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Die Botschaften des Gottseibeiuns
sabine bretschneider 07.10.2016

Die Botschaften des Gottseibeiuns

Der Plattform-Kapitalismus ist im Anrollen. Kluge Köpfe sind bereits am Grübeln.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

ALLES EASY. Der Arbeitsmarkt wird zunehmend anspruchsvoll: Für jene, deren Ausbildung eher unterdurchschnittlich ist, gibt es gar keine Jobs. All die, die dachten, als Akademiker, da hat man's leicht, müssen erfahren, dass in Zeiten der Aufnahmesperre im öffentlichen Dienst diese Weisheit nichts wert ist. Alle, die den 40er überschritten haben, überlegen bang, ob eine sachte Fälschung persönlicher Dokumente eine Zwischenlösung darstellen könnte. Frauen verschieben den Kinderwunsch so lang, bis Fall c (40+) eingetreten ist, damit sie zumindest eine Sorg' weniger haben. Und die Jungen, Flexiblen, top ausgebildeten Digital Natives mit einigen Jahren Berufserfahrung auf dem Buckel und Kenntnissen in vier Fremdsprachen, die Globalisierten im Geiste mit einem Wohnmobil als Zuhause – das sind die Repräsentanten der Generation Y. Die einzigen, die sich keine Sorgen machen müssen. Denn um deren Arbeitskraft ist ein War for ­Talent im Gange, der sich gewaschen hat.

Für sie pupperln sich die Arbeitgeber per Employer Branding heraus, für sie stehen die Personaler Schlange, ihre Bedürfnisse bedienen klingende Karriere-Start-ups.
Die einzige Hürde, die sich auftut, könnten die neuen Organisationsformen der Humanressourcen sein, denen sie unterliegen. Per Crowdworking mögen sie doch ihre Expertise anbieten, als Liquid Workforce vom Heimbüro aus. Der Arbeitgeber der Zukunft wirft sein Geld nicht für eine stationäre Arbeitstruppe aus dem Fenster, die ihre Klopausen als Arbeitszeit betrachtet. Verständlich. Kritisch wirds, wenn einem der international agierende Auftraggeber zehn Minuten Programmierzeit abkauft – man aber im Kostenvergleich mit dem pakistanischen IT-Kollegen aus dem Rennen fällt.
Steuerlich könnte sich für die Alpenrepublik auch noch ein Problem auftun, wenn die Abgaben auf Arbeit sinken und gleichzeitig Begriffe wie Maschinen- oder Vermögenssteuer als Leitspruch des Gottseibeiuns interpretiert werden.
Lesen Sie dazu die Prognosen der Experten ab Seite 85 der heutigen Ausgabe.

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