MARKETING & MEDIA
Bloß keine Angst zeigen © friedrich funder Insitut/Christian Moser-Sollmann

Das Podium: Sebastian Loudon, Martin Gaiger, Moderator Dinko Fejzuli, Gerold Riedmann und Lisa Stadler.

© friedrich funder Insitut/Christian Moser-Sollmann

Das Podium: Sebastian Loudon, Martin Gaiger, Moderator Dinko Fejzuli, Gerold Riedmann und Lisa Stadler.

Redaktion 18.03.2016

Bloß keine Angst zeigen

Apple stellt Journalisten ein, Facebook startet „Instant Article”. Was bedeutet das alles für den traditionellen Journalismus?

WIEN. Die Medienbranche befindet sich dank der Digitalisierung im permanenten Umbruch. Dazu tragen auch Webgiganten wie Google, Facebook und Co. bei.

Was dies für den Journalismus bedeutet, darüber diskutierten auf Einladung des Funder Instituts unter dem Titel „Die Webgiganten als Medienplattformen – Gefahr oder Chance für den Journalismus?” Zeit-Österreich-Repräsentant ­Sebastian Loudon, Martin Gaiger, Telekurier, Gerold Riedmann von den Vorarlberger Nachrichten und Head of Social Media des Standard, Lisa Stadler. Moderiert wurde die Diskussion von medianet-Chefredakteur Dinko Fejzuli.

Die Angst vor der großen Macht

Eines der heißen Themen des Abends waren entsprechend auch die sogenannten Facebook „Instant Articles”, bei denen Verlage Artikel statt auf der eigenen Webseite gleich direkt auf Facebook veröffentlichen. „Es ist vermutlich eine Friss oder Stirb-Frage”, ob man daran teilnehme oder nicht, meinte dazu Lisa Stadler, auf lange Sicht werde man aber als Verlag daran nicht vorbeikommen.

Für den Online-Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten, ­Gerold Riedmann, eine Option, die nicht unbedingt seine ungeteilte Zustimmung findet, vor allem wenn manche Marktteilnehmer meinten, künftig Inhalte nur noch via Social Web distribuieren zu wollen. Auf jeden Fall sei es sicherlich zu früh, den eigenen Webauftritt zugunsten von Facebook zu „beerdigen”.  Eine Herausforderung sieht ­Telekurier-Geschäftsführer Martin Gaiger. Er befürchtet, dass künftig die Pflege der eigenen Medienmarke schwierig werden könnte. Um so wichtiger sei es deshalb, auch auf den verschiedenen Kanälen dies weiter zu tun.

Und: Eine gute Online-Strategie mache für Gaiger nicht nur die Masse der Online-Artikel aus; wichtig sei vor allem, dass man wisse, wie man sie auch auf Sozialem Medien platziere; nur dann stimme der Satz „Je blöder desto Facebook” nur mehr bedingt.

Social Media ist nicht nur flach

Sebastian Loudon von der Zeit meinte, er sehe die Gefahr, aber er befürchte nicht, künftig auf Facebook keinen „ernsten” Journalismus betreiben zu können, denn: „Es sind nicht nur User auf Facebook, die das Banale suchen, sonder bei der Zeit sind es User, die sehr genau wissen, was sie von der Marke Zeit zu erwarten haben.

Bedenklich sehen alle Teilnehmer hingegen, sogenannte „Clickbaiting-Article”, also Artikel, die durch eine besonders reißerische Titel den User in die Website locken sollen.  User die häufig auf Beiträge dieser Art klickten, könnten durch den Facebook-Algorithmus vermehrt Artikel dieser Art auf ihrer Facebook-Startseite angezeigt bekommen.

Dass Print, wo noch immer die Wertschöpfung passiere, noch lange nicht tot sei, bekräftigte zum Abschluss Zeit-Manager Loudon; auch wenn alle nun über Digital reden, seien sie am Ende enttäuscht, wenn die eigene Story nicht in Print, sondern „nur” online erscheine. (rach)

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