
Ernst Swoboda: Im Kern geht es darum, in der digitalen Welt Radio anzubieten, das 'Radio' bleibt – wie ich immer gern sage 'Seele' hat -, zugleich aber funktionell und von der Usability den gleichen Level und Komfort bietet wie 'seelenlose' Streamingangebote. Das ist für mich eine der grundsätzlichen Herausforderungen für eine 'goldene' Zukunft von digitalem Radio.

medianet: Was kann denn die App?
Swoboda: Skip FM lernt den Musikgeschmack der Nutzer langsam kennen. Hörer können Songs im moderierten Programm überspringen, wir nennen das Skippen. Die App merkt sich, welche Musikrichtungen und Songs gefallen.

medianet: Christian Schalt sprach bei der Präsentation von 'Skippen ist ein Killerfeature'.
Swoboda: Durchaus. So können wir die Hörer individuell erreichen. Die App zerteilt das UKW-Signal eines Radiosenders in kleine Snippets und liefert sie, abgestimmt auf die Nutzerpräferenzen, aus. Natürlich muss man für weggeskippte Songs oder Elemente Ersatztracks bereitstellen. Der Sender kann aber auch festlegen, welche Elemente nicht übersprungen werden können.

medianet: Anders gesprochen, bei KroneHit steht alles im Zeichen der Digitalen Transformation?
Swoboda: Natürlich. Es wird auch in 20 Jahren noch klassische Medienkanäle geben. Dennoch müssen Medien auch online präsent sein, um dort zu sein, wo die Hörer heute sind. Skip FM und unser Online-Auftritt zeichnen sich durch eine einfache Bedienung aus, außerdem differenzieren wir uns von anderen durch unseren Content.

medianet: Das klingt nach großen Investitionen.
Swoboda: Wir haben die gesamte technische Infrastruktur erneuert. Unser zentrales Content Managing-System hat sich geändert, unsere Ausspielwege sind jetzt sternförmig. Das bedeutet, ein neuer Musiktitel muss nicht für jeden Kanal neu angelegt werden. Es gibt jetzt eine Datenbank und diese ermöglicht eine zentrale Ausspielung.

medianet: Wie wird das digitale Angebot angenommen, und was zeigen die Werbeeinnahmen?
Swoboda: Mittlerweile trägt das Onlinegeschäft einen relevanten Anteil zu unserem Budget bei. Dabei hat die klassische Displaywerbung einen bestimmten Stand erreicht und stagniert. Wir sind aber auch nicht bemüht, noch ein paar Bannerplätzchen zu finden. Das Wachstum findet in und um die Streams statt. Unser Online-Auftritt dient der Kommunikation mit unseren Hörern, sie sollen sich wohlfühlen und ihr Angebot vorfinden.

medianet: Wie ist das Resümee für das Werbejahr 2016 bei KroneHit?
Swoboda: Es war ein seltsames, aber gutes Werbejahr. Es gab Monate, in welchen es überraschend schlecht lief, und dann wieder sensationelle Monate. Wir werden wohl über unserem Plan liegen. Es ist langsam am Markt zu spüren, dass sich die Veränderungen der letzten Jahre auch in den Köpfen niederschlagen. Die bisherigen Aufteilungsquoten sind nicht mehr passend, und es zeigt sich, dass die Privaten Sender stärker sind, was den Weg zum digitalen Rundfunk angeht. Dennoch müssen wir alle in diesem Bereich aufholen.

medianet: Wird es noch weitere Marktverschiebungen weg vom Öffentlichen Rundfunk, hin zum Privaten geben?
Swoboda: Im Hinblick auf die neuen Ergebnisse des Radiotests glaube ich, dass wir ein bisschen Marktanteile gewinnen können. Was die Werbeerlöse angeht, sind wir mittlerweile auf Augenhöhe mit dem ORF; das bedeutet allerdings nicht, dass wir finanziell gleichgestellt sind. Der ORF erhält zusätzlich Rundfunk- und Radiogebühren; bezieht man diese mit ein, ist das Verhältnis hier 70:30.

medianet: Es scheint schwer zu sein, auf ein Verhältnis zu kommen, das beispielsweise 50:50 wäre...
Swoboda: Allerdings. Bei den Übertragungskapazitäten und dem Finanziellen ändert sich nicht viel. Jetzt sollen auch noch die Rundfunkgebühren erhöht werden. Das sind Entwicklungen in die falsche Richtung. Das Erreichen eines dualen Markts sollte das vordringliche Ziel sein, dem alles andere unterzuordnen ist. Deswegen ist es so wichtig, die digitalen Möglichkeiten auszunutzen, die die Privaten im Gegensatz zu den Öffentlichen haben. Wir haben hier einen Vorteil und eine große Chance.

medianet: Welche Ziele will KroneHit noch erreichen?
Swoboda: Wir haben uns vorgenommen, das Unternehmen dort, wo es momentan ist, weiterhin zu festigen. Wir wollen digital wachsen, das aber so vorsichtig und umsichtig machen, dass wir uns nirgendwo beschädigen. Ein großes Ziel ist, den ORF dazu zu bringen, einen wirklich öffentlich-rechtlichen Auftrag auch in seinem Radio, insbesondere Ö3, abzubilden. Das würde auch den Privaten wieder ein bisschen Raum öffnen, um in ihrem Genre weiter zu wachsen.

Erfahren sie mehr über KroneHit hier auf xpert.network.

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