MARKETING & MEDIA
Das Gesetz der Offenheit und eine (letzte) Chance für Christian Kern © Brandtner
© Brandtner

Redaktion 25.09.2017

Das Gesetz der Offenheit und eine (letzte) Chance für Christian Kern

Gastkommentar des Markenstrategen Michael Brandtner zum aktuellen Nationalratswahlkampf.

WIEN/ROHRBACH. In ihrem Klassiker über die 22 unumstößlichen Gesetze des Marketings präsentierten die Positioning-Pioniere Al Ries und Jack Trout unter anderem auch als Gesetz Nummer 15 das Gesetz der Offenheit. Dieses lautet schlicht und einfach: Gib etwas Negatives zu, und der Kunde wird dir dafür etwas Positives zugestehen.

Positiv versus negativ
Wenn man sich den aktuellen Wahlkampf ansieht, dann läuft zurzeit vor allem für Sebastian Kurz und die neue ÖVP alles perfekt nach Plan. Ganz anders sieht es für Christian Kern und die SPÖ aus; hier scheint es, dass der Wahlkampf nicht nur nicht in Schwung kommen will, sondern dass er immer wieder auch von Negativnachrichten wie etwa der Affäre mit dem Berater Tal Silberstein überschattet wird. Zudem setzte man zuerst auf den wenig glücklichen Slogan „Hol dir, was dir zusteht“ und jetzt auf den wenig mitreißenden Slogan „Veränderung mit Verantwortung“.
Aber genau hier könnte auch eine Chance liegen. Nehmen Sie etwa die frühere Erfolgsgeschichte von Crisan. Das Negative an Crisan war der hohe Preis. Nur mit dem brillanten Slogan „Sauteuer, aber es wirkt“ übersetzte man dieses Negative letztendlich in etwas Positives. Damit wurde sogar das „es wirkt“ erst richtig glaubwürdig.

Das Ende dieses Wahlkampfs
Genau hier könnte auch Christian Kern ansetzen, um a) zuerst das Ende dieses Wahlkampfs in dieser Form kundzutun, und um dann b) wieder seinen Plan A und damit seine Vision für Österreich in den Mittelpunkt zu stellen. Das heißt: Er müsste zuerst zugeben, dass bisher so gut wie alles im Wahlkampf schiefgegangen ist, um dann wieder seine Zukunftspläne für Österreich gemeinsam mit seiner Person ins Rampenlicht zu bringen.
Natürlich müsste dies perfekt medial inszeniert sein. Das heißt wahrscheinlich auch, dass er nicht nur mit dem bisherigen Wahlkampf, sondern auch mit seinem bisherigen Wahlkampfteam brechen müsste. Er müsste quasi im übertragenen Sinn die Wahlkampftaktiken und Wahlkampftaktiker der SPÖ für das Wohl Österreichs aus Sicht der SPÖ opfern. So einfach in der Theorie, so unwahrscheinlich in der Welt der Politik und Wahlkampftaktiken.

Markenstratege Michael Brandtner ist Spezialist für strategische Marken- und Unternehmenspositionierung im oö. Rohrbach, seit 2001 Associate of Ries & Ries und Autor des Buchs „Brandtner on Branding“. Seine Blog-Adresse lautet: www.brandtneronbranding.com (red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema