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Der Markt ist da, die Hoffnung lebt © APA/Krugfoto
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Michael Fiala 26.05.2017

Der Markt ist da, die Hoffnung lebt

Bis zum Herbst will die ­österreichische Bundesliga die TV-Rechte ab 2018/19 neu ­vergeben. Kommt der Markt in Bewegung?

••• Von Michael Fiala

Während sich die Tipico-Bundes­liga in der aktuellen Saison ihrem sportlichen Ende nähert, hat ein anderes Spiel gerade erst begonnen: In den kommenden Wochen werden die TV-Rechte an dem Bewerb der obersten Spielklasse ab der Saison 2018/19 ausgeschrieben und in weiterer Folge dann auch vergeben.

Status quo

Der aktuelle Vertrag hat ein Volumen von rund 21 Mio. € pro Jahr und sieht zwei zentrale TV-Partner vor: Sky und ORF. Der Pay-TV-Sender überträgt alle Spiele einzeln und jene, die zeitgleich stattfinden, in Konferenz. Der ORF hat sich für die aktuelle Periode ein Live-Spiel pro Runde (am Sonntag) ausverhandelt und bringt Zusammenfassungen der restlichen Spiele. Gekoppelt mit den Übertragungsrechten der Tipico-Bundesliga waren bisher auch die TV-Rechte der zweithöchsten Spielklasse, der Sky Go Ersten Liga. Auch hier hat der ORF ein Spiel pro Runde bisher live übertragen, Sky den Rest.

Ligareform

Allein schon aufgrund der Tatsache, dass ab 2018/19 ein neues Ligenformat zum Tragen kommt, wird sich der TV-Vertrag künftig anders gestalten. Denn dann wird es nur noch eine Profiliga mit zwölf Vereinen geben, die bisherige Sky Go Erste Liga wird durch die neue zweite Liga ersetzt, die eine Mischform aus Profi- und Amateurvereinen darstellen wird. Dadurch wird eine flächendeckende Übertragung allein aus technischer Sicht künftig nicht mehr möglich sein. Der neue TV-Vertrag ist somit auch nur noch für die oberste Liga ausgeschrieben.

Der Markt

Sieht man sich die vergangenen Wochen an, bekommt man einen Eindruck, wie sehr der TV-Markt in Bewegung ist. Vor einigen Monaten hat die Deutsche Bundesliga einen Rekorddeal abgeschlossen, aktuell rittern gerade die namhaften Player der Branche um die Champions League- Rechte. Große Hoffnungen setzen die Sportverbände vor allem in DAZN, dem „Netflix” des Sports. Dem Vernehmen nach wird der Streaming-Dienst künftig Teile der Champions League zeigen; eine offizielle Entscheidung ist noch aus­ständig.

Und in Österreich? Natürlich haben die Verantwortungsträger der österreichischen Bundesliga diese Entwicklungen mitverfolgt und hoffen, dass auch in Österreich dieser Effekt zu spüren ist. „Die Digitalisierung ist die wichtigste Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Zunächst mit Netflix, jetzt mit Diensten die DAZN im Sport-Bereich, wo OTT-Plattformen immer wichtiger werden. Amazon hat Rechte in Deutschland erworben, etc. Der Markt wurde aufgebrochen, wodurch sich auch für uns mehrere Möglichkeiten eröffnen. Am Ende der Fahnenstange steht aber auch das Modell der Niederlande.” (Anm. d. Redaktion: Die Liga in den Niederlanden hat eine eigene TV-Plattform ins Leben gerufen.)

Weniger Free-TV

Fraglich ist jedoch, ob das Produkt der österreichischen Bundesliga die Marktteilnehmer in Relation ebenso in einen Bietermarathon verwickeln kann wie es bei den Top-Brands wie Champions League oder Deutsche Bundesliga der Fall war. Zudem hat Österreich im Vergleich zum restlichen Europa fast schon eine Rarität zu bieten: In kaum einen anderen Land gibt es noch ein Live-Spiel pro Woche im Free-TV. „Free-TV ist für einige Klubs aus Vermarktungssicht wichtig, jedoch keine zwingende Notwendigkeit. In Summe muss es eine ordentliche Abdeckung im Free-TV geben, sei es über Highlights oder Zusammenfassungen; das muss aber nicht zwingend ein Live-Spiel sein”, sagt Christian Ebenbauer.

Ähnlich sieht dies Austria-Vorstand Markus Kraetschmer, der im Interview mit 90minuten.at sagt: „Die Palette ist offen. Es geht zum jetzigen Zeitpunkt um das Gesamtpaket und dass gut über die Liga berichtet wird. Wenn man sich die Werbewert-entwicklung ansieht, weiß man, dass Print eine wichtige Rolle spielt. Wir sind in Österreich mit dem Live-Spiel im Free-TV noch die große Ausnahme. Ich bin sehr offen, wir werden die Ausschreibung so gestalten, dass es weiterhin möglich ist, es kann aber auch so sein, dass Live-Fußball letztendlich nur noch im Pay-TV stattfinden kann. Wichtig ist, dass wir den Fußball als Ganzes gut präsentieren können.”

ORF will Live-Spiel

Für den ORF bleibt das Live-Spiel pro Runde ein klares Ziel, wie ORF-Sportchef Hans Peter Trost gegenüber medianet bestätigt. Generell sind die kommenden Tage und Wochen für den ORF aus Sportrechte-Sicht interessant: Die Formel1 könnte bald zu teuer sein und abgegeben werden, wie Alexander Wrabetz Ende 2016 bestätigte, die Champions-League-Rechte gehen wohl auch verloren, die ÖSV-Rechte werden demnächst ausgeschrieben. Gut möglich also, dass dem ORF künftig nur noch Wintersport und Bundesliga-Fußball bleiben. Das könnte die Verhandlungsposition der Bundesliga verbessern.

Und die anderen Player? Ein Rundruf bei den üblichen ‚Verdächtigen' hat in dieser Phase naturgemäß wenig Aussagekraft. „Wir sehen uns jedes ausgeschriebene TV-Recht genau an. Grundsätzlich sind wir immer an mehr Exklusivität interessiert, egal in welchem Bereich”, sagt Christine Scheil, Geschäftsführerin von Sky Österreich, auf Anfrage von medianet. Puls 4 will generell keine Ausschreibungen kommentieren, und Servus TV will die Ausschreibung prüfen.
Das Ziel ist jedenfalls klar: Aus 21 Mio. € pro Jahr soll mehr werden. Das neue Format – Stichwort Playoff – soll attraktiver sein und somit auch mehr Einnahmen generieren. „Ziel ist auf jeden Fall eine essenzielle Erhöhung, und die Klubs sollen zufrieden sein”, sagt Bundesliga-Vorstand Ebenbauer. Man darf gespannt sein, wie viel „essenziell” am Ende des Tages bedeuten wird.

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