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Der Spartensender © APA/Georg Hochmuth

Geschäfts­führer Peter ­Schöber leitet das Pro­gramm des Fernsehsenders ORF III.

© APA/Georg Hochmuth

Geschäfts­führer Peter ­Schöber leitet das Pro­gramm des Fernsehsenders ORF III.

Dinko Fejzuli 04.11.2016

Der Spartensender

ORF III feiert sein fünfjähriges Bestehen. Von Budgeterhöhungen, Planumsetzungen und Überraschungen.

••• Von Dinko Fejzuli

WIEN. ORF III wird fünf Jahre alt. Im Oktober 2011 ging man das erste Mal auf Sendung. Geschäftsführer und Programmleiter Peter Schöber über einen Start von Null weg und klare Positionierungen.

medianet:
ORF III feiert seinen fünften Geburtstag. Sie sind von Anfang an als Geschäftsführer dabei. Wie würden Sie selbst die Entwicklung des Senders beschreiben?
Peter Schöber: Man hat in einem Berufsleben nicht oft die Chance, etwas von Null weg zu starten und aufzubauen. Das war für unser Team und mich eine besondere, sehr schöne ­Herausforderung.

medianet:
Welche Dinge sind wie geplant gelaufen, welche nicht?
Schöber: Die Erfahrungswerte des ORF beim Start von Fernsehsendern waren überschaubar, da der letzte große Senderstart 1961 (ORF 2) erfolgte und wir den Sender nach der Channel-Strategie Eine Marke-ein Team-ein Sender und vom Start weg 100%ig mit digitalen Workflows aufstellen wollten. Insofern haben wir gemeinsam mit unseren Partnern sehr viele neue Produktionsmethoden ausprobiert. Wenn Sie so wollen, waren und sind wir hier Beta-Tester für den Konzern. Was über weite Strecken nicht funktioniert hat, waren sogenannte Time-Shift- Modelle, also Programme aus ORF 2 zeitnah an guten Sendezeiten auf ORF III anzubieten. Das wurde – mit einer Ausnahme – nicht gut angenommen und hat auch nicht funktioniert. Dass das Programmschema, in dem jeder Tag einem besonderen Schwerpunkt gewidmet ist – Montag mit Dokus, Dienstag mit Kunst und Kultur, Mittwoch mit Wissenschaft und Religion, Donnerstag mit Europa, Internationalität und Innenpolitik, Freitag mit österreichischem Filmschaffen, Samstag mit Zeitgeschichte und musikalisch-humorvoller Unterhaltung, Sonntag mit Oper, Operette und Konzert – so gut angenommen wird, war etwas, worüber wir uns freuen, womit ich aber ehrlicherweise in dieser kurzen Zeitspanne nicht gerechnet habe. Gut funktioniert und bewährt haben sich die mittlerweile mehr als 30 regelmäßigen Eigenformate.

medianet:
Wie sehen Sie als Programmmacher die Positionierung des Senders in der heimischen TV-Landschaft und welche Funktion erfüllt er innerhalb der ORF-Flotte?
Schöber: Für ORF III gibt es einen klar umrissenen gesetzlichen Auftrag. Die Positionierung innerhalb der ORF-Flotte speziell zu ORF 1 und ORF 2 war ein ergänzendes zusätzliches Programmangebot, basierend auf den vier Programmsäulen – Kultur/Volkskultur/Regionalität und Religion, Zeitgeschichte/Zeitgeschehen/Wissenschaft und Bildung, Information/Europäische Integration und Stärkung des Demokratieverständnisses sowie Kunst und Kultur. – zu schaffen. Also nicht das Publikum von ORF 1 oder ORF 2 abzuziehen, sondern stattdessen jenes Publikum, das über weite Strecken bei Angeboten wie etwa Arte, ZDF Kultur, ZDF Info, Phönix, n-tv, etc. war, wieder zum ORF zurückzuholen.

medianet:
ORF III arbeitet mit einem geradezu verschwindend geringen Budget. Wie geht sich das aus und wofür werden Sie die angekündigte Budgeterhöhung von aktuell 13 auf in drei Jahren 20 Mio. Euro investieren?
Schöber: Ohne Alexander ­Wrabetz und seinen mutigen Entschluss, noch dazu in der Zeit der ­Finanzkrise 2008, in der alle anderen Medien ihre Angebote reduziert haben, einen neuen Sender zu starten, gäbe es ORF III nicht. Wir sind in den ersten fünf Jahren unseres Bestehens auch bestmöglich durch den Konzern unterstützt worden. Dass das Programm­budget und die Ressourcen in den nächsten drei Jahren wie angekündigt ausgeweitet werden, ist natürlich erfreulich. Wir wollen darauf achten, dass die zusätz­lichen Ressourcen in die österreichische Produktionswirtschaft, sprich mehr Programm, fließen.

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