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Cherry-Picking für Kunden © swiss mail solutions/www-foto-hoefinger.at
© swiss mail solutions/www-foto-hoefinger.at

Michael Fiala 25.11.2016

Cherry-Picking für Kunden

swiss mail solutions-Geschäftsführer Georg Weidinger im Interview mit medianet über den Boom-Markt in Asien.

••• Von Michael Fiala

WIEN. Seit 2013 ist swiss mail solutions (sms), das im schweizerischen St. Gallen gegründet wurde und mittlerweile seinen Sitz in Herzogenburg und Hongkong hat, im Bereich des Fulfillment-Geschäfts aktiv. Fulfillment, das Auslagern von Waren oder Abläufen vor allem für Web-Shops, erfreut sich steigender Beliebtheit, vor allem in Asien, wo es durch den boomenden eCommerce-Markt noch immer zweistellige Zuwachsraten gibt. Der Weg nach Hongkong „war ein unternehmerisches Risiko. Ich habe mich dazu entschlossen, dorthin zu gehen, wo unsere potenziellen Kunden für Fulfillment und Zustellung in Europa sind”, sagte sms-Geschäftsführer Georg Weidinger vor einigen Monaten im Gespräch mit medianet. Ein Weg, der sich ausgezahlt hat. Kurz vor dem Jahresende hat medianet sms-Geschäftsführer Georg Weidinger erneut zum Gespräch gebeten.

medianet:
Wie hat sich 2016 entwickelt, und lohnte sich der Schritt nach Asien?
Georg Weidinger: Das Geschäft hat sich 2016 weiterhin sehr ­positiv entwickelt. Es war aber eigentlich gar nicht so mutig, denn alle Zahlen im internationalen eCommerce-Geschäft aus Asien zeigen, dass der Markt wächst. eCommerce boomt generell mit bis zu plus 20% pro Jahr.

medianet:
Woher kam der ­Erfolg gerade als Start-up?
Weidinger: Start-up ist ein richtiger Begriff, ich hatte auch das Glück, ein gutes Team zusammenzustellen, das den Markt und die Mitbewerber kennt. Der Kuchen ist groß, sodass sich auch kleine Unternehmen gut positionieren können. Wir sind außerdem das einzig private Unternehmen, welches aktiv Fulfillment- und Distributionslösungen anbietet, es gibt dort sonst nur teilstaatliche Unternehmen wie Postgesellschaften. Wir positionieren uns als unabhängiger Dienstleister, der seinen Kunden ein Portfolio an verschiedenen Zustellern von Postgesellschaften und Paketdiensten anbietet.

medianet:
Können Sie das konkretisieren?
Weidinger: Wir bieten für unsere Kunden eine Art Cherry-Picking an. Ein Beispiel: Die Deutsche Post ist für die Zustellung in Deutschland sicher am besten, aber nicht für die letzte Meile in England. Bei uns kann der Kunde aus allen möglichen Partnern den am besten geeigneten auswählen. Unser Kunde definiert, was für ihn ‚am besten' bedeutet und sucht sich den Dienstleister aus.

medianet:
Welchen Vorteil ­haben Kunden aus Asien mit Ihrem Bezug zu Europa?
Weidinger: Unsere Prozesse funktionieren über unseren Hub am Flughafen Wien sehr gut, wir haben die Abläufe sehr gut aufgesetzt. Noch stolzer bin ich darauf, dass wir unser Fulfillment für chinesische Kunden öffnen können. Wir haben chinesische Kunden, die unser Zollfreilager in Belgrad nützen und so Bestellungen innerhalb von zwei bis drei Tagen zustellen können. Aus China dauert es oft drei bis vier Wochen, bis die Bestellung beim Kunden ist.

medianet:
Wo kann sms konkret Webshob-Betreibern helfen?
Weidinger: Die Inhaber von Webshops sind in der Regel gute Vermarkter und Produktentwickler. Sie sind aber nicht die Spezialisten, wenn es um die Lagerung, Verpackung und den Versand der Waren geht. Das bieten wir an, jeder konzentriert sich auf seine Kompetenzen. Wir kümmern uns um die gesamte Abwicklung, auch was den Zoll betrifft, etc. Wir können oft auch besser einkaufen als einzelne Webshops.

medianet:
Welche Projekte haben Sie aktuell in der Pipeline?
Weidinger: Die Herausforderung war, eine Verbindung zwischen unserem internen Warenwirtschaftsprogramm und einer Informationsplattform für unsere Kunden herzustellen. Wir haben die Notwendigkeit gesehen, dass unsere Kunden just-in-time-Informationen über ihre Lagerstände bis zur gesamten Versandhistorie jeder einzelnen Bestellung inklusive der Retouren benötigen. Wir haben daher die Plattform Easy Commerce kreiert, auf der unsere Kunden sehr viel selber administrieren können, wie neue Produkte anlegen, Bestellungen hochladen, Statistiken ansehen, etc. Als Fulfillmentdienstleister stehen wir zwischen dem Verkäufer und dem Empfänger der Bestellungen. Zeitnah Informationen in beide Richtungen weiterzuleiten, ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

medianet:
Blicken wir auf Ihr gesamtes Geschäft. Was ist für 2016 zu erwarten?
Weidinger: Wir haben zwei Geschäftsfelder: Das internationale Mailinggeschäft ist dieses Jahr, wie von uns auch erwartet, eingeborchen. Das Fulfillment-Geschäft ist gewachsen – sowohl durch Kunden, die wir in Österreich und Belgrad im Zollfreilager akquiriert haben, aber vor allem durch das Asien-Geschäft. Wir waren auch auf einer internationalen Messe für eCommerce und Postdienstleister in Hongkong und werden auch Anfang Dezember bei einer eCommerce-Messe in Shanghai dabei sein. Dieses Geschäft hat sich sehr gut entwickelt, konnte aber den Verlust des Mailing-Geschäfts noch nicht ganz kompensieren. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir das 2017 schaffen werden.

medianet:
Wie ist sms aktuell strukturell aufgestellt?
Weidinger: Wir sind derzeit 17 Mitarbeiter. Als Fans und Anbieter von Outsourcinglösungen kaufen wir selbst viele Dienstleistungen ein. Das Lager etwa in Belgrad ist aber zum Beispiel komplett outgesourcet. Unser Kerngeschäft ist das Vermarkten, das Unterstützen im Back-Office für unsere Kunden.

medianet: W
as kommt 2017?
Weidinger: 2017 steht voll im Fokus der weiteren Entwicklung des Geschäfts aus Asien nach Europa und zunehmend auch von Asien nach den USA und Lateinamerika. Die weitere Aufnahme von Mitarbeitern im Vertrieb in Hongkong und China sowie von IT-Mitarbeitern, um die Easy Commerce-Plattform für unsere Kunden weiterzuentwickeln, werden uns intensiv beschäftigen. Mein Ziel ist zumindest eine Verdreifachung des Umsatzes von sms Österreich und Hongkong.

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