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Der neue Anlauf zum Print-Buchungstool © medianet
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PAUL CHRISTIAN JEZEK 27.01.2017

Der neue Anlauf zum Print-Buchungstool

Nach verschiedenen fehlgeschlagenen Versuchen bemüht sich jetzt ein holländisches Start-up um die Realisierung einer unabhängigen Print-Onlinebuchungsplattform in Österreich.

••• Von Paul Christian Jezek

Print ist einer der letzten Werbebereiche, der mehr oder weniger manuell ver- und gekauft wird. Medieneinkauf geschieht heutzutage in fast ­allen Bereichen über Plattformen – ob online (MediaMath, appnexus, etc.), TV (smartclip, Spotx, etc.), Radio (Triton, themediaexchange), oder Außenwerbung (Bitposter, signkick, etc.).

Um diese Lücke zu schließen, wurde Adoptiq gegründet, eine unabhängige Onlinebuchungsplattform für Print-Werbung, die alle Aspekte des Handels digitalisiert und bei Bedarf bzw. Wunsch auch automatisieren kann.
Was Werber und Medien aus dem Online-Werbebereich seit geraumer Zeit gut kennen, würde dann auch für Print möglich – und zwar durch den Einsatz moderner Technologien, welche die bestehende Komplexität des Buchungsvorgangs von Printwerbung für beide Seiten deutlich vereinfachen – für die Medien einerseits und für die Mediaagenturen bzw. Unternehmen andererseits, die selbst Werbeplätze buchen.

Alles an einem Platz verfügbar

Auf der Plattform ist das (gesamte) „Inventar” aller Medien an einem Platz verfügbar/zu sehen und erlaubt es Werbern, auf einfachste Art und Weise die (eigenen) Kampagnenziele mit verfügbaren, möglichst optimal auf die Anforderungen der Kampagne passenden Werbeplätzen zu matchen und auch gleich zu buchen/reservieren, etc.

Durch Einsatz von Adoptiq wird die Zeit für Buchungen im Vergleich zum herkömmlichen, heute traditionell verwendeten Vorgang deutlich reduziert, weil das System Anfragen in real-time beantwortet und das Inventar in real-time synchronisiert.

„Private Seat”

Die Plattform Adoptiq will sowohl bestehende Handelsmethoden (in einem sog. Private Seat) berücksichtigen als auch die Branche für die Handels­technologien der Zukunft vorbereiten.

Die Medien sollen immer die volle Kontrolle über Inventar und Preise behalten und ihre aktuellen Transaktionen 1:1 mit allen Details auf der Plattform abbilden können. Zusätzlich bietet Adoptiq neue Möglichkeiten, um Angebote im Markt, wie etwa Auktionen, zu testen und methodisch auszuprobieren.

In Holland funktioniert’s

Adoptiq eröffnet dem Printwerbemarkt einen digitalen Zugang und folgt dabei den Prinzipien des digitalen Handels, wie er für den Online-Werbebereich längst üblich ist. Über Adoptiq (und seine Schnittstelle) werden zudem Print-Inventare auch auf „third party digital demand-side platforms” (wie z. B. adform) zugänglich, verfügbar und buchbar, was bisher nicht möglich war.

Das niederländische Start-up hat nach der Eroberung des Heimmarkts – wo derzeit ca. 320 Printtitel verfügbar sind – einen Rollout in Europa und den USA geplant. Die Vorbereitungen für eine erfolgreiche Implementierung laufen derzeit nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und in den USA.
Namhafte Verlage und Medien machen in diesen Märkten ihre Inventare in einem zusätzlichen innovativen Verkaufskanal verfügbar – gleichzeitig nutzen Mediaagenturen den einfacheren und effizienteren Weg, um Kampagnen zu planen und zu buchen. Der Markteintritt in Österreich ist auf der Roadmap, und der Start der Plattform soll so rasch als möglich erfolgen – die Vorbereitungen und Gespräche dazu laufen laut Adoptiq auf Hochtouren.

Skepsis in der Branche

Allerdings wird der Optimismus der Holländer hierzulande beileibe nicht von allen Marktteilnehmern geteilt.

In Österreich habe man schlicht und einfach den Zeitpunkt verpasst, ein solches Tool schon zu besseren Printzeiten zu realisieren. Der Werbemittler Gottfried Satek hat seine einschlägige Arbeit an die Nachbarn in der Schweiz (Satek: „Ein echtes Print-Land!”) verkauft, wo man unter ad.store.admarket.ch mit knapp 3.000 Printtiteln jonglieren kann.
Auch nach Deutschland habe man ihn eingeladen, um sein Know-how darzulegen – auf der Insel der diesbezüglich Unseligen hingegen „hat niemand Lust auf ein Print-Buchungstool”. Und, noch viel schlimmer: „Vor allem will niemand für so etwas bezahlen!”

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