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Der ORF stellt sich auch 2017 sportlich auf © ORF/Roman Zach-Kiesling
© ORF/Roman Zach-Kiesling

Dinko Fejzuli 27.01.2017

Der ORF stellt sich auch 2017 sportlich auf

Allein in den Monaten Februar und März 2017 warten drei Topevents auf die Wintersportfans im ORF.

••• Von Dinko Fejzuli

Skifahren als TV-Spektakel zieht beim Publikum noch immer die Massen an. Das zeigten wieder die Einschaltquoten vom vergangenen Ski-Wochenende in Schladming.

Denn den regelrechten Hundertstelkrimi der Ski-Athleten wollten sich bis zu 1,9 Millionen Zuseher allein im zweiten Slalom-Durchgang im ORF nicht entgehen lassen. Entsprechend wappnet sich dieser schon für die kommenden Wintersport-Großereignisse.
Die Alpine und die Nordische Ski-WM in St. Moritz (6. bis 19. Februar), bzw. in Lahti (22. Februar bis 5. März) stehen ebenso auf dem Programm wie die Biathlon-Weltmeisterschaft in Hochfilzen in Tirol (8. bis 19. Februar). Im Lichte der Diskussion um die Sportrechte nehmen Fernsehdirektorin Kathrin Zechner und Sportchef Hans ­Peter Trost diese Events auch zum Anlass, um auf die Rolle des ORF für den Breiten- und Spitzensport hinzuweisen.
Die Kosten für Hochfilzen, St. Moritz und Lahti betragen knapp 5,8 Mio. €. Insgesamt bewegt sich das jährliche Sport-Budget des ORF – je nach Jahr mit Olympia, WM, etc. – stets irgendwo zwischen 70 und 100 Mio. €, wobei gut zwei Drittel der Kosten auf Lizenzgebühren entfallen; der Rest ist für Produktion, Personal und Infrastruktur zu berappen.
Aber: Je spektakulärer die bildliche Inszenierung, desto besser für den Sport in seiner Breitenwirkung – egal ob Alpin Ski oder etwa Langlaufen –, aber auch für die Austragungsorte in Bezug auf touristische Werbung für die Region, meinen Trost und Zechner.
Deshalb komme der ORF oftmals als Host-Broadcaster zum Zuge – nicht, weil er das meiste Geld, sondern die besten Ideen und die größte Erfahrung mitbringt, so Trost weiter.

Steigende Lizenzkosten

Und wenn es um den Kauf der Sendelizenzen selbst geht, so hat der ORF Sport-Chef eine klare Prioritätenliste: „Wir wollen die top internationalen Produkte, die top nationalen Rechte und die top regionalen Sport-Events.” Letztendlich „profitiert davon der Breitensport”, sagte Trost – auch, weil Großereignisse ein Umfeld für Berichterstattung über Randsportarten seien, die so mehr Zuschauer bekämen. „Mit Hochleistungssport bekommt man die Visibility dafür”, so Zechner.

Leicht augenzwinkernder Nachsatz von Trost: Er wisse natürlich, dass sich diese Sicht des ORF-Sport-Chefs nicht 1:1 mit der Sicht der budgetär Verantwortlichen decke.

Premium nur in Pay-TV?

Dass es insgesamt budgetäre „Grenzen gibt und geben wird”, läge angesichts steigender Preise für Sportlizenzen auf der Hand: „Da werden wir sehen, wo die Grenzen unserer Verhandlungskapazitäten sind, aber auch da ist unser Know-how ­extrem hoch.”

Doch so lange der ORF „mit dem Geld auskommt und das Know-how hat und langjähriger Partner ist”, fände sie es einen „interessanten Ansatz”, ihm Sportrechte zu verwehren, so Zechner in Anspielung auch auf Privatsender, die immer wieder kritisieren, der ORF würde mit Gebührengeldern nicht nur einige, sondern im Grunde alle wichtigen Live-Sport-Rechte ­regelrecht vom Markt wegkaufen. Hier hegen die heimischen Privatsender, die aber durchaus betonen, dass der ORF selbstverständlich auch Premiumrechte haben solle, manchmal den Verdacht, die Übertragungsrechte würden manchmal nur gekauft, um sie den Privaten nicht zu lassen.

Öffentlich-rechtlicher Auftrag

Beim ORF sieht man die Sache naturgemäß anders: Als ORF erfülle man nicht nur seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag, sondern nehme auch eine sport- und gesellschaftspolitische Rolle wahr, argumentieren Zechner und Trost. Wenn sich Regionen um Großevents bewerben, sei „die Qualität des Medienpartners” ein wesentlicher Entscheidungsfaktor, so der Sportchef. Und: In manchen Sportarten sei für die Teilnahme an bestimmten Ligen die Übertragung im nationalen Free-TV eine Voraussetzung. Stünde der ORF hier nicht parat, wären manche Verbände international isoliert, ist sich Trost sicher. „Dafür brauchst du das Gütesiegel der High-End-Produktionen”, ergänzte Zechner.

In diesem Zusammenhang äußert Trost auch die Befürchtung, dass immer mehr Premium-Sportrechte ins Pay-TV abwandern. Als ORF gehe es aber nicht nur darum, Werbegelder einzunehmen oder Ausgaben zu refinanzieren; Zechner dazu: „Der ORF ist sich seines Gesetzesauftrags nicht nur bewusst, sondern versucht auch das Möglichste, um mit begrenzten budgetären Mitteln eine maximale Anzahl von Live-Sport-Übertragungen zu sichern – das gilt für den Sport, aber auch für alle anderen Genres wie Information, Kultur, Unterhaltung & Service. Als Partner der Verbände, der Sportler, der lokalen Organisationen sehen wir uns als Promotoren im Sinne eines breitenwirksamen Effekts hin zu mehr sportlicher Betätigung. Diese gesellschaftspolitische Rolle nehmen wir wahr – und sichern als Medienpartner in gewissen Sportbereichen sogar die Austragung wichtiger Ereignisse in unserem Land. Wir setzen – im Sinne unseres Publikums – auch in Verhandlungen um Rechte und Lizenzen unsere jahrzehntelangen Erfahrungen und unser Know-how mit voller Kraft dafür ein, dass Österreich das breiteste Angebot an Sport-Events und -Sendungen im Free-TV im deutschsprachigen Raum empfängt. Dieses programmlich ambitionierte Ziel bezeichnen wir als ‚Go for Gold' – mit Fairness, Klugheit und Geschick im harten Wettkampf um die Aufmerksamkeit der Seherinnen und Seher als ORF in der Top-Liga spielen.”

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