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Dank, Respekt & Anerkennung © ORF/Milenko Badzic

Für die perfekte Organisation des Song Contest gabs für Edgar Böhm von Bürger-meister Michael Häupl als Zeichen der Anerkennung den Goldenen Rathausmann.

© ORF/Milenko Badzic

Für die perfekte Organisation des Song Contest gabs für Edgar Böhm von Bürger-meister Michael Häupl als Zeichen der Anerkennung den Goldenen Rathausmann.

Dinko Fejzuli 29.05.2015

Dank, Respekt & Anerkennung

Viel Lob Von allen Seiten regnete es Zuspruch für die Verantwortlichen im ORF für die perfekte Umsetzung des diesjährigen Song Contest in Wien

ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm hielt als oberster ESC-Verantwortlicher die Fäden zusammen. Wir baten ihn zum Interview.

Wien. Vergangenen Sonntag ging das Finale des Song Contest über die Bühne. Die Gesamtleitung des Megaevents für Österreich hatte ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm inne. medianet traf ihn zu einer ersten Zwischenbilanz

medianet:
Herr Böhm, der Song Contest ist vorbei, und schon bei der EBU-Pressekonferenz am Tag des ersten Halbfinales gab es großes Lob für die Organisation …
Edgar Böhm: … es hat allen Res-pekt abgerungen, dass es nicht leere Versprechungen waren, die wir da abgaben, sondern auch unsere Vorhaben 1:1 umsetzen konnten. Das Feedback aller Beteiligten am Song Contest war extrem positiv, was uns besonders freut, denn wir haben versucht, allen Beteiligten ob Fans, Journalisten, Delegationen und allen anderen eine möglichst angenehme und optimale Arbeitsumgebung zu schaffen.

medianet:
Die EBU legt ja in vielen Dingen relativ strenge Vorgaben an. Wie frei konnte man sich innerhalb dieses Regelwerks als Host bewegen?
Böhm: Das Grundgerüst, also das Regelwerk wie die Punktevergabe oder das Voting-System, all das ist ja unveränderbar, wird von der EBU notariell begleitet, und da gibt es keinen Spielraum und das ist auch gut so. Aber überall anders hatten wir eine vollkommene Freiheit – vom Logo über die Gestaltung der Show, die Side-Events, beim Slogan und bei allem anderen konnten wir unsere Vorstellungen umsetzen. Sprich, abgesehen vom festen Regelwerk und den Musiknummern, die klarerweise aus den Ländern kommen, war alles ‚österreichisch'.

medianet:
In den letzten Jahren wurden die Hallen, die manchmal sogar Stadien waren, und die Bühnen immer riesiger. In Wien hat man statt auf eine überdimensionale, flächige Bühne auf ein eher ‚haptisches' Modell gesetzt. Was war der Gedanke dahinter?
Böhm: Wir wollten von Anfang keine Gigantomanie. Wir wollten einen charmanten, intelligenten und künstlerisch interessanten Song Contest in Österreich veranstalten, der auch den Public Value-Aspekt berücksichtigt. Dies wurde auch auf verschiedenen Ebenen umgesetzt. Zum einen das Green Event, bei dem es statt Flaschen eben Leitungswasser in Karaffen gab, wo nicht geraucht wurde, die Eintrittskarten der Besucher und die Akkreditierungen der Journalisten und Delegierten als Öffis-Tickets genutzt werden konnten, bis hin zur Premiere, den Song Contest erstmals in internationaler Gebärdensprache zu übersetzen, und wo generell das Thema Inklusion ein ganz wichtiges für uns war.

medianet:
Nämlich?
Böhm: Wir haben uns immer bemüht, unseren Slogan ‚Building Bridges' überall sichtbar zu machen, und da ist es uns sehr entgegengekommen, dass aus zwei Ländern Kandidaten gekommen sind, die genau dies auch benötigt haben. Das waren Finnland und Polen, die uns beide spezielle Kandidaten geschickt hatten, wo wir am Prüfstand waren, ob wir darauf vorbereitet waren.

Daneben haben wir mit Schulkindern eine ganz große Aktion gemacht und sie aufgefordert, sich mit dem Thema ‚Building Bridges' zu beschäftigen, wobei Bedingung war, dass mindestens zehn Kinder am Projekt teilnehmen müssen und es nicht darum ging, dass da ein Genie darunter ist, sondern dass eben alle etwas gemeinsam machen.
Und die ÖBB, einer unserer Hauptpartner, hat dann diese Kinder nach Wien zur Kindershow gebracht, bei der dann Acht- bis Neuntausend von ihnen erleben konnten, was der Song Contest ist.

medianet: Wie zufrieden sind Sie mit dem Kartenverkauf?
Böhm: Hier sind wir auch sehr zufrieden – auch, weil wir abseits der Live-Shows im Fernsehen auch etwa für die Family-Show oder die Juryshow ebenfalls Karten mit guten Gewissen verkaufen konnten, da es zu den Live-Shows bis auf die Punktevergabe de facto ja fast keine Unterschiede gab. Das war auch deshalb wichtig, da ja die Halle nicht so groß ist, wir aber möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben wollten, den Song Contest zu sehen.

Natürlich waren die Nachmittagsshows mit potenziell 11.000 Tickets nicht ausverkauft, aber wir hatten nie weniger als 6.000 Zuseher in der Halle.

medianet: Was hätte der Edgar Böhm gemacht, wenn Österreich abermals gewonnen hätte?
Böhm: Dann hätten wir es wieder gemacht.

medianet:
Manche werden auch durchaus erleichtert sein, dass die Karawane weiterzieht. Aber was wird denn vom Song Contest in Österreich bleiben?
Böhm: Ich hoffe, ein Gefühl. Ein Gefühl, eine Emotion zu diesem Gesamtereignis nach dem Motto: ‚In Wien ist etwas passiert, woran man sich erinnern soll'.

medianet:
Und Ihr ganz persönliches Resümee?
Böhm: Für mich war es eines meiner spannendsten Berufsjahre, in dem ich Menschen begegnet bin, denen ich ohne diesen Contest nie begegnet wäre. Sowohl Menschen aus dem ORF, aus Österreich, als auch Hunderte Menschen aus dem Ausland. Nach diese Jahr kann ich sagen: Ich bin noch stolzer, Wiener und Österreicher zu sein.

medianet:
Zum Abschluss: Was wird der Song Contest dem ORF gebracht haben?
Böhm: Wir haben hier eine tolle Visitenkarte als ORF abgegeben. Wie weit das nachhaltig in der internationalen Wahrnehmung nachklingt, kann ich nicht sagen, aber wir haben hier ohnedies schon einen guten Ruf mit unseren Sport- übertragungen, dem Neujahrskonzert oder dem Sommernachtskonzert aus Schönbrunn.

Der Song Contest ist die größte Geschichte, die man als Fernsehsender in Europa machen kann, und wenn es dann so abläuft, wie es bei uns abgelaufen ist, dann glaube ich, dass das durchaus Respekt, Hochachtung, Anerkennung und vielleicht eine gewisse Verwunderung nach dem Motto, ‚Das hätten wir euch gar nicht zugetraut' hervorruft. Und das wär doch schon mal was. (lacht)

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